So lief das Spiel:

Der Trainerwechsel von Jens Keller zu Michael Wiesinger schien dem 1. FC Nürnberg offenbar gut getan zu haben. Die Gastgeber legten schwungvoll los und setzten Ingolstadt sofort unter Druck. Die Gäste konnten sich kaum aus der Defensive befreien, während sich der Club fast im Minutentakt Chancen erarbeitete. Die besten davon boten sich Mikael Ishak, der einen Kopfball nach einem Freistoß an die Latte setzte (5. Minute) und Tim Handwerker, bei dessen kraftvollem Schuss Ingolstadts Torwart Marco Knaller gerade noch die Hände hochgerissen bekam (10.). In der 19. Minute befand sich der Ball das erste Mal im Ingolstädter Tor. Allerdings wurde der Treffer aufgrund einer Abseitsstellung zurückgenommen. Robin Hack hatte die halbe Gäste-Abwehr alt aussehen lassen. Seinen zunächst geblockten Schuss brachte Ishak im Tor unter, befand sich dabei aber im Abseits.
Doch nur wenig später durfte Nürnberg dann offiziell jubeln. Der stets aktive Hack legte auf Fabian Nürnberger quer, der sich aus gut 20 Metern ein Herz nahm und den Ball im langen Eck unterbrachte – die hochverdiente 1:0-Führung für die Gastgeber (22.).
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Auch nach dem Führungstreffer zeigte sich das gleiche Bild. Die Nürnberger ließen den Schanzern kaum Luft zum Atmen und spielten weiter nach vorne, auch wenn zunächst keine Großchancen mehr dabei heraussprangen. Ingolstadt fand dagegen offensiv praktisch gar nicht statt und hatte am Ende von Halbzeit eins nur einen Versuch von Maximilian Thalhammer vorzuweisen, dessen Direktabnahme einen guten Meter über das Tor ging (43.).
Kurz vor dem Halbzeitpfiff erzielten die Nürnberger dann aber noch das dem Spielverlauf angemessene 2:0 (45.). Einen langen Einwurf von Enrico Valentini verlängerte Adam Zrelak per Kopf in die Mitte. Dort schaltete Nürnberger am schnellsten und schnürte den Doppelpack.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit lief Nürnberg später an und überließ den Ingolstädtern vermehrt den Ball, die das allerdings nur bedingt zu nutzen wussten. Stattdessen hatte die Heimmannschaft in Form von Ishak die erste Gelegenheit der zweiten 45 Minuten. Einen Distanzschuss des Schweden in Richtung des linken Winkels klärte Knaller noch zur Ecke (54.). Kurz danach kam Hack im Strafraum aus dem Lauf heraus frei zum Kopfball, platzierte den Ball aber zu zentral (57.).
Dann erzielte Nürnberger fast den Dreierpack. Nach einem Pass von Hack kam der 20-Jährige im Strafraum aus spitzem Winkel zum Abschluss, setzte den Ball aber an den Pfosten (66.).
In der Folge verlor die Partie etwas den Spielfluss, was an häufigeren Fouls lag und daran, dass Nürnberg kein gesteigertes Risiko mehr ging und das Ergebnis lieber verwaltete. Ingolstadt konnte etwas mehr Anteil am Spiel nehmen, blieb aber vor dem Nürnberger Tor weiter ungefährlich.
In der 80. Minute brachte Ishak den Ball zum zweiten Mal im Ingolstädter Kasten um, zum zweiten Mal stand er dabei aber knapp im Abseits. Zuvor hatte Knaller stark gegen Frey pariert, ehe sich der Schwede beim Abpraller in der verbotenen Zone befand. In der Nachspielzeit hätte Nürnberg dann fast noch auf 3:0 erhöht. Michael Frey kam aus kurzer Distanz zum Abschluss, ein Ingolstädter Verteidiger warf sich im letzten Moment noch vor den Ball (90.+3).
So blieb es beim hochverdienten 2:0-Sieg für die Nürnberger, die sich damit in eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel in Ingolstadt brachten. Die Schanzer wiederum müssen jetzt erst einmal ihre Kräfte sammeln und sich dann auf eine schwere Aufgabe zuhause vorbereiten.

Die Stimmen zum Spiel:

Marcel Gaus: "Wir haben uns da letztendlich auch den Schneid abkaufen lassen, warum auch immer. Wir haben uns da beeindrucken lassen. Jetzt wissen wir, was auf uns zukommt. Wir waren eigentlich darauf vorbereitet, aber von der Art und Weise sind wir in dem Moment nicht klargekommen. Das müssen wir analysieren und Lösungsansätze finden. Wir kämpfen bis zum Ende und werden das auch jetzt machen."
Michael Wiesinger: "Es ist Halbzeit, nicht mehr, nicht weniger. Wir nehmen aus dem Spiel viel mit. Wir nehmen mit, dass wenn wir machen, was wir gesagt haben, wenn wir entschlossen sind, wenn wir laufbereit sind, dann ist es schwer gegen uns und dann bringen wir auch eine Qualität auf den Platz. Das haben wir heute bravourös umgesetzt, soweit uns die Füße getragen haben. Der Gegner hat es uns nicht leicht gemacht. Die haben am Samstag gespielt. Da muss man schon sagen: Respekt, für das, was die heute gegangen sind."
Christian Mathenia: "Ich denke, dass die Woche sehr viel von Emotionen geprägt war. Das hat man hier heute auf dem Platz gesehen. Wir sind zufrieden, aber wir wissen, dass wir noch ein sehr wichtiges Spiel haben. Im Fußball hat man die verrücktesten Sachen gesehen. Und deswegen sind wir klar im Kopf."
Fabian Nürnberger: "Das war ein guter Zeitpunkt, um zwei Tore zu machen. Wir wurden sehr gut eingestimmt. Wir waren ja in einem Kurztrainingslager, in dem uns die Trainer heiß gemacht haben. Auch die Ansprachen vor dem Spiel haben extrem gewirkt. Ich denke, es waren nicht nur die Trainer, sondern auch das ganze Umfeld drumherum. Ich glaube, man hat es gemerkt, dass das hier einen Schwung gegeben hat."
Thomas Oral: "Es ist natürlich eine bittere Niederlage. Wir haben in der ersten Halbzeit überhaupt nicht zu unserem Spiel gefunden. Der Gegner hat uns den Schneid abgekauft. Sie sind mit viel Wucht gekommen. Man konnte auch sehen, dass sie jede Situation für sich genutzt haben. Da waren wir in vielen Phasen zu brav. In der zweiten Halbzeit haben wir dann alles versucht, haben mutiger gespielt, aber uns ist leider kein Anschlusstreffer gelungen. Wenn man die ersten Minuten betrachtet, konnte man schon sehen, dass der Gegner etwas spritziger wirkte. Sie waren einen Tick fokussierter wahrscheinlich. Aber ich habe [die kurze Vorbereitung] vor dem Spiel nicht gelten lassen, ich möchte es jetzt auch nicht gelten lassen."

Das fiel auf: Ingolstadt vermisst Kutschke

Offensiv gelang den Ingolstädtern über die gesamte Partie so gut wie nichts. Am Ende standen zwei Abschlüsse auf dem Spielberichtsbogen, wobei Christian Mathenia in beiden Fällen nicht gefordert wurde. Das Fehlen des 13-Tore-Stürmers, Stefan Kutschke, wurde überdeutlich. Und das nicht nur in Bezug auf die fehlende Torgefahr, sondern auch auf die spielerische Herangehensweise der Schanzer. Die spielten nämlich immer wieder lange, hohe Bälle in die Spitze, wo sie normalerweise von Kutschke behauptet werden. Ohne den 1,94-Meter-Mann hatten die Nürnberger Innenverteidiger allerdings keine großen Mühen, alle langen Bälle abzufangen.

Der Tweet zum Spiel:

Die Statistik: 3

Nur drei Tage hatten die Ingolstädter zwischen der letzten Ligapartie und dem heutigen Relegationshinspiel. Nürnberg hatte dagegen schon eine Woche früher Schluss in der Liga und konnte zwischendurch sogar ein Kurztrainingslager beziehen. Das war auch im Spiel zu bemerken. Die Nürnberger wirkten deutlich frischer und den Schanzern körperlich überlegen. Als Ausrede für die schwache Leistung wollte Ingolstadt-Trainer Thomas Oral das nach dem Spiel aber nicht gelten lassen.
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