Werder Bremen: Wird der Klassenerhalt zum Bumerang?

Werder Bremen bleibt in der Bundesliga. Das ist für den Traditionsverein nach einer turbulenten Saison eine gute Nachricht. Doch sie bringt auch Probleme mit sich. Schon bald könnten sich die finanziellen Probleme des - auch durch die Corona-Pandemie - in leichte Schieflage geratenen Klubs weiter verschärfen. Es stehen richtungweisende Verhandlungen an. Die Klub-Bosse sind gefordert.

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"Ein unglaublicher Druck, der von allen abfällt."
Florian Kohfeldt sprach bei "Amazon Prime" aus, was kurz nach Schlusspfiff so ziemlich alle Werderaner fühlten. Dieses 2:2 im Relegations-Rückspiel beim FC Heidenheim hielt den Traditionsverein doch noch in der Bundesliga.
Zwar ohne ein Spiel gegen den ziemlich biederen Dritten der Zweitliga-Abschlusstabelle zu gewinnen, aber immerhin. "Scheiß Saison, gutes Ende", befand der Trainer und musste sich erstmal sammeln. Dem 37-Jährigen war die ehrliche Erleichterung anzumerken. Genau wie den anderen Werder-Verantwortlichen.
Sportdirektor Frank Baumann und der Aufsichtsratsvorsitzende Marco Bode dürften mit ihren Gedanken aber - auch in der Stunde des Erfolgs - schon ein oder gar zwei Schritte weiter gewesen sein. Denn der geschaffte Klassenerhalt zieht für den Verein einige problematische Entwicklungen nach sich.
So könnten Entscheidungen, die vor der Saison durchaus klug und weitsichtig erschienen, in den kommenden Wochen zum unerwarteten Bumerang werden.

Werder ist durch Corona finanziell angeschlagen

Zeit, um die nervenzehrende "Freefall"-Saison - wie Kohfeldt sie nannte - zu verarbeiten, bleibt jedenfalls kaum. Denn mit dem Abpfiff des Spiels in Heidenheim landete Werder auch abrupt in der Realität.
Finanziell ist der Verein stark angeschlagen, die fehlenden Zuschauereinnahmen durch die Corona-Krise haben die Lage in den vergangenen Wochen noch erschwert. Spielraum auf dem Transfermarkt gibt es deshalb kaum. Ganz im Gegenteil.
Baumann hatte zuletzt schon angemerkt: "Die ganz großen, beziehungsweise die Masse an Transfers wird es nicht geben, weil die Umsätze sich reduzieren. Die Umsätze werden im Sommer signifikant einbrechen."
Und obendrein bereiten Werder Deals Kopfzerbrechen, die vor langer Zeit abgeschlossen wurden.

Toprak und Bittencourt kosten Werder viel Geld

Weil die Bremer schon im vergangenen Sommer keine großen Sprünge machen konnten, den Kader aber verstärken wollten, griffen die Bosse zu einem Trick.
Für die erfahrenen Ömer Toprak und Leonardo Bittencourt handelte man mit deren Stammklubs Borussia Dortmund und TSG Hoffenheim Leihdeals aus. Diese umfassten jeweils auch eine Kaufpflicht bei Klassenerhalt.
Die Preise für das Duo stehen deshalb längst fest. Fraglich, ob BVB oder TSG hier noch mit sich reden lassen.
Laut "Kicker" werden für - den deutlich hinter den Erwartungen zurückgebliebenen - Innenverteidiger Toprak vier Millionen Euro fällig, bei Flügelstürmer Bittencourt beläuft sich die Summe sogar auf drei Millionen mehr.
Zusammen mit den Leihgebühren von insgesamt 3,1 Millionen Euro würde das Duo die Grün-Weißen eine Gesamtablöse in Höhe von 14,1 Mio. Euro kosten. Preise, die auf einem durch die Pandemie abgeschwächten Markt in diesem Sommer auf keinen Fall zu erzielen wären.

Selke-Kaufpflicht erst in einem Jahr fällig, Hoffen auf Rashica

Noch verzwickter sieht die Lage bei Stürmer Davie Selke aus. Der gehört eigentlich Hertha BSC, ist aber an Werder ausgeliehen. Mit Kaufpflicht, versteht sich. Die vereinbarte Summe soll sich bei rund 15 Millionen Euro bewegen. (Zu) Viel Geld für einen Spieler, der in der Rückrunde im Abstiegskampf kein einziges Tor erzielte.
Einziger Pluspunkt: Die Kauf-Klausel bei Selke greift erst in einem Jahr, also nach einem erneuten Klassenerhalt im Jahr 2021.
Werder braucht also sowohl kurz- als auch langfristig Geld, um sich selbst nach dem Klassenerhalt auf eine tragfähige Basis zu stellen. Deshalb hofft man auf Einnahmen.
Zum "Retter" könnte deshalb Milot Rashica avancieren. Der kosovarische Nationalspieler hat den höchsten Marktwert im Kader. Und obendrein eine festgeschriebene Ablösesumme von 38 Millionen Euro.
Ob ein interessierter Verein - von denen es nach einer schwächeren Saisonschlussphase weniger geben dürfte als im Winter - diesen Preis zahlt, erscheint derzeit als durchaus abwegige Vorstellung.

Auch Kohfeldt-Zukunft noch offen

Ganz egal aber, wie groß die finanziellen Probleme auch sein werden. In der Bundesliga sind sie langfristig in jedem Fall leichter zu lösen als im Unterhaus. Unterm Strich war der Montag also ein guter Tag für Werder Bremen.
Das fand auch Kohfeldt: "Wir sind einfach nur froh und glücklich, es doch noch geschafft zu haben." Nun beginnen die Aufräumarbeiten.
Denn auch die Zukunft des Trainers ist noch nicht geklärt. Ob er bleibt, soll sich zeitnah klären. "Wir werden nichts am Zeitplan ändern. Wir werden uns die nächsten Tage zusammensetzen und besprechen, was das Beste für Werder ist", sagte er. Baumann zumindest sendete schonmal positive Signale.
Bremen sieht einer spannenden Sommerpause entgegen...
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