Ronaldinho | Geburtstag im Gefängnis in Paraguay
Publiziert 20/03/2020 um 13:51 GMT+1 Uhr
Fußball-Legende Ronaldinho wird am Samstag seinen 40. Geburtstag im Gefängnis feiern. Noch schlimmer: Der Brasilianer sitzt mittlerweile nicht nur in U-Haft, sondern richtig tief im Schlamassel fest. Getuschelt wird über Scheinfirmen, Geldwäsche, Steuerbetrug in Verbindung zum Drogenhandel. Welche Hiobsbotschaft ihn in dieser Woche erreichte und warum sein Fall längst zum Politikum geworden ist.
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Es sind harte Zeiten für Ronaldinho, den Brasilianer, der einst so leichtfüßig durch die Abwehrreihen seiner Gegner tänzelte. Der Ball war sein Freund - und die Fans lagen ihm zu Füßen. Am Samstag wird er 40 Jahre alt und sitzt im Gefängnis. Der Paradiesvogel im Käfig.
Mehr als zwei Wochen dauert seine U-Haft in der "Agrupacion Especialiada", einer Kaserne der Nationalpolizei in Asunción in Paraguay, nun an. Die Bilder, die von dort kommen, wirken trostlos. Natürlich. Kicken mit den Knastkollegen ist die einzige Aufheiterung für ihn in diesen Tagen, denn Ronaldinho selbst ist in einem Machtkampf zwischen Politikern zum Spielball geworden. Nur um die gefälschten Pässe, ursprünglich der Hauptgrund seiner Festnahme und die seines Bruders Roberto, geht es längst nicht mehr.
So hocken der frühere Barcelona-Star, der mit den Katalanen 2006 in der Champions League höchste Weihen erlangte, sowie sein Ziehvater-Bruder, mit dem FC Sion 1997 Schweizer Meister, in einer fünf mal fünf Meter engen Zweibettzelle. Vor einem Herd, einer Minibar und einem Fernseher. Immerhin steht die Tür zum Hof offen, weil eine Toilette im Raum fehlt.
Angst vor Mücken und der Zukunft
"Ronaldinho findet seinen Spaß beim Fußball", erklärt der für die Haftanstalt, in der derzeit 149 Personen einsitzen, verantwortliche Aufseher gegenüber "UOL Esporte", berichtet aber auch von der Angst der Moreira-Brüder vor Denguefieber. "Wir haben wirklich viele Mücken hier", gibt Blas Vera zu.
Der Fall Ronaldinho wird indes immer mysteriöser: Schon 15 Personen wurden verhaftet, einzig die Hauptverdächtigte bleibt spurlos verschwunden. Dalia Lopez soll in den letzten fünf Jahren 400 Millionen US-Dollar umgesetzt haben, mit Scheinfirmen, als Geldwäsche, unter Steuerbetrug, gar in Verbindung zum Drogenhandel. Und so hält Ronaldinho weiter als Trophäe einer Säuberungs-Aktion im vom Kopf bis Fuß korrupten Paraguay her. Paraguays Innenpolitik erlebt aktuell einen Machtkampf. Und der Fall Ronaldinho eignet sich für Politiker, sich zu profilieren.
Der frühere Nationaltorwart Jorge Luis Chilavert wirft dem paraguayischen Innenminister Acevedo vor, die harte Hand gegen Ronaldinho als Ablenkungsmanöver zu benutzen:
Statt für Gerechtigkeit zu sorgen, schütze der Minister wohl lieber seine Verbündeten, so Chilavert, der in Paraguay weiterhin sehr populär ist.
Dazu kommt jetzt auch noch die Corona-Pandemie. Sie hat auch Asuncion zur Geisterstadt gemacht und erschwert die Anträge von Ronaldinhos Anwälten. Denn die örtliche Justiz arbeitet auf Sparflamme, wickelt nur mit Priorität (Un-)gerechtigkeiten ab. Flucht- und Verdunklungsgefahr sprächen gegen "R10".
Deshalb bleibt weiter ungeklärt, warum das in den gefälschten Dokumenten benutzte Foto des Weltmeisters von 2002 auf Tausenden Bällen in Lopez' Wohnung gefunden wurde. Ronaldinho war von der Paraguayerin angeblich eingeladen worden, ihrem Sozialprojekt ein Gesicht zu verleihen. Was hellhörig macht: Als paraguayische Staatsbürger kämen er und sein Bruder besser an Geschäfte im Land heran.
Die "Retterin" lässt Ronaldinho hängen
Gekostet haben die Papiere 6000 US-Dollar pro Stück, laut ersten Zeugenaussagen geordert von Lopez. Ein Pappenstiel zu den 1,6 Millionen Dollar, die Ronaldinhos Anwälte als Kaution für eine Erleichterung in Hausarrest angeboten haben. Dem Richter angeblich zu wenig angesichts der Besitzverhältnisse des einzigen Fußballers, der Champions League, Copa Libertadores sowie WM gewann und nebenbei zum Weltfußballer gewählt wurde.
Lopez war es auch, die Ronaldinhos Freiheit hätte erwirken können. Dumm nur, eine Verlegung in den Hausarrest wurde unlängst abgelehnt. Ein Termin mit Lopez platzte vor Gericht, weil die Dame nicht erschien. Ihre Anwälte legten ein Attest vor, das ihrer Mandantin Typ2-Diabetis und Bluthochdruck bescheinigt. Damit gehört Dalia Lopez zur Risikogruppe der Corona-Pandemie. Reisen kommt damit nicht infrage.
Das bubenhaft-schelmische Lächeln, das Ronaldinho als Profi unverwechselbar machte, dürfte ihm vergangen sein. Sein Geburtstag ist kein Grund zum Feiern.
"Jeden Tag gibt es ein paar Jungs, die reinwollen. Ronaldinho empfängt sie gern", berichtet Gefängnisverwalter Vera. Die Autogrammjäger kommen in Barcelona- oder Seleção-Trikots. Bei den Fans bleibt der Dribbelkünstler hoch geschätzt. Auch wenn er in Paraguay tief fallen könnte.
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