Heart of Midlothian träumt vom ersten Meistertitel seit 1960 - "widerlicher" Elfmeter sorgt für epischen Showdown
Publiziert 15/05/2026 um 10:07 GMT+2 Uhr
In der Scottish Premiership steht Heart of Midlothian kurz vor der Krönung: Der erste Meisterschaftstitel seit 1960 ist in greifbarer Nähe - doch den Außenseiter erwartet am letzten Spieltag eine Mammutaufgabe. Mit Celtic Glasgow wartet der einzige verbliebene Rivale im Titelrennen, ein Punkt trennt die beiden Anwärter. Ein "widerlicher" Elfmeter am Mittwoch sorgte für eine dramatische Zuspitzung.
Heart of Midlothian träumt vom ersten Meisterschaftstitel seit 1960
Fotocredit: Getty Images
37 Spiele, zehn Monate, ununterbrochen Tabellenführer seit Ende September - und alles läuft auf die letzten 90 Minuten der Saison hinaus.
Heart of Midlothian steht in der Scottish Premiership vor einem Triumph aus dem Märchenland, die erste Meisterschaft seit 1960 winkt. Doch der Fußballgott verlangt dem Klub aus Edinburgh auf der Schlussgerade noch einmal alles ab.
Am finalen Spieltag der Meisterrunde reist Hearts mit nur einem Punkt Vorsprung ausgerechnet zum einzig verbliebenen Rivalen: Celtic Glasgow. Im knapp 60.000 Zuschauer fassenden Celtic Park erwartet den vor einem Jahr noch unscheinbaren Klub am Samstag ein Hexenkessel - das steht spätestens seit Mittwochabend fest.
Eine umstrittene Elfmeterentscheidung zugunsten Celtics führte außerhalb von Glasgow nämlich zu massivster Empörung, der Traum von der Meisterschaft mitsamt aller Superlative geriet plötzlich ins Wanken. Und Erinnerungen an ein 40 Jahre altes Trauma wurden wieder lebendig.
Ein "widerlicher" Elfmeter schockt Hearts
Der Titel hätte schon am Mittwochabend so gut wie perfekt sein können - wenn da nicht ein angebliches Handspiel gewesen wäre. In der achten Minute der Nachspielzeit zeigte John Beaton, der nun wohl prominenteste Schiedsrichter in Schottland, in Motherwell auf den Punkt. Elfmeter für Celtic.
Mittelfeldmann Sam Nicholson hatte in einem Luftzweikampf die Hand am eigenen Kopf und spielte den Ball mit ebenjenem. Doch ob die Hand das Spielgerät dabei ebenso berührt hat, ließ sich anhand der vorliegenden Bilder nicht nachvollziehen. Der Referee benötigte am Bildschirm aber nur knapp 20 Sekunden, um dem Showdown um den Titel eine letzte Prise Drama zu verleihen.
Stürmer Kelehi Iheanacho trat an und jagte die Kugel eiskalt in die Maschen zum 3:2 (90.+9). So muss Heart of Midlothian unbedingt eine Niederlage in Glasgow vermeiden, ansonsten würde sich Celtic mit Titel Nummer 56 zum alleinigen Rekordmeister in der Premiership krönen.
In Edinburgh verfolgte man das Geschehen fleißig am Handybildschirm, nachdem die Hearts ihre Hausaufgaben gegen den FC Falkirk (3:0) erledigt hatten.
Derek McInnes sprach wütend von einer "widerlichen" Entscheidung, der Trainer von Heart of Midlothian hatte das Gefühl, "dass wir gegen alle ankämpfen". Gegen die Schiedsrichter und die Videoassistenten, gegen die gesamte schottische Liga und am Samstag vor allem: gegen Celtic.
Für die Hearts, welche die Tabelle seit Ende September ununterbrochen anführen, stellt diese Ausgangslage aber gewiss kein Novum dar.
Heart of Midlothian: David gegen zwei Goliaths
Wer im Sommer 2025 sein Geld auf einen Titeltriumph von Heart of Midlothian gesetzt hat, galt als äußerst risikofreudig.
Seit Aberdeen in der Saison 1984/85 unter der Leitung von Sir Alex Ferguson ging nämlich jede einzelne Meisterschaft nach Glasgow: 22-mal jubelte Celtic, 18-mal standen die Rangers ganz oben. Ein anderes Drehbuch? Undenkbar.
Daher war es für Beobachter der Premiership höchst amüsant, als Tony Bloom nach Übernahme von 29 Prozent des Vereins verlauten ließ, dass er seinem neuen Projekt das Unmögliche zutraute. So trat David aus Edinburgh gleich gegen zwei Goliaths an - und erfand sich innerhalb kürzester Zeit komplett neu.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/05/14/image-e33310a9-18eb-4c57-90bd-4322168118e4.jpeg)
Cláudio Braga ist einer jener Transfers, der auf Anhieb bei den Hearts funktioniert hat
Fotocredit: Getty Images
Wie Brighton & Hove Albion und Royale Union Saint-Gilloise, wo Bloom als Eigentümer aufscheint, setzt auch Heart of Midlothian auf die Dienste des Datenanalyse-Unternehmens Jamestown Analytics. Über Nacht stieß der Klub im neu aufgesetzten Scoutingbereich dadurch auf eine Goldader nach der anderen.
Während der Fokus in den vorangegangenen Jahren vor allem auf Spielern von der Insel lag, wurden die Hearts nun auch in exotischeren Regionen fündig. Alexandros Kyziridis (Niké Liga/Slowakei), Cláudio Braga (OBOS-ligaen/Norwegen), Pierre Landry Kabore (Premium Liiga/Estland) sowie Ageu (Primeira Liga/Portugal) avancierten in den zurückliegenden Monaten zu unverzichtbaren Leistungsträgern.
Unter anderem dank ihrer Leistungen werden Mitte Mai mit dem viermaligen Meister alle möglichen Superlative in Verbindung gebracht: 80 Punkte hat in der Ligageschichte noch kein Klub außerhalb von Glasgow erreicht, vier Siege in Folge gegen die Rangers und Celtic sind ein Meilenstein für sich.
90 Minuten fehlen - doch ein bitteres Déjà-vu droht
Am Samstagnachmittag könnten all die Errungenschaften aber zu einer Fußnote der schottischen Fußballgeschichte verkommen, sollte Celtic tatsächlich noch das Meister-Comeback gelingen. Es wäre ein nur allzu bitteres Déjà-vu.
Letztmals gingen die Hearts vor exakt 40 Jahren als Tabellenführer in den letzten Spieltag. Ein Unentschieden beim Dundee FC hätte zum fünften Ligatitel gereicht, doch eine 0:2-Niederlage ließ den Traum jäh zerplatzen. Celtic fertigte St. Mirren mit 5:0 ab und krönte sich doch noch zum Meister. Eine tiefe Wunde in den Herzen der alteingesessenen Fans.
Vier Dekaden später bietet sich endlich die goldene Chance zur Revanche. Trotz des umstrittenen Elfmeters für Celtic am Mittwoch und dem damit verbundenen emotionalen Tiefschlag hat der wiederauferstandene Traditionsverein sein Schicksal selbst in der Hand.
Ein möglicher Trumpf im Ärmel: Nicht nur Celtic trägt den Hang zum Drama in der DNA. Tore ab der 86. Minute bescherten den Hearts schon mehrmals einen Sieg in dieser Saison, dreimal fiel die Entscheidung sogar nach Ende der regulären Spielzeit.
Ende Januar reichte übrigens ein Treffer von Braga in der 87. Minute zum späten Punktgewinn gegen Celtic (2:2). Aus Sicht von Heart of Midlothian wäre es wohl das perfekte Drehbuch für den Celtic Park am Samstag - und Balsam für die gebeutelte Seele.
Das könnte Dich auch interessieren: VAR-Drama bringt Meisterfinale: Hearts außer sich
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/05/14/image-5efb8082-0ff0-4043-80e6-1facdde52e9e-85-2560-1440.jpeg)
Flick würdigt Perez-Vorwürfe "keine Antwort"
Quelle: Perform
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung