Juventus Turin gegen SSC Neapel: Der Meister-Check der Serie A

SSC Neapel oder Juventus Turin - wer holt den Titel in der Serie A? Während bei Napoli ein entfesselter Gonzalo Higuaín und der emotionale Trainer Maurizio Sarri vom ersten Scudetto seit 26 Jahren träumen, geht Juventus mit einer furchteinflößenden Serie ins Spiel der Spiele am Samstag. Allerdings droht den Turinern eine Pep-Situation. Der Meister-Check:

Eurosport

Fotocredit: Eurosport

Am Samstagabend steigt in der Serie A das Spiel der Spiele: Der Zweite Juventus Turin empfängt den Tabellenführer SSC Neapel (20:45 Uhr im Liveticker). Fällt eine Vorentscheidung im Kampf und den Scudetto?
Eurosport.de macht vor dem Top-Duell den Meister-Check und zeigt auf, was für und was gegen wen spricht:

SSC Neapel - 56 Punkte

Form: Ausgezeichnet. Mit dem achten Sieg in Folge hat der Herbstmeister jüngst einen Klub-Rekord aufgestellt. Dabei ging die Saison mit nur sechs Punkten aus den ersten fünf Spielen ähnlich schlecht wie bei Juventus los. Doch bei Napoli begriffen die Spieler nach dem Wechsel von Rafael Benítez auf Maurizio Sarri schnell, was der Trainer will.
Unter ihm schießt Napoli jetzt öfter aufs Tor, trifft öfter, kassiert weniger Gegentore und gewinnt mehr Zweikämpfe als noch unter Benítez. Überragend beim Herbstmeister: Das Angriffstrio Gonzalo Higuaín, Lorenzo Insigne und José Callejón - an die 53 Saisontore der "Gli Azzurri" kommt nicht mal Juventus ran.
Napoli greift also erstmals seit den Tagen von Diego Maradona (1990) wieder ernsthaft nach dem Titel - da wird sogar die Oma verrückt. Zumindest, wenn man diesem Clip, der von Napoli-Torwart Pepe Reina geteilt wurde, glaubt:
Was für Neapel spricht: Torjäger Higuaín und Trainer Sarri. Der Ex-Real-Stürmer hat in Neapel seinen absoluten Zenit erreicht und denkt gar nicht daran, sein Glück woanders zu suchen. Mit 24 Toren in 24 Spielen ist er derzeit der beste Torjäger Europas. "Higuain ist wie ein Hund. Er verschlingt jede Chance, die er bekommt", sagt sein Trainer über ihn. "Ich würde ihn für niemanden eintauschen, nicht mal für Lewandowski." Die Bayern hätten ihn prinzipiell gerne als Backup für Lewandowski, doch Napoli blockt ab. "Gonzalo Higuaín ist ein großartiger Spieler, der Bayern gefällt, aber mein Freund Aurelio de Laurentiis möchte ihn nicht verkaufen", sagte Karl-Heinz Rummenigge jüngst.
Ein echter Typ ist auch Sarri. Während er früher als Bankmanager stets Anzug trug, coacht der 57-Jährige jetzt immer im Trainingsanzug, manchmal sogar mit Zigarette im Mund. Er hat Napoli das letzte Quäntchen Feuer gegeben, das Benítez manchmal fehlte. Sarri stammt aus Neapel, sein Lebenslauf ist erdig. Seine Job-Liste seit 2000: Sansovino, Sangiovannese, Pescara, Arezzo, Avellino, Verona, Perugia, Grosseto, Alessandria, Sorrento, Empoli. Sein Credo verdeutlicht, dass da jemand gerade seinen Traum lebt:
Neulich sorgte er für Aufsehen, weil er Inter-Trainer Roberto Mancini in einem hitzigen Wortgefecht an der Seitenlinie als "Schwuchtel" bezeichnete - Sarri wurde für zwei Pokal-Spiele gesperrt und musste 20.000 Euro Strafe zahlen.
Sarri hat sein Team in einer knüppelharten Saisonvorbereitung regelrecht fit geprügelt, das 4-3-3 auf Offensive getrimmt. Seine Angreifer haben alle Freiheiten, im Mittelfeld lenkt Kapitän Marek Hamsik das Spiel. Ungemein wichtig sind aber auch die wenig kapriziösen Arbeiter dahinter: Allan und Jorginho, die im Maschinenraum wenig brasilianisch, aber sehr effizient zu Werke gehen.
Was gegen Neapel spricht: Zum einen das Restprogramm - Napoli muss gegen den Zweiten, Dritten, Vierten und Fünften der Serie A noch auswärts an. Nach Juventus am Samstag ist man auch noch in Florenz (29.2.), bei Inter Mailand (Mitte April) und dem AS Rom (Woche nach Inter) zu Gast - das wird richtig schwer.
Dazu verfügt Neapel mit seinem recht jungen Team (25,7 Jahre im Schnitt) über wenig Erfahrung im Kampf um Meisterschaften - nur die Teams vom FC Empoli sowie die Abstiegskandidaten FC Carpi und US Palermo sind jünger. Die Abwehr ist zudem mit Elseid Hysaj, Kalidou Koulibaly, Raúl Albiol und Faouzi Ghoulam schwächer als die Juventus-Defensive besetzt.

Juventus Turin - 54 Punkte

Form: Bombastisch. 14 Siege in Folge bei einem Torverhältnis von 34:6, so holte Juventus seit dem 10. Spieltag schon sieben Punkte auf das an sich auch fantastisch spielende Neapel (11/2/1) auf. Seit Jahresbeginn ist das Titelrennen vom Fünfkampf zum Zweikampf geworden. Bei Juventus klickt es vorne und hinten passt's auch: Zuletzt blieb die Abwehr fünfmal ohne Gegentor. Trainer Massimiliano Allegri bietet je nach Gegner eine Dreier- oder Viererkette auf, wobei das flache 3-5-2 sein präferiertes System zu sein scheint.
Richtig gut drauf ist Paulo Dybala - der 22 Jahre alte Neuzugang aus Palermo hat seit November elf Pflichtspieltore geschossen. Álvaro Morata zeigte derweil nach der Oberschenkelverletzung von Mario Mandzukic mit zwei Doppelpacks gegen Inter (Pokal) und Chievo, dass auf ihn Verlass ist. Und der vom FC Chelsea ausgeliehene Juan Cuadrado kann auf der rechten Außenbahn endlich an seine bis Januar 2015 für den AC Florenz gezeigten Leistungen anknüpfen.
Mit Paul Pogba und Claudio Marchisio in Bestform kann sich Juve derzeit sogar den Ausfall von Sami Khedira leisten, den aktuell mal Stefano Sturaro und mal Simone Padoin vertrat. Giorgio Chiellini (Wadenverletzung) - fällt für 20 Tage aus - muss ebenfalls ersetzt werden.
Was für Juventus spricht: Der aktuelle Lauf, die Qualität des Kaders und ein riesen Haufen an Erfahrung. Anders als Napoli, das eigentlich nur einen gut sitzenden Anzug hat, sind bei Juventus mindestens 15 Spieler auf einem Niveau - so konnte auch die jüngste Verletzungswelle der Siegesserie nichts anhaben. Die Achse Buffon-Bonucci-Pogba bildet das Rückgrat und war schon die letzten zwei Spielzeiten Garant für den Scudetto.
Die schmerzhaften Abgänge von Andrea Pirlo, Arturo Vidal und Carlos Tevéz wurden mittlerweile kompensiert. "Mit den Dreien konnten wir uns immer auf ihre individuellen Fähigkeiten verlassen. Jetzt spielen wir mehr als Team", erklärte Paul Pogba kürzlich.
Und selbst wenn Juventus Napoli noch nicht nach dem direkten Duell am Samstag eingeholt hat: Der Rest-Spielplan ist günstig für die Turiner: Zuhause ist nach Napoli und dem "Derby d'Italia" gegen Inter am 28. Februar alles "Kanonenfutter", auswärts muss Juve nur noch gegen Milan (32. Spieltag) und die Fiorentina (35. Spieltag) aus der oberen Tabellenhälfte spielen. Der fünfte Scudetto-Gewinn in Folge sollte also machbar sein.
Was gegen Juventus spricht: Hält die Verletzungsseuche weiter an, wird's auch im Meisterkader irgendwann eng. Mandzukic, Khedira, Evra und Kwadwo Asamoah hatten zuletzt Glück, dass ihre Blessuren binnen einiger Wochen zu handlen waren. Martin Cáceres fällt dagegen mit einem Achillessehnenriss für die komplette Restsaison aus. Dybala, Pogba, Buffon und Marchisio sind die vier Spieler, die Juventus nicht gleichwertig ersetzen kann.
Zudem droht Juventus eine Pep-Situation: Verschiedenen Medienberichten zufolge besteht heftiges Interesse aus der Premier League an Allegri, dem Chelsea-Boss Roman Abramowitsch bereits ein unmoralisches Angebot für kommende Saison unterbreitet haben soll.
Allegris ehemaliger Lehrmeister Giovanni Galeone ist nicht der einzige, der den Wechsel bereits als ausgemacht ansieht. "Ich denke, dass er zu Chelsea gehen wird, denn der Deal, den ihm Abramowitsch angeboten hat, ist wirklich fantastisch", sagte der 75-Jährige. Und:
Also: Abwarten, wie Coach und Team in den kommenden Wochen mit den Chelsea-Gerüchten umgehen werden.
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung