Cristiano Ronaldo: Der Absturz der Weltmarke "CR7"
Publiziert 09/10/2018 um 20:29 GMT+2 Uhr
Sportlich läuft es für Cristiano Ronaldo bei Juventus Turin rund. Doch ist die Aktie Juventus Turin im Sinkflug. Die Vergewaltigungsvorwürfe gegen CR7 wiegen schwer und kratzen am Image der Weltmarke. Autor Sigi Heinrich zeichnet ein düsteres Bild für die Zukunft, sieht aber Ronaldo nicht nur in einer möglichen Täterrolle, sondern auch als Opfer der sich an diesem Thema weidenden Öffentlichkeit.
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Fotocredit: Eurosport
Natürlich hat uns die italienische Serie A im Fußball schon immer interessiert. Schließlich kickten viele der berühmtesten deutschen Spieler südlich des Brenners. Aber Hand aufs Herz: Seit Cristiano Ronaldo von Real Madrid zu Juventus Turin gewechselt ist, hat das Interesse noch einmal eine neue Dimension erhalten.
"CR7".
Die Marke Ronaldo.
Der US-Fernsehsender "ESPN" hat sofort nach Bekanntgabe des Wechsels die Fernsehrechte der Serie A für die USA erworben. Im ganzen Land herrscht noch immer kickende Aufbruchstimmung.
Ronaldos Wechsel hat der gesamten Liga neues Selbstvertrauen eingehaucht. Man ist doch noch im Spiel trotz verpasster Weltmeisterschaft. Ronaldo. Jüngst hat er ein Tor geschossen gegen Udinese, jenem Klub, für den einst Oliver Bierhoff in drei Jahren 57 Tore erzielte. Ronaldos Treffer, der den siebten Sieg im siebten Spiel für Juventus absicherte, war ein strammer Schuss...
Fehleinschätzung von Juve
Und doch befindet sich die Aktie Juventus Turin im Moment im Sinkflug. "CR7" sieht sich mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontiert und sein Arbeitgeber als Fußballspieler, nämlich Juventus Turin, hat doch tatsächlich die Chuzpe, diesen Tatbestand zu verniedlichen, in dem er Ronaldos Einsatz und sportliche Qualitäten in den Vordergrund schiebt, anstatt sich des Themas eben auch mit gebotener Sensibilität anzunehmen. Schließlich laufen in Las Vegas mittlerweile auch strafrechtliche Ermittlungen gegen Ronaldo.
Das kann und darf Juventus eigentlich nicht unbeachtet lassen. Andere haben reagiert, wie ein paar Sponsoren von Ronaldo, die sich, so der Tenor der Pressemitteilungen, mögliche Schritte überlegen. Und doch ist es eine Welt der Scheinheiligkeit, denn nach der erwiesenen Steuerhinterziehung von Ronaldo, ein beliebtes Spiel in den Kreisen der Megastars im Fußball, hat niemand von den Werbepartnern Ronaldos Verträge angezweifelt.
Vielleicht, weil man in den Kreisen der Großkonzerne diese Thematik gut kennt. Konsequenzen wurden bislang lediglich nach nachgewiesenen Dopingvergehen gezogen.
Die leichten Seiten des Showgeschäfts
Es ist bei Ronaldo, wie in vielen solcher Fälle, eine komplizierte Gemengelage, die durch die #metoo-Debatte natürlich befeuert wird. Glücklicherweise, denn nur durch den Mut der Frauen, den wir Männer vermutlich nicht einmal ansatzweise aufbringen würden, wird jetzt öffentlich, was bislang versteckt und vertuscht wurde.
Ich will hier Ronaldo nicht in Schutz nehmen. Nicht einmal im Ansatz. Aber das Phänomen der "Groupies" in vielen Bereichen des Showgeschäftes ist nicht zu verleugnen und macht es möglicherweise den Superstars des Showgeschäftes mitunter nicht allzu schwer, Bekanntschaften zu schließen. Und Ronaldo ragt ja noch unter den Superstars heraus.
Ein Weltmarke als Scherbenhaufen
Er ist ein Magnet. 90 Minuten auf dem Platz und natürlich auch vor und nach den Spielen. Er lebt ein Leben in der Öffentlichkeit, verfolgt von Paparazzi und Reportern, die jeden seiner Schritte beobachten. Das mag kein leichtes Leben sein, aber vieles in diesem Leben wird ihm aufgrund seiner Sonderstellung leicht gemacht.
Dazu kommt eine überdurchschnittliche Hybris getreu dem Motto: Ich kann, ich darf alles tun, weil ich der bin, der ich bin: "CR7".
Jetzt ist er vielleicht Täter - es gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung - aber in gewisser Hinsicht auch Opfer. Begierig verschlingt die Öffentlichkeit alle neuen Nachrichten. Er dominiert die Schlagzeilen. Es scheint, als würde man sich beinahe daran weiden, dass wieder ein Prominenter auffliegen könnte.
Ob zu Recht oder nicht, wird die Zukunft weisen. Aber bis dahin ist aus der Weltmarke "CR7" möglicherweise nur ein Scherbenhaufen übrig.
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