Juventus Turin: Wie Cristiano Ronaldo einen Dauer-Dominator noch besser machte

Siebenmal am Stück gewann Juventus Turin nun die Meisterschaft, der Klub hat eine unvergleichliche Gier entwickelt. In dieser Saison geht die Jagd weiter, und im Gegensatz zur Bundesliga würdigt Italien die nationalen Rekorde von Juventus. Warum die "Alte Dame" so ist, wie sie ist - und wie Cristiano Ronaldo den Serie-A-Dominator auf ein noch höheres Level gehoben hat.

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"Wir sind richtig gefräßig", sagte der Mann mit den blonden Haaren und dem Nussknackergebiss, abseits des Platzes konnte er ein richtig dufter Typ sein, aber sobald er sich Torwarthandschuhe überstreifte, sprach Furor aus ihm: "Weiter, weiter, immer weiter!" Für Oliver Kahn zählte nach einem Sieg nur eines: der nächste Sieg.
Das Gewinnen machte sie süchtig beim FC Bayern, um die Jahrtausendwende und später erst recht. Meister, Meister, Meister, Meister, Meister, Meister. Deutschlands dominanteste Fußballmannschaft der Geschichte hat Standards neu definiert, wie in einem selbst geschaffenen Hamsterrad, das sich mit jedem Titel noch schneller dreht.

Was Juventus von Bayern unterscheidet

Insofern ist Juventus Turin die aufgemotzte italienische Variante der Mia-san-Mia-Münchner. Siebenmal am Stück wanderte die Meisterschaft nun ins Piemont, sie haben sich nie zu Tode gesiegt und eine unvergleichliche Gier entwickelt.
In dieser Saison gewann Juve bisher 13 von 14 Spielen, hochgerechnet würden 108 Punkte resultieren, der Rekord beträgt 102 - gehalten von Juventus. Logo.
Die "Gazzetta dello Sport" schreibt über den "Menschenfresser Juve". Massimiliano Allegri, gerade als Trainer des Jahrs ausgezeichnet, würdigt die gar nicht mal behäbige "Alte Dame" mit typisch italienischem Pathos:
Acht Zähler rangiert Juventus vor Carlo Ancelottis SSC Neapel, und im Kontrast zur Bundesliga, wo Bayerns Meisterschaften zuletzt als Ach-Gott-die-schon-wieder-Errungenschaften hingenommen wurden, schätzt Italien die Jagd nach nationalen Marken. "Tuttosport" hat eine "unerschöpfliche Siegeslust" der Juve erkannt.

"Gewinnen ist das Einzige, was zählt"

"Das Erfolgsgeheimnis ist die DNA des Klubs", sagt unser italienischer Eurosport-Kollege Stefano Dolci und erinnert an Turin-Ikone Giampiero Bonipert, der ein Bonmot prägte: Gewinnen sei für Juventus nicht wichtig. "Es ist das Einzige, was zählt."
Zur Vormachstellung trug eine clevere Transferpolitik bei, die "Bianconeri" verstärkt sich gern auf Kosten der Konkurrenz: Paulo Dybala kam aus Palermo, Miralem Pjanic von der Roma, Juan Cuadrado über den Chelsea-Umweg aus Florenz. "Das hat andere geschwächt und Juves Vorsprung vergrößert", sagt Dolci.
Und dann gibt es Cristiano Ronaldo.
"Seine Ankunft bedeutete nochmals einen Schub. Er hob das Niveau, das Motivationslevel und das Vertrauen seiner Kollegen", berichtet Dolci. Mit zehn Toren aus 14 Liga-Spielen stellte Ronaldo gleich einen Rekord auf, sowas war in Turin seit 1957/58 keinem gelungen.

Juventus Turin: Elf Ronaldos müsst ihr sein

Zudem entpuppte sich der zigfache Weltfußballer als Teamplayer, was Allegris Maxime bedient. Der Coach fordert "Demut" und Spieler, "die bereit sind, für ihre Mannschaft zu arbeiten". Seinen prominentesten Mitarbeiter würdigt Allegri so:
Fast ehrfürchtig raunt die "Gazzetta dello Sport" von der "Macht Ronaldos". Juventus wachse kontinuierlich "mit Ronaldo als unangefochtenem Held", urteilt "Tuttosport". Durch den Portugiesen habe sich "das komplette Selbstverständnis verbessert", sagt auch Dolci.
Elf Ronaldos müsst ihr sein.

Ex-Bundesliga-Spieler bei Juve in Problemen

Dabei verloren die Turiner im Sommer die bedeutendste Figur ihrer jüngeren Vergangenheit. Torwart-Legende Gianluigi Buffon wechselte zu Paris Saint-Germain und glaubt, dass Ronaldos 105-Millionen-Transfer andere Stars daran hinderte, ebenfalls das Weite zu suchen.
So verschob sich die Statik des Teams nicht wesentlich. Auf Buffon folgte Wojciech Szczesny (28), in der Verteidigung ist Giorgio Chiellini (34) noch immer und Leonardo Bonucci (31) nach Mailand-Abstecher wieder da. Pjanic (28) und Blaise Matuidi (31) strukturieren, Rodrigo Bentancur (21) hat es zur Stammkraft gebracht, Dybala (25), Ronaldo (33) und Mario Mandukic (32) bilden die Speerspitzen.
Ex-Bayern-Profi Mandzukic führt eine Spieler-Schar an, die sich mal in Deutschland verdingte. Medhi Benatia (31) ist inzwischen ein Notnagel wie Andrea Barzagli (37), während Sami Khedira (31) von ständigen Verletzungen ausgebremst wird. Emre Can (24) stoppte Anfang Oktober eine Schilddrüsen-Operation, Douglas Costa (28) fiel in eine Joker-Rolle ab und mit unflätiger Spuck-Attacke auf.

Champions-League-Triumph ist eine Triebfeder

Übrigens ist die Gewinnmaschine Juventus nicht unbedingt jene "Dampfwalze" wie vom "Corriere della Serra" illustriert. 3.2 gegen Chievo, 2:1 gegen Empoli, 2:1 gegen Sassuolo, ökonomisch effizient. Am deutlichsten war's beim 3:0 über Florenz, am überzeugendsten wohl im Gipfel gegen Neapel (3:1).
In der Champions League hielt sich Turin bis aufs völlig unnötige 1:2 gegen Manchester United schadlos, das Achtelfinale ist fix. Nach Final-Niederlagen 2015 und 2017 ist der Triumph eine Triebfeder, die Kräfte mobilisiert - nach wie vor. National geht's am Freitag im Derby d'Italia gegen den Tabellendritten Inter Mailand (ab 20:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de).
Weiter, weiter, immer weiter. Der nächste Sieg ist der wichtigste für Juventus Turin. Und bleibt es.
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