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Juventus Turin: Wie Cristiano Ronaldo einen Dauer-Dominator noch besser machte

Klub voller "Menschenfresser": Warum sich Juve nie zu Tode siegt

07/12/2018 um 18:01

Siebenmal am Stück gewann Juventus Turin nun die Meisterschaft, der Klub hat eine unvergleichliche Gier entwickelt. In dieser Saison geht die Jagd weiter, und im Gegensatz zur Bundesliga würdigt Italien die nationalen Rekorde von Juventus. Warum die "Alte Dame" so ist, wie sie ist - und wie Cristiano Ronaldo den Serie-A-Dominator auf ein noch höheres Level gehoben hat.

"Wir sind richtig gefräßig", sagte der Mann mit den blonden Haaren und dem Nussknackergebiss, abseits des Platzes konnte er ein richtig dufter Typ sein, aber sobald er sich Torwarthandschuhe überstreifte, sprach Furor aus ihm: "Weiter, weiter, immer weiter!" Für Oliver Kahn zählte nach einem Sieg nur eines: der nächste Sieg.

Das Gewinnen machte sie süchtig beim FC Bayern, um die Jahrtausendwende und später erst recht. Meister, Meister, Meister, Meister, Meister, Meister. Deutschlands dominanteste Fußballmannschaft der Geschichte hat Standards neu definiert, wie in einem selbst geschaffenen Hamsterrad, das sich mit jedem Titel noch schneller dreht.

Was Juventus von Bayern unterscheidet

Insofern ist Juventus Turin die aufgemotzte italienische Variante der Mia-san-Mia-Münchner. Siebenmal am Stück holten der Klub nun die Meisterschaft in das Piemont, sie haben sich nie zu Tode gesiegt und eine unvergleichliche Gier entwickelt.

Massimiliano Allegri von Juventus Turin

Massimiliano Allegri von Juventus TurinGetty Images

Die "Gazzetta dello Sport" schreibt über den "Menschenfresser Juve". Massimiliano Allegri, gerade als Trainer des Jahrs ausgezeichnet, würdigt die gar nicht mal behäbige "Alte Dame" mit typisch italienischem Pathos:

"Das Team ist fantastisch, genau wie der Verein. Ich bin gesegnet, mit so vielen außergewöhnlichen Spielern arbeiten zu dürfen. Meine Mannschaft besteht aus großartigen Champions mit großartigen Talenten, aber vor allem aus großartigen Männern."

"Gewinnen ist das Einzige, was zählt"

"Das Erfolgsgeheimnis ist die DNA des Klubs", sagt unser italienischer Eurosport-Kollege Stefano Dolci und erinnert an Turin-Ikone Giampiero Bonipert, der ein Bonmot prägte: Gewinnen sei für Juventus nicht wichtig. "Es ist das Einzige, was zählt."

Zur Vormachstellung trug eine clevere Transferpolitik bei, die "Bianconeri" verstärkt sich gern auf Kosten der Konkurrenz: Paulo Dybala kam aus Palermo, Miralem Pjanic von der Roma, Juan Cuadrado über den Chelsea-Umweg aus Florenz. "Das hat andere geschwächt und Juves Vorsprung vergrößert", sagt Dolci.

Und dann gibt es Cristiano Ronaldo.

Leonardo Bonucci und Cristiano Ronaldo

Leonardo Bonucci und Cristiano RonaldoGetty Images

"Seine Ankunft bedeutete nochmals einen Schub. Er hob das Niveau, das Motivationslevel und das Vertrauen seiner Kollegen", berichtet Dolci. Mit zehn Toren aus 14 Liga-Spielen stellte Ronaldo gleich einen Rekord auf, sowas war in Turin seit 1957/58 keinem gelungen.

Juventus Turin: Elf Ronaldos müsst ihr sein

Zudem entpuppte sich der zigfache Weltfußballer als Teamplayer, was Allegris Maxime bedient. Der Coach fordert "Demut" und Spieler, "die bereit sind, für ihre Mannschaft zu arbeiten". Seinen prominentesten Mitarbeiter würdigt Allegri so:

"Cristiano ist ein überragender Spieler und ein netter Typ, der sich sehr gut eingefügt hat. Er nimmt großen Einfluss auf die Gruppe, weil er eine andere Art von Professionalität und Wettkampfstärke in jedem einzelnen Training mitbringt. "

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Fast ehrfürchtig raunt die "Gazzetta dello Sport" von der "Macht Ronaldos". Juventus wachse kontinuierlich "mit Ronaldo als unangefochtenem Held", urteilt "Tuttosport". Durch den Portugiesen habe sich "das komplette Selbstverständnis verbessert", sagt auch Dolci.

Elf Ronaldos müsst ihr sein.

Ex-Bundesliga-Spieler bei Juve in Problemen

So verschob sich die Statik des Teams nicht wesentlich. Auf Buffon folgte Wojciech Szczesny (28), in der Verteidigung ist Giorgio Chiellini (34) noch immer und Leonardo Bonucci (31) nach Mailand-Abstecher wieder da. Pjanic (28) und Blaise Matuidi (31) strukturieren, Rodrigo Bentancur (21) hat es zur Stammkraft gebracht, Dybala (25), Ronaldo (33) und Mario Mandukic (32) bilden die Speerspitzen.

Cristiano Ronaldo und Mario Mandzukic

Cristiano Ronaldo und Mario Mandzukic Getty Images

Champions-League-Triumph ist eine Triebfeder

Übrigens ist die Gewinnmaschine Juventus nicht unbedingt jene "Dampfwalze" wie vom "Corriere della Serra" illustriert. 3.2 gegen Chievo, 2:1 gegen Empoli, 2:1 gegen Sassuolo, ökonomisch effizient. Am deutlichsten war's beim 3:0 über Florenz, am überzeugendsten wohl im Gipfel gegen Neapel (3:1).

Weiter, weiter, immer weiter. Der nächste Sieg ist der wichtigste für Juventus Turin. Und bleibt es.

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