Inter Mailand: Juventus Turin an der Tabellenspitze verdrängt - reif für den Titel?

Inter Mailand hat es geschafft - vorerst. Am 14. Spieltag verdrängten die "Nerazzurri" Serienmeister Juventus Turin von der Tabellenspitze. Mit neuem Trainer und einer Transferoffensive im Sommer legte der schlafende Riese den Grundstein für den großen Neuanfang. Auch wenn der Kader noch Lücken aufweist: Das Fundament ist gelegt und beeindruckt. Da braut sich etwas zusammen.

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"Überholmanöver geschafft: Inter übernimmt die Macht in der Serie A", titelte die "Gazzetta dello Sport" am vergangenen Wochenende. Inter Mailand hatte soeben mit 2:1 gegen Abstiegskandidat SPAL Ferrara gewonnen und die Spitze von Serienmeister Juventus Turin übernommen.
Eine Momentaufnahme, ja. Aber auch Vorbote der Inter-Renaissance, die in vollem Gange ist und uns Fußballfans in den kommenden Jahren endlich wieder das große Inter Mailand vergangener Tage zurückbringen soll.
Eines sei festgehalten: Zwölf Siege nach 14 Spieltagen gab es für die "Nerazzurri" noch nie. Bisher lag der Startrekord bei elf Siegen aus 13 Spielen in der Saison 1950/51. Inter ist in Topform und hat nach dem gewonnenen direkten Vergleich gegen Borussia Dortmund am Dienstag die Chance, das Weiterkommen in der Champions League mit einem Heimsieg gegen den FC Barcelona (ab 21 Uhr im Liveticker) perfekt zu machen. Zuvor kann heute Abend dieTabellenführung im Heimspiel gegen AS Rom ausgebaut werden.
"Es wird sehr schwierig, aber wir können auf 80.000 Interisti zählen, die uns in vollen Zügen stärken werden", freut sich Coach Antonio Conte, der aber auch weiß: Das Hauptaugenmerk bleibt die Liga und da sah es in den vergangenen Jahren selten rosig aus.

Endet die Juve-Herrschaft?

Acht Jahre in Folge schnappte sich Juventus Turin den Titel in der Serie A. An 211 von 304 Spieltagen stand die "Alte Dame" an der Tabellenspitze. 539 Punkte holten die Turiner in diesem Zeitraum, 74 Punkte mehr als der SSC Neapel auf dem zweiten Rang - und schlappe 188 Punkte mehr als Inter Mailand, das in der virtuellen Achtjahrestabelle nur Rang sechs belegt.
Die virtuelle Achtjahrestabelle der Serie A (2011 - 2019):
PositionVereinSpieleSiegeRemisNiederlagenPunkte
1.Juventus Turin2361654427539
2.SSC Neapel2361375445465
3.AS Rom2361235756426
4.Lazio Rom2361065278370
5.AC Mailand236976376354
6.Inter Mailand236976079351
Statistiken, die demütiges Auftreten des neuen Tabellenführers nahelegen. Conte drückt daher verständlicherweise auf die Euphoriebremse:

Conte kann Titel

Fakt ist, der 50-Jährige kennt sich bestens aus mit dem Titelholen. 2011/2012 gewann er die Liga in seinem ersten Jahr als Juve-Coach dank einer Serie von 38 Spielen ohne Niederlage. Auch mit dem FC Chelsea holte er in seinem Premierenjahr den Titel in der Meisterschaft, stach Teammanager wie Jürgen Klopp (FC Liverpool), Pep Guardiola (Manchester City) und José Mourinho (Manchester United) aus.
Die Chance, dieses Kunststück nun erneut im ersten Jahr bei einem neuen Klub zu wiederholen, ist da. Denn: Meistermacher Conte hat von der Vereinsführung einen exzellenten Kader zur Verfügung gestellt bekommen. Die häufig als elementar beschriebene "Mischung aus Jung und Alt" - bei Inter stimmt sie.

Inters Supersturm: Lukaku und Martínez

Der Kader ist gespickt mit erfahrenen Haudegen und jungen, aufstrebenden Talenten. 27,3 Jahre sind die Spieler der "Nerazzurri" im Schnitt alt - Platz sechs in dieser Kategorie hinter Juventus Turin (29,0), Cagliari Calcio (28,1), Parma Calcio (27,6), FC Bologna (27,4) und Atalanta Bergamo (27,3).
Mit Nicolò Barella und Stefano Sensi, die in den kommenden Jahren für Furore sorgen sollen, stehen zwei der größten Hoffnungsträger Italiens im Inter-Mittelfeld. Im Sturmzentrum bilden Lautaro Martínez (8 Ligatore) und Romelu Lukaku (10 Ligatore) das derzeit wohl gefährlichste Duo der Serie A. 65 Millionen Euro überwiesen die Mailänder vor der Saison für den Belgier Lukaku - der Rekordtransfer überzeugt.
Für Belgiens Nationaltrainer Roberto Martinez war das erwartbar:
Der 27-Jährige könne sich bei Inter Mailand auf einen "großartigen Trainer" und tolle Mannschaftskollegen verlassen, so Martinez weiter.
Inter ist nach Juventus, Stadtrivale AC Milan, Florenz und AS Rom die fünfte Mannschaft in diesem Jahrhundert, die an den ersten 14 Spieltagen immer traf.

Der einzige Makel: Es fehlt an Alternativen

Die Kaderplaner haben im vergangenen Sommer ausgezeichnete Arbeit geleistet, am Ende sind sie aber noch nicht. Fallen Schlüsselspieler aus, mangelt es Conte oft an Alternativen. Vor allem im zentralen Mittelfeld, wo aktuell Barella und Sensi verletzt ausfallen.
Der 34-jährige Borja Valejo muss deshalb vermehrt ran. Keine optimale Lösung. Gerüchte besagen, dass Inter im Winter oder spätestens im kommenden Sommer nachbessern will. Unter anderem steht James Rodríguez auf dem Wunschzettel. Der Vertrag des 28-Jährigen läuft noch bis 2021, unter Zinédine Zidane kommt er aber nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus.
Im Sturm fehlt mit Alexis Sánchez ein weiterer potentieller Topstar. Der Chilene kam im Sommer auf Leihbasis von Manchester United, lief aber aufgrund einer Verletzungen der Peronealsehnen erst in vier Pflichtspielen auf (ein Tor, eine Vorlage). Seine Rückkehr wird Mitte Januar 2020 erwartet, bis dahin müssen Lukaku und Martínez den Laden alleine schmeißen.
Dem Kader fehlt es im Vergleich zum großen Rivalen Juventus Turin noch an Tiefe - das Fundament aber steht und beeindruckt.
Da braut sich etwas zusammen.
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