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Doping im Fußball: Ex-Spieler um Dino Baggio über Ängste von Spätfolgen nach Tod von Gianluca Vialli
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Publiziert 19/01/2023 um 12:25 GMT+1 Uhr
Der frühe Tod von Gianluca Vialli hat in Italien eine Diskussion über den Einsatz von Medikamenten im Fußball ausgelöst. Mit Dino Baggio, Massimo Brambati und Florin Raducioiu meldeten sich drei Ex-Profis derselben Spielergeneration zu Wort und berichteten von ihren Erfahrungen. Bei ihnen herrscht vor allem Angst vor möglichen Spätfolgen des grenzwertigen Vorgehens früherer Jahre.
Florin Raducioiu
Fotocredit: Imago
"Wir wussten nicht, was wir verabreicht bekamen", wird Florin Raducioiu der frühere MIlan-Profi von der "Gazzetta dello Sport" zitiert. "Uns wurde immer gesagt, dass es sich um Vitamine, um Glucose handelt."
Am Vorabend einer Partie stand für die Spieler eine Infusion auf dem Programm. "Wir hingen die ganze Zeit am Tropf, mit einer rosafarbenen Flüssigkeit. Ich erinnere mich ganz genau", schilderte der Champions-League-Sieger von 1994.
Nicht nur bei Serie-A-Klubs wie Bari, Brescia oder Verona hätten die Teamärzte den Spielern Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und weitere Substanzen verabreicht. Auch beim großen AC Milan seien die Profis damit auf ihre Einsätze vorbereitet worden. "In Mailand haben wir andere Dinge genommen, Tabletten", führte Raducioiu weiter aus.
Der Tod von Gianluca Vialli im Alter von 58 Jahren hat Raducioiu nun zum Nachdenken bewogen. "Ich habe es vor und nach dem Tod von Gianluca Vialli gesagt. Wir müssen uns fragen, warum es zu diesen vorzeitigen Todesfällen kommt", so der ehemalige Stuttgarter.
Baggio sorgt sich um Spätfolgen
Immerhin starben mit Vialli und dem ehemaligen Bologna-Trainer Sinisa Mihajlovic zwei Stars der 1990er-Jahre kürzlich innerhalb weniger Wochen an verschiedenen Krebserkrankungen. "Ich bin besorgt, das gebe ich zu. Viele Tote, alles noch junge Leute, das ist nicht normal", brachte auch Dino Baggio seine Sorge zum Ausdruck.
Bislang konnte zwischen dem Einsatz von Medikamenten oder Leistungsförderern und den späteren Erkrankungen keine Verbindung hergestellt werden. "Eine ernsthafte Untersuchung wäre hier angebracht", unterstrich Baggio sein Anliegen.
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Dino Baggio während seiner Zeit bei Juventus
Fotocredit: Getty Images
Der 51-Jährige, der mit Parma und Juventus insgesamt dreimal den UEFA-Pokal gewonnen hat, brachte die Debatte nach dem Tod von Vialli erst ins Rollen. "Ich habe auch Angst, das passiert zu vielen Fußballern", ließ Baggio gegenüber der "Gazzetta dello Sport" tief blicken. "Wir müssen verstehen, ob bestimmte Nahrungsergänzungsmittel über die Zeit hinweg Schaden angerichtet haben."
Von Doping wollte Baggio aber ausdrücklich nicht sprechen: "Wir haben nie irgendwelche komische Sachen genommen, weil man das nicht konnte. Stellen Sie sich vor, die Ärzte hätten uns Dopingmittel verabreicht: Wir wurden alle drei oder vier Tage kontrolliert."
Brambati: "Micoren genommen wie Süßigkeiten"
Von ähnlichen Erfahrungen sprach auch der heutige TV-Kommentator Massimo Brambati. "Auch ich habe Angst. Ich habe vor den Spielen Micoren genommen, als wären es Süßigkeiten", blickte Brambati zurück. "Damals war es noch nicht verboten." Die Einnahme von Micoren fällt heutzutage unter Doping, das Medikament führt zu einem höheren Sauerstoffgehalt im Blut.
"Ich habe auch Anemine eingenommen, das war kein Dopingmittel, aber ich habe die Wirkung gespürt. Ich hatte keine Müdigkeit, mein Herz schlug schneller und ich war wacher", führte Brambati weiter aus.
Darüber hinaus erzählte der ehemalige Abwehrspieler von Trainern, welche von ihren Spielern die Einnahme von derartigen Mitteln sogar ausdrücklich verlangten. "Es gab Trainer, die wütend wurden, wenn man sich nicht an den Tropf hing."
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Massimo Brambati und Paolo Maldini
Fotocredit: Imago
"Wir nahmen Substanzen, die damals nicht als Doping galten. Wenn ich heute von bestimmten Ereignissen höre, die Fußballern aus meiner Zeit widerfahren sind, bete ich zu Gott", so Brambati.
Für etwas Erleichterung bei Baggio und Brambati dürften womöglich die jüngst erlangten Erkenntnisse von Raducioiu sorgen. Der Rumäne setzte sich nämlich mit seinem ehemaligen Teamarzt Fabio De Nard in Verbindung und erkundigte sich nach den damals verabreichten Substanzen. Dieser beruhigte aber seinen ehemaligen Schützling.
"Dieser Cocktail, der uns in der Vene verabreicht wurde, enthielt drei Komponenten: Vitamin C, Vitamin B und eine weitere Substanz, die die Muskelermüdung verringert", erklärte Raducioiu. "Ich bin froh, dass ich mit ihm gesprochen habe. Wir haben Nahrungsergänzungsmittel eingenommen, alles völlig legal."
Auch Italiens Nationaltrainer Roberto Mancini bemühte sich um einen objektiven Blick auf die Debatte. "Wir müssen mit solchen Aussagen sehr vorsichtig sein. Das sind Dinge, die können jedem passieren - egal ob man spielt oder nicht."
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