Paulo Dybala wechselt von Juventus Turin zur AS Rom: Der leise Abstieg eines genialen Spielers

Paulo Dybala stand die Fußballwelt offen, doch die zwei Superstars Lionel Messi und Cristiano Ronaldo standen dem Argentinier lange im Weg. Nach sieben Jahren hat Dybala Juventus Turin verlassen, sein Wunschtransfer zu Inter Mailand zerschlug sich allerdings. Er ging den Weg des geringsten Widerstandes und spielt künftig unter José Mourinho bei der AS Rom - ein "Abstieg" auf Raten.

Paulo Dybala wechselt von Juventus zur AS Rom

Fotocredit: Imago

Erling Haaland wechselt von Borussia Dortmund zu Manchester City. Robert Lewandowski verlässt München in Richtung Barcelona und Matthijs de Ligt wird nach eher durchschnittlichen Jahren in Turin neuer Abwehrboss beim FC Bayern. Topstars wechseln von Topvereinen zum nächsten Topverein - Alltag im Profifußball. Und in der Regel ergeben diese Wechsel für die Spieler auch Sinn.
Es gibt aber auch Transfers, die auf den ersten Blick nicht recht zusammenpassen: Mario Götze zur PSV Eindhoven zum Beispiel. Der Weltmeister-Torschütze von 2014, mit überragendem Talent gesegnet, das er - aus welchen Gründen auch immer - zu selten zeigen konnte und nicht mehr infrage kam für die europäische Elite, flüchtete in die Eredivisie.
Auch in der laufenden Transferperiode gab es einen Wechsel, der so nicht zu erwarten war: Paulo Dybala schließt sich der AS Roma an. Die Giallorossi haben gewiss einiges zu bieten: Viel Tradition, ein herausragendes Umfeld mit einer großen Anhängerschaft, José Mourinho. Aber die Roma spielt in Europa keineswegs die erste Geige.
Die Serie-A-Saison 2021/22 schloss die Roma auf Platz sechs ab und spielt daher in der kommenden Spielzeit nicht in der Champions League. Mehr als das Halbfinale sprang in der Königsklasse noch nie heraus und der letzte Meistertitel liegt auch schon 21 Jahre zurück. Infolgedessen wurde der Titel in der Conference League im Mai frenetisch gefeiert.

Mourinho will in Rom besonderes Projekt aufbauen

"Das war keine Arbeit, das war Geschichte. Wir mussten Geschichte schreiben. Wir haben sie geschrieben. Dieser Titel geht nicht nur in die Geschichte der Roma ein, sondern auch in meine", sagte Coach Mourinho nach dem Triumph gewohnt "bescheiden". "The Special One" sieht seine Aufgabe in Rom noch lange nicht als erledigt an. "Ich bleibe, daran gibt es keinen Zweifel. Wir können ein besonderes Projekt aufbauen", sagte er.
Für besondere Projekte bedarf es besondere Spieler und Mourinho darf sich sehr glücklich schätzen, dass es dem Verein gelungen ist, mit Dybala eben einer dieser besonderen Typen zu verpflichten.
Für Dybala ist der Schritt in die italienische Hauptstadt aber eher einer zurück. Sieben Jahre lang war der Argentinier fester Bestandteil der Juve-Offensive, gewann Meistertitel en masse und stand mit der Alten Dame 2017 im Champions-League-Finale. Er hat in 289 Pflichtspielen 114 Tore erzielt und 48 Treffer aufgelegt.

Arsenal, Dortmund, Barcelona, Atlético, Inter - die Interessenten standen Schlange

Zu Beginn des Jahres waren sich Verein und Spieler einig über die Modalitäten einer Vertragsverlängerung. Doch Juve änderte nachträglich das Angebot - zum Ärger von Dybala. In der Folge kam man nicht mehr zusammen und so war der 28-Jährige plötzlich ablösefrei zu haben.
Die Interessenten standen Schlange: Arsenal, Borussia Dortmund, FC Barcelona, Atlético Madrid, Inter Mailand - Dybala schien die Qual der Wahl zu haben. Angebote aus England, Spanien und Deutschland schlug er aus, weil er unbedingt in der Serie A bleiben wollte.
Ende Juni war eigentlich schon alles klar mit Inter Mailand. "Wir haben uns mit seinen Beratern getroffen und prüfen immer alle Möglichkeiten, aber um eine Übereinkunft zu finden, müssen sich beiden Seiten in die gleiche Richtung bewegen", sagte der Sport-Geschäftsführer der Nerazzurri, Beppe Marotta, laut "Tuttomercatoweb".
Am Ende waren Inter laut übereinstimmenden Medienberichten aus Italien Dybalas Gehaltsvorstellung zu hoch. Die Nerazzurri holten lieber Romelu Lukaku zurück und hatten keinen Bedarf mehr für einen weiteren Angreifer.
"Dybala ist ablösefrei auf dem Transfermarkt - er ist und war eine mögliche Option bei uns. Allerdings haben wir unseren Angriff bereits mit sehr guten Spielern verstärkt", erklärte Marotta. Inter-Trainer Simone Inzaghi äußerte sich ähnlich: "Wir alle kennen Dybala, er hat große Qualitäten und das oft bewiesen. Aber wir haben genügend Stürmer im Kader."
Was niemand offen aussprechen wollte, aber offensichtlich ist: Dybala hat sich verzockt. Er wollte zu Inter, Inter wollte ihn. Und doch stand er am 1. Juli ohne Verein da - eigentlich aberwitzig für einen Spieler seiner Qualität.

Im Schatten von Ronaldo und Messi

Die Tatsache, dass aus den Flirts mit Inter und anderen europäischen Großgewichten nicht mehr wurde, könnte aber auch daran liegen, dass Dybala in den letzten Jahren zu selten an seine Bestform herankam.
2017/18 gelangen ihm noch 22 Serie-A-Tore und fünf Vorlagen. Dann wechselte Cristiano Ronaldo zur Alten Dame. Dybala/CR7 - ein Traumpaar, dachten viele. Doch es kam anders. Dybala wirkte oft gehemmt an der Seite des Superstars. "Paulo konnte sich nie richtig freischwimmen, als Ronaldo da war. Er stand irgendwie immer im Cristianos Schatten", schrieb die "Gazzetta dello Sport" einmal.
In der ersten Saison mit Ronaldo schoss er nur fünf Tore. Auf dem Weg zum bisher letzten Meistertitel 2020 ging es mit je elf Toren und Vorlagen noch einmal nach oben. Doch auch ohne Nebenbuhler Ronaldo fand Dybala nicht mehr richtig in die Spur. In seiner letzten Juve-Saison waren es nur vier Treffer und drei Assists.
In der Nationalmannschaft war und ist die Situation für Dybala noch unerfreulicher. Lionel Messi steht bei der Albiceleste über allem. Dybala, der sich zum Überfluss auch noch die Position mit Messi teilt, habe beim Superstar keine Lobby, heißt es schon länger in argentinischen Medien. Messi bevorzuge es mit Kumpels wie Angel di Maria zusammenzuspielen.
picture

Nicht immer auf einer Wellenlänge auf dem Platz: Paulo Dybala und Cristiano Ronaldo

Fotocredit: Getty Images

Dybala lernt Besessenheit von Ronaldo

Mit seinen Fähigkeiten und im besten Profialter von 28 sollte er aber immer noch in der Lage sein, auch in Europas Elite zu funktionieren. Dybala hat einen überragenden linkem Fuß und kommt als hängende Spitze mit gewissen Freiheiten am besten zur Geltung.
Um seinen schwächeren rechten Fuß zu trainieren, verriet er einmal, dass er sich einen Stift zwischen den großen und einen kleineren Zeh klemme: "Ich übe jeden Tag das Schreiben, aber mit dem rechten Fuß. Ich trainiere wie ein Verrückter, um mehr Sensibilität und bessere Fähigkeiten zu bekommen."
Diesen Eifer hatte ihm einst ausgerechnet Cristiano Ronaldo eingebläut, verriet Dybala. In Rom unterschrieb er einen Dreijahresvertrag und kassiert etwa sechs Millionen Euro Gehalt. Das hätte er auch bei Dortmund oder Atlético verdienen können und dort wenigstens Champions League gespielt. Wunschverein Inter bot sechs Millionen Euro Gehalt plus zwei Millionen Boni.
Jetzt also Rom. Ein besonderes Projekt. Dybala muss zeigen, ob er (noch) ein besonderer Spieler ist.
picture

Lewandowski mit Vorfreude: "Wollte immer in La Liga spielen"

Quelle: Perform

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung