Zlatan Ibrahimovic sorgt bei der kriselnden AC Milan für Wirbel: Wenn der "Boss" ein Löwe ist

Mittelmaß in der Liga und ein peinliches Ausscheiden in den Champions-League-Playoffs - die AC Milan geht sportlich in dieser Saison am Stock. Dabei hatten die stolzen Rossoneri im letzten Transfersommer üppig investiert. Doch statt Aufbruch- herrscht Katerstimmung in Milanello. Im Hintergrund zieht eine Milan-Legende die Fäden, die dafür eigentlich gar keine Kompetenzen hat.

Zlatan Ibrahimovic ist seit 2023 als Berater für die AC Milan tätig

Fotocredit: Getty Images

Zlatan Ibrahimovic musterte seinen Sitznachbarn von oben bis unten und schaute dabei leicht pikiert. Neben ihm saß Winterneuzugang Warren Bondo, für zehn Millionen Euro aus Monza geholt und bereit für seine offizielle Vorstellung im Beisein der Medien.
Doch irgendetwas schien Ibrahimovic nicht zu gefallen. Er legte Hand an und korrigierte die Haltung des Franzosen. Kein Buckel, Brust raus und schön aufrecht sitzen! Wie ein Gentleman - wie Zlatan.
Der 43-Jährige brachte Bondo Manieren bei, bevor dieser auch nur ein Wort als Milan-Spieler von sich gab. Die Szene sorgte für kollektives Schmunzeln bei den Reportern, die sich vorab gewundert hatten, dass Ibrahimovic überhaupt als Milan-Vertreter an der Pressekonferenz teilnahm.
Ibras Rolle bei den Rossoneri ist nämlich mysteriös. Eine offizielle Stelle, die ihm qua Amt Verantwortung überträgt, bekleidet Milans Spieler-Legende nicht. Vergleichbar ist seine Funktion mit der von Matthias Sammer bei Borussia Dortmund: Berater der Geschäftsführung.

Zlatan Ibrahimovic tönt: "Ich bin der Boss"

Als Berater der US-amerikanischen Investmentfirma RedBird Capital Partners, die den Verein 2022 für 1,2 Milliarden Euro übernahm und seitdem 99,93 Prozent Anteile hält, hat Ibrahimovic aber großen Einfluss.
Er sitzt im Teambus und auf Pressekonferenzen, gibt regelmäßig Interviews zum sportlichen Abschneiden der Mannschaft und ist (angeblich) Strippenzieher bei Transfers - was intern mitunter für Irritationen sorgt, da er nicht im offizieller Rolle firmiert.
Als Antonio D'Ottavio im Dezember 2024 als Sportdirektor zurücktrat und Milan damit nach fast zehn Jahren in unterschiedlichen Positionen verließ, machten italienische Medien unüberbrückbare Differenzen mit Ibrahimovic dafür verantwortlich.
Der agiert als Funktionär, wie er es als Spieler getan hat: selbstbewusst und um keinen markigen Spruch verlegen.
Als er nach einer längeren Abwesenheit, für die er "persönliche Gründe" nannte, im Herbst 2024 nach Mailand zurückkehrte, definierte Ibrahimovic seine Rolle bei Milan im Gespräch mit "Sky Italia" so: "Ich bin der Boss und in der Verantwortung. Alle anderen arbeiten für mich. Wenn der Löwe nicht da ist, kommen die Kätzchen. Kommt der Löwe zurück, verschwinden die Kätzchen wieder. Das Niveau ist sehr niedrig, es wird zu viel geredet, aber ich denke nur ans Arbeiten."

Félix, Morata, Walker - große Namen kamen im letzten Sommer

Nach eigenem Bekunden hat Ibrahimovic kräftig mitgeholfen, im letzten Transfersommer eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen. 122 Millionen Euro investierte Milan in neues Personal, dem gegenüber stehen 50 Millionen Euro Einnahmen. Mit Youssouf Fofana, João Félix, Álvaro Morata und Kyle Walker kam viel Prominenz in die Lombardei, doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine große Lücke.
Der erst im Sommer 2024 als Nachfolger für Stefano Pioli verpflichtete Trainer Paulo Fonseca musste nach einem halben Jahr schon wieder gehen. Neuer Chefcoach wurde Sérgio Conceição, doch auch dem Portugiesen bläst der in den Mailänder Wintermonaten berüchtigte Ostwind eisig ins Gesicht - trotz des Gewinns der Supercoppa Italiana unmittelbar nach seinem Amtsantritt.
Nach dem überraschenden Aus in den Champions-League-Playoffs gegen Feyenoord Rotterdam, in denen sich Milan laut Ibrahimovic aufgrund von individuellen Fehlern und dem Platzverweis für Theo Hernández im Rückspiel nach einer Schwalbe "selbst getötet" hat, folgten drei Niederlagen in der Serie A in Folge, gleichbedeutend mit dem Absturz auf Tabellenplatz neun.
Der leidenschaftliche Milan-Anhang hatte zwischenzeitlich nur noch Verachtung für die Spieler übrig.
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Kam im Sommer 2024 aus Manchester nach Mailand: Kyle Walker

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Trainer Conceição vor der Ablösung am Saisonende

Laut gut informierten Zeitungen wie "La Repubblica" und "Tuttosport" sollen sich Leistungsträger wie Christian Pulisic, mit 15 Toren und neun Vorlagen Milans Lebensversicherung in schwierigen Zeiten, über Conceiçãos Disziplin-Fanatismus und dessen rauen Umgang beschwert haben.
Die "Gazzetta dello Sport" berichtete unlängst, dass Conceiçãos Tage in Mailand gezählt sind und zur neuen Saison mit Massimiliano Allegri ein Ex-Trainer der Rossoneri (2010-2014) zurückkehrt.
Immerhin schaffte Milan zuletzt eine kleine Kehrtwende: Die letzten beiden Ligaspiele in Lecce (3:2) und Como (2:1) wurden jeweils nach Rückständen noch gedreht. Dadurch sind die Rossoneri den internationalen Plätzen wieder etwas nähergekommen. Zudem gelang es der sportlichen Leitung (oder Ibrahimovic), die Verträge von Pulisic (bis 2029) und 13-Tore-Mann Tijjani Reijnders (bis 2030) vorzeitig zu verlängern.
Und dennoch: die AC Milan hat noch jede Menge Nachholbedarf auf dem langen Weg raus dem Mittelmaß. Der derzeitige sportliche Ist-Zustand kommt Zlatans Welt nicht vor. "Ich gehöre nicht zu den Menschen, die versuchen, Dinge zu tun, die nicht in die Geschichte eingehen. Ich bin das genaue Gegenteil. Ich möchte etwas bewirken, Geschichte schreiben", sagte Ibrahimovic kürzlich.
Wenn der Löwe schnurrt, haben die Kätzchen Pause.
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Kurioser Anruf: Burn spricht über seine überraschende Nominierung

Quelle: Perform




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