Como qualifiziert sich erstmals für die Champions League: Ein italienisches Fußball-Märchen mit einem Beigeschmack

Como hat es geschafft: Am 38. Spieltag der Serie A qualifizierte sich der lombardische Klub dank eines 4:1-Sieges über Cremonese erstmals für die UEFA Champions League. Klubs wie Juventus und Milan zeigte der Klub, der vor zwei Jahren noch in der Serie B kickte, die lange Nase. Ein klassisches Fußball-Märchen, wie es scheint. In Italien stößt das Projekt Como vielerorts aber auf wenig Gegenliebe.

Como hat den Sprung in die Champions League geschafft

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Im Moment des Erfolgs abzuheben wurde schon so manchem Verein zum Verhängnis. Im Fall von Como darf jedoch davon ausgegangen werden, dass sich Überheblichkeit nicht so schnell einschleichen wird - weil die Verantwortlichen wissen, wo sie herkommen.
"Als ich vor vier Jahren als Spieler hier ankam, haben wir uns noch in einer Bar umgezogen", blickte der heutige Trainer Cesc Fàbregas auf die damaligen Zeiten in der Serie B zurück. "Wir hatten damals kein richtiges Zentrum, trainiert haben wir an einem Ort, an den ich mich nicht mehr erinnern kann."
Seitdem hat Como nicht weniger als Vereinsgeschichte geschrieben: Auf den Aufstieg in die Serie A vor zwei Jahren folgte am zurückliegenden Sonntag die Qualifikation für die UEFA Champions League.
Für Außenstehende zweifellos ein beispielloses Märchen. In Italien geriet der Erfolg des lombardischen Vereins jedoch in den vergangenen Monaten zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritiker.

Como: Bombenfeste Defensive, zweitstärkste Offensive Italiens

Eines vorneweg: Der kometenhafte Aufstieg von Como ist alles andere als Zufall.
"Als Überraschung würde ich die Qualifikation nicht bezeichnen", schrieb die italienische Trainer-Legende Fabio Capello in einer Kolumne für die "Gazzetta dello Sport". Vielmehr sei der erstmalige Sprung in einen UEFA-Wettbewerb eine Bestätigung für den Weg, den der Klub eingeschlagen hat.
"Como spielt internationalen Fußball: Sie haben Ballbesitz, aber spielen dabei vertikal, die Bewegungen stimmen immer, alle laufen und alle helfen sich gegenseitig", lobte Capello die Arbeit von Fàbregas.
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Cesc Fàbregas hat einen sehr großen Anteil am Erfolg von Como

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Die Zahlen spiegeln sich in seinen Aussagen wider: Mit 65 Toren stellte Como hinter Inter (89) die beste Offensive in der abgelaufenen Serie-A-Saison, darüber hinaus kassierte keine Mannschaft weniger Gegentore (29).
Zur Wahrheit zählt jedoch auch: Ohne Geldgeber wäre eine derart zügige Transformation in einen etablierten Erstligaklub niemals möglich gewesen. Rund 220 Millionen Euro gab Como in den vergangenen zwei Jahren aus. Bereitgestellt wurde diese Summe von der Djarum-Holding, dem seit 2019 involvierten Geldgeber, hinter dem die indonesischen Brüder Robert Budi Hartono und Michael Bambang Hartono stehen.
Nur so fanden namhafte Spieler wie Fàbregas, Álvaro Morata, Sergi Roberto, Alberto Moreno oder europaweit begehrte Top-Talente wie Nico Paz und Jesús Rodríguez überhaupt ihren Weg in die 83.000-Einwohner-Stadt. Eine Transferpolitik, die im Stiefelstaat auch für Kritik sorgte.

Comos Transferpolitik ein Dorn im italienischen Auge

In einem Post aus dem vergangenen Oktober brüstete sich der Verein mit der Vielfalt in seinem Kader: "In dieser Saison ist unsere Mannschaft ein Spiegelbild von Como selbst: Ein Ort, an dem die Welt zusammenkommt."
Im modernen Fußball ist ein hoher Anteil an Legionären im Kader keine Seltenheit mehr. In einem Land, dem zum dritten Mal in Folge die Qualifikation für die Weltmeisterschaft missgelungen ist, ist ein solcher Umstand aber ein höchst sensibles Thema.
Lediglich drei Italiener standen in der gesamten Saison im Como-Trikot auf dem Platz. Zusammen kommen Alberto Ceri, Lorenzo Bonsignori und Edoardo Goldaniga auf 122 Einsatzminuten - für viele Kritiker spätestens seit dem dramatischen WM-Playoff-Aus der italienischen Nationalmannschaft gegen Bosnien und Herzegowina ein Dorn im Auge.
Ein italienisches Fußball-Märchen mit Beigeschmack also? Sportdirektor Carlalberto Ludi kontert die Vorwürfe. "Wir lassen nur Ausländer spielen: Das ist ein Kritikpunkt, den ich am wenigsten nachvollziehen kann", meinte er Ende April in einer Diskussionsrunde zum Nachwuchs im italienischen Fußball.

Como: Die lokalen Talente bleiben auf der Strecke

Der starke ausländische Einfluss auf den Kader sowie die angeblich fehlenden Investitionen in lokale Talente sollen in naher Zukunft Vergangenheit sein, die Erklärungen seitens Ludi lassen jedoch wenig Anlass für Hoffnung auf Besserung.
Einer der Gründe für die vielseits kritisierte Kaderzusammensetzung sei methodischer Natur. "Als Klub verfügen wir über einen extrem präzisen Rekrutierungsprozess, der Algorithmen, die Arbeit von Scouts und die Unterstützung von Psychologen einbezieht", so Ludi.
Wie man es bereits bei Vereinen wie Brentford, Brighton and Hove Albion oder auch Hearts of Midlothian kennt, werden durch eine vielschichtige und tiefgründige Datenanalyse die fehlenden Puzzlestücke einer Mannschaft mittlerweile häufig in den skurrilsten Winkeln des Profifußballs ausgegraben. Nachteil: Die lokalen Talente bleiben auf der Strecke.
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Die Äußerungen von Sportdirektor Carlalberto Ludi entkräfteten die Aussagen der Kritiker nicht unbedingt

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Die Como-Krux hängt letzten Endes auch mit den Klubbesitzern zusammen. "Es gibt auch ein finanzielles Thema", räumte Ludi ein. "Unsere Eigentümer investieren flexibler außerhalb der italienischen Grenzen."
Trotz der aktuellen Schwierigkeiten, bereits fertige italienische Talente einzubauen, hat Como einen klaren Plan für die kommenden Jahre. "Wir wollen, dass die erste Mannschaft eines Tages italienisch ist und perfekt unseren Spielprinzipien entspricht. Heute stehen wir erst am Anfang dieses langen Prozesses", so Ludi. Ein auffällig ungenaues Versprechen.
Como findet sich in einem außergewöhnlichen Dilemma wieder: Einerseits belohnten sich die Lombarden für ihre klar strukturierte und visionäre Arbeit mit der Qualifikation für die Champions League. Andererseits fiel dieser Erfolg in eine Zeit des internationalen Abgesangs auf den italienischen Fußball - weshalb das Projekt Como ausgerechnet im eigenen Land vielerorts auf wenig Gegenliebe stößt.
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Quelle: Perform


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