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Super League: EuGH-Urteil macht den Weg frei, UEFA-Präsident Ceferin spottet: "Wettbewerb mit zwei Klubs"
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Publiziert 21/12/2023 um 13:25 GMT+1 Uhr
Die UEFA hat vor dem Europäischen Gerichtshof eine herbe Pleite kassiert. Die höchste europäische Instanz öffnete am Donnerstag die Tür für die Gründung einer Super League. Das im Frühjahr 2021 noch krachend gescheiterte Projekt könnte nun erneut aufblühen. Während die Kritiker schnell wieder auf den Barrikaden waren, sprachen die Befürworter von einem "großen Tag für die Geschichte des Fußballs".
Erklärt: Die Hintergründe zum Super-League-Urteil
Quelle: Perform
Deftige Niederlage für die mächtigen Verbände, süßer Sieg für die Abtrünnigen: Der Gründung einer Super League steht wettbewerbsrechtlich nichts im Wege.
Statt der erwarteten Vollbremsung sorgte der Europäische Gerichtshof für vorerst freie Fahrt beim umstrittenen Milliardenprojekt, das nun keine Sanktionen fürchten müsste. Die höchste europäische Instanz stufte in ihrem Urteil die Monopolstellung der Europäischen Fußball-Union (UEFA) sowie des Weltverbandes FIFA als nicht vereinbar mit europäischem Recht ein.
Florentino Pérez, Präsident von Real Madrid und damit von einem der Befürworter der Super League, sprach am Donnerstag sogar von einem "großen Tag für die Geschichte des Fußballs". Bernd Reichert, Geschäftsführer der Sportmarketingagentur A22, ging einen Schritt weiter: "Der Fußball ist frei", erklärte er.
Die Fanvereinigung Football Supporters Europe (FSE) positionierte sich indes deutlich gegen die Milliardenliga. "FSE nimmt die heutige Entscheidung des EuGH zur Kenntnis und möchte noch einmal betonen, dass es im europäischen Fußball keinen Platz für eine abtrünnige Superliga gibt", teilte das Bündnis mit.
Die Reaktionen zum Urteil zur Super League
Bernd Reichert (Geschäftsführer A22): "Wir haben das Recht auf Wettbewerb gewonnen. Das UEFA-Monopol ist beendet. Der Fußball ist frei. Die Vereine müssen keine Sanktionen mehr fürchten UND können ihre Zukunft nun selbst bestimmen. An die Fans: Unser Vorschlag sieht vor, dass alle Spiele der Super League kostenlos gezeigt werden. An die Vereine: Einnahmen und Solidaritätszahlungen werden garantiert."
Europäische Fußball-Union (UEFA): "Dieses Urteil bedeutet keine Billigung oder Bestätigung der sogenannten Super League. (...) Die UEFA bleibt entschlossen, die europäische Fußballpyramide aufrechtzuerhalten und sicherzustellen, dass sie weiterhin den allgemeinen Interessen der Gesellschaft dient. Wir werden das europäische Sportmodell weiterhin gemeinsam mit Nationalverbänden, Ligen, Vereinen, Fans, Spielern, Trainern, EU-Institutionen, Regierungen und Partnern gestalten. Wir vertrauen darauf, dass die solidarische europäische Fußballpyramide, die von den Fans und allen Beteiligten zu ihrem unersetzlichen Modell erklärt wurde, durch europäische und nationale Gesetze gegen die Gefahr von Abspaltungen geschützt wird."
Aleksander Ceferin (UEFA-Präsident): "Es ist kurz vor Weihnachten. A22 hat ein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum gefunden. Sie haben sich gefreut. Wenn sie es aufmachen, werden sie merken, dass nicht viel drin ist. Sie können kreieren, was immer sie wollen. Ich hoffe, dass sie ihren fantastischen Wettbewerb so bald wie möglich mit zwei Klubs (Real Madrid und FC Barcelona, Anm. d. Red.) starten. Ich hoffe, sie wissen, was sie tun - aber ich bin mir da nicht so sicher. Der Fußball steht nicht zum Verkauf, er bleibt vereint. Wir haben nationale Regierungen und Institutionen hinter uns. Klubs aus vielen Ländern wie England, Deutschland, Frankreich oder Italien wollen bei uns bleiben. Selbst die Klubs, die beim ersten Mal dabei waren, haben uns schon klar ihre Ablehnung signalisiert. Ich bin mir nicht sicher, ob man schockiert oder amüsiert sein sollte von der Show. Es ist kurz vor Weihnachten, also wähle ich amüsiert. Schon damals wurde sie (Super League, Anm. d. Red.) einstimmig abgelehnt."
Europäische Klubvereinigung (ECA): "Um es ganz klar zu sagen: Das Urteil unterstützt oder befürwortet in keiner Weise irgendeine Form der Super League. Die Welt des Fußballs hat die Super League schon vor Jahren hinter sich gelassen. Alle anerkannten Interessengruppen des europäischen und weltweiten Fußballs - von Konföderationen über Verbände, Vereine, Ligen, Spieler und Fans - stehen geschlossener denn je gegen die Versuche einiger weniger Personen, die persönliche Ziele verfolgen, die Grundlagen und Grundprinzipien des europäischen Fußballs zu untergraben."
Fußball-Weltverband (FIFA): "Im Einklang mit ihren Statuten glaubt die FIFA fest an die Besonderheiten des Sports, einschließlich der Pyramidenstruktur – die auf sportlichen Leistungen beruht – und den Grundsätzen des Wettbewerbsgleichgewichts und der finanziellen Solidarität. Der Fußball verdankt seine lange und erfolgreiche Geschichte den oben genannten Grundsätzen."
Deutsche Fußball Liga (DFL): "Der EuGH hat in der Pressemitteilung auch klargestellt, dass die Entscheidung des EuGH nicht bedeutet, dass ein Wettbewerb wie die Super League notwendigerweise zugelassen werden müsste. Die Rechtmäßigkeit der Super League ist eine separate Frage. Die DFL stützt das europäische Sportmodell explizit und lehnt Wettbewerbe außerhalb der von den Verbänden und Ligen organisierten Wettbewerbe ab."
Bernd Neuendorf (Präsident Deutscher Fußball-Bund): "Auch im Interesse des Amateursports werden wir entschieden gegen die Gründung einer Superliga eintreten. Eine solche rein kommerziell ausgerichtete Liga würde sich von den bestehenden Strukturen des organisierten Sports abkoppeln und ein partnerschaftliches Miteinander im Fußball konterkarieren."
Jan-Christian Dreesen (Vorstandsvorsitzender FC Bayern): "Das Urteil ändert nichts an der Haltung des FC Bayern und an der Haltung der ECA, dass ein solcher Wettbewerb einen Angriff auf die Bedeutung der nationalen Ligen sowie die Statik des europäischen Fußballs darstellen würde. Die Bundesliga bildet das Fundament des FC Bayern, so wie alle nationalen Ligen das Fundament der europäischen Fußballklubs darstellen. Deshalb ist es unsere Pflicht und unsere tiefe Überzeugung, sie zu stärken und nicht zu schwächen. Ebenso stehen wir zu den europäischen Klub-Wettbewerben unter dem Dach der UEFA."
Florentino Pérez (Präsident Real Madrid): "Das ist ein großer Tag für die Geschichte des Fußballs und die Geschichte des Sports. In den kommenden Tagen werden wir die Tragweite dieses Beschlusses sorgfältig prüfen, aber ich erwarte zwei Schlussfolgerungen von großer historischer Bedeutung. Erstens, dass der europäische Klubfußball kein Monopol ist und es nie wieder sein wird. Zweitens, dass die Vereine von heute an die Herren ihres Schicksals sein werden. Kurz gesagt, heute hat das Europa der Freiheiten wieder gewonnen - und heute haben auch der Fußball und seine Fans gewonnen."
Fanvereinigung Football Supporters Europe (FSE): "FSE nimmt die heutige Entscheidung des EuGH zur Kenntnis und möchte noch einmal betonen, dass es im europäischen Fußball keinen Platz für eine abtrünnige Superliga gibt. Aber wie auch immer es weitergeht, die Superliga bleibt ein schlecht durchdachtes Projekt, das die Zukunft des europäischen Fußballs gefährdet. FSE, unsere Mitglieder und Fans in ganz Europa werden sich weiterhin dagegen wehren."
Premier League: "Die Premier League lehnt ein solches Konzept weiterhin ab. Die Fans sind für den Fußball von entscheidender Bedeutung und haben immer wieder deutlich gemacht, dass sie einen "abtrünnigen" Wettbewerb ablehnen, der die Verbindung zwischen dem nationalen und dem europäischen Fußball kappt. Die Premier League bekräftigt ihr Bekenntnis zu den klaren Grundsätzen des offenen Wettbewerbs, auf denen der Erfolg der nationalen und internationalen Vereinswettbewerbe beruht. Der Fußball lebt vom Wettbewerb, der durch Auf- und Abstieg, die jährliche leistungsbezogene Qualifikation von den heimischen Ligen und Pokalen zu den internationalen Vereinswettbewerben und die langjährigen Rivalitäten und Rituale, die mit den für den heimischen Fußball reservierten Wochenenden einhergehen, entsteht."
Aurelio De Laurentiis (SSC Neapel): "Ich habe mit Florentino Pérez gesprochen und wir haben uns auf ein Treffen mit anderen Unternehmern verständigt, um das weitere Vorgehen zu besprechen. [...] Fußball wird von alten Menschen ohne Vision gemanaged."
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(SID)
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