Der 1990er-Weltmeister Rudi Völler hat die neue europäische Super League als "Verbrechen am Fußball" kritisiert und Konsequenzen für die Teilnehmer gefordert. "Wer ins dieser Liga mitspielen will, muss aus allen nationalen Ligen aussortiert werden. Mit allen Mannschaften. Die Jugend, die Frauen – alle müssen dann raus", sagte der Sport-Geschäftsführer von Bayer Leverkusen der "Bild"-Zeitung.
Dass die deutschen Topklubs Bayern München und Borussia Dortmund beim milliardenschweren Wettbewerb nicht mitmachen würden, "zeigt, dass sie Rückgrat haben", ergänzte Völler. In Richtung des FC Liverpool, einem der zwölf Gründungsmitglieder der Super League, sagte der 61-Jährige: "Für einen Klub, bei dem die Fans 'You'll never walk alone' singen, ist das beschämend."
Auch ManUnited-Legende Gary Neville fand deutliche Worte zur Gründung und vernichtete die Super-League-Teams. Der ehemalige englische Nationalspieler sei seit 40 Jahren Manchester-United-Fan, aber total empört. Gegenüber "Sky Sports" äußerte er sich diesbezüglich in einem emotionalen Statement.
Fußball
Ausschluss aus nationalen Ligen: Verbände drohen Super-League-Teams
19/04/2021 AM 07:41
Die Bosse der Super League verteidigen jedoch die geplanten Pläne. Florentino Perez, erster Vorsitzender der Super League, ist sich sicher: "Wir werden dem Fußball auf jeder Ebene helfen und ihn an seinen rechtmäßigen Platz in der Welt bringen."

Die Reaktionen zur Super League

Gary Neville, Ex-Kapitän von Manchester United: "Genug ist genug! Die einzige Motivation ist Gier. Zieht ihnen alle Punkte ab, setzt sie ans Ende der Liga und nehmt ihnen das Geld weg! Ernsthaft. Das ist ein krimineller Akt gegen die Fußballfans in diesem Land. Bestraft sie!"
Rudi Völler, Sport-Geschäftsführer von Bayer Leverkusen: "Wer ins dieser Liga mitspielen will, muss aus allen nationalen Ligen aussortiert werden. Mit allen Mannschaften. Die Jugend, die Frauen – alle müssen dann raus",
Premier League: "Fans eines Vereins in England und in ganz Europa können derzeit davon träumen, dass ihre Mannschaft gegen die Besten spielt. Wir glauben, dass das Konzept einer europäischen Super League diesen Traum zerstören würde."
DFL-Boss Christian Seifert: "Wirtschaftliche Interessen einiger weniger Topklubs in England, Italien und Spanien dürfen nicht die Abschaffung gewachsener Strukturen im gesamten europäischen Fußball zur Folge haben."
WAS HALTET IHR VON DER GRÜNDUNG EINER NEUEN SUPER LEAGUE?
DFB: "Der Deutsche-Fußball-Bund (DFB) positioniert sich klar gegen das Konzept einer europäischen Super League. Im Fußball muss es immer um die sportliche Leistung gehen. Sie bestimmt über Auf- und Abstieg sowie die Qualifikation für die jeweiligen Wettbewerbe. Die wirtschaftlichen Interessen einiger weniger Klubs dürfen nicht das praktizierte solidarische Miteinander des Fußballs aufkündigen. Jeder Verein wird sich entscheiden müssen, ob er Teil des solidarisch organisierten Gesamtfußballs bleiben oder ausschließlich egoistische Eigeninteressen außerhalb der UEFA und der nationalen Fußballverbände verfolgen möchte. Der DFB steht daher klar hinter der ausdrücklichen gemeinsamen Erklärung der UEFA mit den Ligen und Nationalverbänden aus England, Italien und Spanien."
Thomas Tuchel, Trainer vom FC Chelsea: "Es gibt da draußen viele Streitigkeiten und Meinungen. Ich will mich da absolut nicht einmischen, weil ich die Details nicht kenne. Ich kenne die allgemeine Situation seit gestern, aber ich muss meine Rolle ausfüllen und meinem Verein vertrauen."
Hansi Flick, Trainer vom FC Bayern München: "Ich kenne nicht alle Details, aber ich stehe voll hinter der Aussage des Vereins und von Dortmund: Das wäre nicht gut für den europäischen Fußball."
FIFA: "Aus unserer Sicht und in Übereinstimmung mit unseren Statuten, sollte jeder Wettbewerb im Fußball, egal ob national, regional oder global die Grundprinzipien Solidarität, Inklusivität, Integrität und gleichberechtigte finanzielle Umverteilung widerspiegeln."
UEFA: "Wir danken den Klubs in anderen Ländern, insbesondere den französischen und deutschen Klubs, die sich geweigert haben, sich dem anzuschließen."
Europäische Fanvereinigung "Football Supporters Europe" (FSE): "Dieser geschlossene Wettbewerb wird der letzte Nagel im Sarg des europäischen Fußballs sein und alles zerstören, was ihn so beliebt und erfolgreich gemacht hat: Belohnung sportlicher Leistungen, Auf- und Abstieg, Qualifikation zu UEFA-Wettbewerben über nationale Erfolge und finanzielle Solidarität."
Bo Svensson, Trainer von FSV Mainz 05: "Jürgen (Klopp, Anm. d. Red.), Thomas (Tuchel, Anm. d. Red.) und Pep (Guardiola, Anm. d. Red.) stehen in der Pflicht. So wie ich sie kenne, stehen sie für andere Werte - nicht für immer noch mehr Geld."
UEFA-Präsident Aleksander Ceferin: "Meiner Meinung nach müssen die Teams und Spieler von all unseren Wettbewerben ausgeschlossen werden. Es wird ihnen auch nicht mehr erlaubt sein, für ihre Nationalmannschaften aufzulaufen."
Britischer Premierminister Boris Johnson: "Die Pläne für eine europäische Super League wären sehr schädlich für den Fußball. Wir unterstützen die Fußballverbände dabei, Maßnahmen zu ergreifen."
Lukas Podolski, Weltmeister von 2014: "Fußball ist Glück, Freiheit, Leidenschaft, Fans und ist für jeden. Dieses Projekt ist ekelhaft, nicht fair und ich bin enttäuscht, dass Vereine, die ich vertreten habe, daran beteiligt sind."
Mesut Özil, Weltmeister von 2014: "Kinder wachsen damit auf und träumen davon, die WM oder die Champions League zu gewinnen - nicht irgendeine Super League. Der Genuss an den großen Spielen ist, dass es sie nur ein- oder zweimal im Jahr gibt, nicht jede Woche."
Fan- und Ultragruppen-Bündnis ProFans: "Wo das große Geld ist, fällt immer mehr Geld hin. Die Spanne zwischen großen und kleinen Vereinen wird immer unüberbrückbarer. Was soll eine Liga in einem geschlossenen Kreis ohne Auf- und Abstieg? Das ist nicht spannend! Der Fußball gräbt sich das eigene Wasser ab. Die aktive Fanszene werde das neue Konstrukt womöglich nicht ernstnehmen, weil es eine Horrorvision ist."
Hans-Joachim Watzke, Vorstandsvorsitzender Borussia Dortmund: "Die Mitglieder des Boards der European Club Association (ECA) haben sich am Sonntagabend zu einer virtuellen Konferenz zusammengeschlossen und bekräftigt, dass der Board-Beschluss vom vergangenen Freitag nach wie vor Gültigkeit hat. Dieser Beschluss besagt, dass die Klubs die geplante Reform der UEFA Champions League umsetzen wollen. Es war die klare Meinung der Mitglieder des ECA-Boards, dass man die Pläne zur Gründung einer Super League ablehnt. Beide deutsche Klubs, die im ECA-Board vertreten sind, der FC Bayern München und Borussia Dortmund, haben in allen Gesprächen zu 100 Prozent deckungsgleiche Auffassungen vertreten."
Florentino Perez, Präsident von Real Madrid und erster Vorsitzender der Super League: "Wir werden dem Fußball auf jeder Ebene helfen und ihn an seinen rechtmäßigen Platz in der Welt bringen."
Andrea Agnelli, Präsident von Juventus Turin und neuer stellvertretender Vorsitzender der Super League: "Wir haben uns in diesem kritischen Moment zusammengetan, um den europäischen Wettbewerb zu verändern, das Spiel, das wir lieben, auf eine nachhaltige Grundlage für die langfristige Zukunft zu stellen."
Joe Glazer von Manchester United, ebenfalls neuer stellvertretender Vorsitzender: "Durch die Zusammenführung der weltbesten Vereine und Spieler wird die Super League ein neues Kapitel für den europäischen Fußball aufschlagen, ein Weltklassewettbewerb wird damit sichergestellt und finanzielle Unterstützung für die breitere Fußballpyramide erhöht."
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