In einem gemeinsam und zeitgleich veröffentlichten Statement kündigten die Top-Vereine an, einen neuen Wettbewerb organisieren und etablieren zu wollen - ein klarer Affront gegenüber der UEFA und deren Champions League.
Nicht dabei sind die Bundesliga-Vereine: Der FC Bayern München und Borussia Dortmund haben sich dem Zusammenschluss ebenso wie Paris Saint-Germain verweigert - zumindest zunächst.
Die zwölf Vereine legten bereits konkrete Pläne für ihren neuen Wettbewerb vor: So wollen die schon feststehenden zwölf Gründungsmitgliedern noch drei weitere Klubs fest aufnehmen. Die dann 15 Vereine sollen permanente Teilnehmer darstellen, die um fünf weitere Klubs, die sich jährlich neu für die Super League qualifizieren können, ergänzt werden sollen.
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18/04/2021 AM 14:39
In zwei Zehnergruppen sollen ab August Hin- und Rückspiele ausgetragen werden. Die je drei besten Teams kämen automatisch ins Viertelfinale, die Vierten und Fünften beider Gruppen sollen im K.o.-Modus in Hin- und Rückspielen überkreuz die letzten zwei Teilnehmer an der Runde der letzten Acht ausspielen.

Modus ähnlich der Champions League

Viertel-, Halb- und Finale würden dann in etwa dem von der Champions League bekannten Modus folgen. Das Endspiel sei für Mai anvisiert. Der Spielbetrieb soll schon "so bald wie möglich" aufgenommen werden und unter der Woche stattfinden. Die Mannschaften sollen weiter in ihren nationalen Ligen spielen. Eine Super League der Frauen soll auch folgen, man wolle den Frauen-Fußball "voranbringen".
Die Super-League-Klubs wollen zeitnah Gespräche mit UEFA und FIFA führen, "und in partnerschaftlicher Zusammenarbeit die besten Resultate für die neue Liga und den gesamten Fußball" erzielen zu können, heißt es im Statement der Abtrünnigen.
Die Klubs beriefen sich dabei auch auf die Auswirkungen der Coronaviruspandemie, die die Klubs wirtschaftlich gefährdet habe. "Die Pandemie hat gezeigt, dass eine strategische Vision und ein nachhaltiger wirtschaftlicher Ansatz erforderlich sind", heißt es.

Super League: Real-Boss Pérez geht voran

Real-Präsident Florentino Pérez ließ sich bereits als neuer Vorsitzender der Super League aufstellen. Er sagte, man wolle dem Fußball auf ein neues Level hieven. Mit der Super League würde man außerdem versuchen, "den Wünschen der vier Milliarden Fußballfans zu entsprechen".
Dabei hatte die UEFA mit Boss Aleksander Ceferin zuletzt an einer Champions-League-Reform gefeilt, die es den mächtigen Klubs ab 2024 an noch leichter machen sollte, an die großen Geldsummen zu kommen. Am Montag tagt das UEFA-Exekutivkomittee, am Dienstag folgt der UEFA-Kongress.
Die Klubs kamen dem nun zuvor, launchten sogar schon eine eigene Super-League-Homepage.

Super League: UEFA droht mit Ausschluss

In einer ersten Stellungnahme auf die Veröffentlichung bedankte sich die UEFA bei den nicht auf den Super-League-Zug aufgesprungenen Klubs aus Bundesliga und Ligue 1: "Wir danken den Klubs in anderen Ländern, insbesondere den französischen und deutschen Klubs, die sich geweigert haben, sich dem anzuschließen."
Bereits am Sonntag hatte die UEFA nach den ersten Gerüchten von einem "zynischen Projekt" gesprochen und Klubs und Spielern mit einem Bann gedroht.
"Die betroffenen Vereine würden vom nationalen, europäischen und weltweiten Wettbewerb ausgeschlossen. Ihren Spielern könnte die Möglichkeit genommen werden, für ihre Nationalmannschaften aufzulaufen", teilte der Verband schon vor Veröffentlichung der Super-League-Pläne mit.
Die europäische Fanvereinigung "Football Supporters Europe" sprach indes vom "letzten Nagel im Sarg des europäischen Fußballs".
WAS HALTET IHR VON DER GRÜNDUNG EINER NEUEN SUPER LEAGUE?

Irritierendes ECA-Statement

"Wenn dies wahr ist, wird es riesige Auswirkungen auf das Spiel haben. Riesige", kommentierte Englands Fußball-Idol Gary Lineker die Gerüchte bereits am Sonntagnachmittag via Twitter. Es sei "eine Schande, ich bin absolut angewidert", betonte der frühere Kapitän von Manchester United Gary Neville.
Auch die englische Premier League wehrt sich gegen eine Super League: "Fans eines Vereins in England und in ganz Europa können derzeit davon träumen, dass ihre Mannschaft gegen die Besten spielt. Wir glauben, dass das Konzept einer europäischen Super League diesen Traum zerstören würde."
Die einflussreiche Klubvereinigung ECA, die 246 europäische Vereine vertritt, betonte derweil am Sonntagabend, dass sie weiter "gemeinsam mit der UEFA an der Entwicklung der europäischen Vereins-Wettbewerbe für den Zyklus ab 2024" arbeiten wolle, "einschließlich der vorgeschlagenen Änderungen der UEFA-Klub-Wettbewerbe".
Das Modell "einer geschlossenen Super League, auf das sich die Medienberichte beziehen, würde von der ECA stark abgelehnt werden". Präsident der ECA ist Andrea Agnelli - Klubboss beim nun als Super-League-Mitwirkenden enttarnten Klub Juventus.

DFL-Boss spricht sich klar gegen Super League aus

In Deutschland hatten sich Fans, die Liga selbst und sogar die Spitzenklubs bislang strikt dagegen gestellt.
Deutliche Kritik kam von DFL-Boss Seifert. "Wirtschaftliche Interessen einiger weniger Topklubs in England, Italien und Spanien dürfen nicht die Abschaffung gewachsener Strukturen im gesamten europäischen Fußball zur Folge haben", sagte Seifert.
Es wäre "unverantwortlich, die nationalen Ligen als Basis des europäischen Profifußballs auf diese Weise irreparabel zu beschädigen."

Keine WM- und EM-Teilnahme mehr für Spieler der Super League?

Der britische Premierminister Boris Johnson twitterte nachts: "Die Pläne für eine europäische Superliga sind sehr schädlich für den Fußball und deshalb unterstützen wir die Fußball-Verbände, etwas dagegen zu unternehmen."
Auch die FIFA meldete sich bereits. "Aus unserer Sicht und in Übereinstimmung mit unseren Statuten, sollte jeder Wettbewerb im Fußball, egal ob national, regional oder global die Grundprinzipien Solidarität, Inklusivität, Integrität und gleichberechtigte finanzielle Umverteilung widerspiegeln", hieß es in einer Stellungnahme des Weltverbands - was die Super League eindeutig nicht tut.
Schon im Januar hatte sich die FIFA in die Diskussion eingeschaltet und war der UEFA mit der Androhung eines Bannstrahls zur Seite gesprungen. Ein derartiger Wettbewerb werde nicht anerkannt, verkündete der Weltverband damals: "Vereine oder Spieler, die an einem solchen Wettbewerb teilnehmen würden, dürften folglich an keinem von der FIFA oder der jeweiligen Konföderation organisierten Wettbewerb teilnehmen."
Sprich: Für die Spieler von Super-League-Klubs wären Welt- und Europameisterschaften künftig tabu.

Super League lockt mit über 200 Millionen Euro pro Verein

Doch das sehen einige Vereine offenbar nicht als unüberwindbare Hürde.
Schließlich zeigen wohl schon zahlreiche finanzkräftige Sponsoren Interesse an einer Super League, den Gründungsmitgliedern winken bei einer Teilnahme Mehreinnahmen von insgesamt 3,5 Milliarden Euro, "um ihre Infrastrukturinvestitionspläne zu unterstützen und die Auswirkungen der Pandemie auszugleichen" - so skizzieren es die Klubs in der Mitteilung.
Bei 15 Gründungsmitgliedern wären das 233,33 Mio. pro Verein. Insgesamt stellen die Super-League-Organisatoren Einnahmen bis zu zehn Milliarden Euro in Aussicht. Die Gründungsklubs sollen zudem "einen Ausgabenrahmen unterzeichnen". Die Super League werde sich außerdem "langfristig für unbegrenzte Solidaritätszahlungen einsetzen".
Juve-Boss Agnelli, neuer stellvertretender Vorsitzender der Super League, sagte: "Wir haben uns in diesem kritischen Moment zusammengetan, um den europäischen Wettbewerb zu verändern, das Spiel, das wir lieben, auf eine nachhaltige Grundlage für die langfristige Zukunft zu stellen."
Und Joe Glazer von Manchester United, ebenfalls neuer stellvertretender Vorsitzender, meinte: "Durch die Zusammenführung der weltbesten Vereine und Spieler wird die Super League ein neues Kapitel für den europäischen Fußball aufschlagen, ein Weltklassewettbewerb wird damit sichergestellt und finanzielle Unterstützung für die breitere Fußballpyramide erhöht."
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