Mesut Özil ließ in den vergangenen Tagen keine Möglichkeit aus, um auf seinen bevorstehenden Arbeitgeber Fenerbahce und seine Liebe zu diesem Verein hinzuweisen.
Jedenfalls konnte man sich dem Eindruck nicht erwehren, dass sich der ehemalige deutsche Nationalspieler durchaus freut, in naher Zukunft für den Verein aus dem asiatischen Teil Istanbuls die Schuhe zu schnüren.
Zunächst retweetete er einen Post des Klubs und versah ihn mit einer Sanduhr und zwei Herzen. Natürlich in gelb und blau - den Vereinsfarben. Dann ließ er eine etwas verklausulierte "67" - dazu später mehr - verbreiten. Kurz danach färbte er sein eigenes Markenlogo "M1Ö" gelb und blau ein.
Fußball
Der Superstar ist gelandet: Fenerbahce veröffentlicht erste Özil-Fotos
17/01/2021 AM 21:54
Es folgte ein Foto aus dem Privatjet, der ihn an den Bosporus brachte. Darauf zu sehen auch seine Verlobte Amine mitsamt Töchterchen Eda.
Schließlich Bilder von der Ankunft, er selbst mit Fener-Schal am Flughafen und als vorläufiger Höhepunkt eine Fotomontage, die den jungen Mesut an der Hand des erwachsenen zeigt.

Özil hat alles für eine Liebesgeschichte vorbereitet

Es war also Özil selbst, der seinen Transfer öffentlichkeitswirksam und mit jeder Menge Pathos anschob und die Euphorie schürte, die ihm nun bei seiner Ankunft entgegenschlug, als ihn zumindest einige Fans empfingen.
"Gott wollte, dass ich für Fenerbahce spiele. Ich werde das Trikot mit Stolz tragen und alles für das Team geben", sagte der 32-Jährige dem türkischen Fernsehsender "NTV". Schon oft hatte er zuvor betont, dass Fener sein Lieblingsverein sei. Es ist also alles vorbereitet für eine Liebesgeschichte zwischen Spieler und Verein.
Wobei nicht ganz klar ist, was Özil eigentlich genau im Schilde führt: Will er seine Laufbahn dort ausklingen lassen, wo er geliebt wird oder tatsächlich noch einmal durchstarten?
Nach zum Schluss unwürdig zu Ende gegangenen siebeneinhalb Jahren bei Arsenal scheint ihm Fenerbahce in jedem Fall das bieten zu können, was er am allermeisten braucht: Spielzeit.

Negative Entwicklung seit einigen Jahren offensichtlich

Özils letzter Pflichtspieleinsatz für die Gunners ist fast ein Jahr her. Unter Trainer Mikel Arteta spielte der Deutsche zuletzt keine Rolle mehr, wurde nicht mal in den Kader berufen.
All das hatte sich schon unter Artetas Vorgänger Unai Emery angedeutet.

Mesut Özil

Fotocredit: Getty Images

Mehrmals wurde dem Mittelfeldspieler sogar ein Vereinswechsel ans Herz gelegt. Doch Özil wehrte sich lange, bestand auf seinen laufenden Vertrag, einem der lukrativsten in der Premier-League-Geschichte, und ließ sich schließlich fast klaglos auf die Tribüne abschieben.
Das hatte sich zu Beginn seiner Zeit in London so gar nicht angedeutet. In seinen ersten Jahren im Emirates avancierte Özil zu einem der herausragenden Spieler in Englands Eliteliga. An zwei Pokalsiegen hatte der Regisseur großen Anteil.
Auch einen Rekord stellte er auf. Für seine ersten 50 Assists brauchte er lediglich 141 Spiele. Ein Fakt, der seine großartige Form zur Mitte der 2010er-Jahre treffend beschreibt.
Mit dem Abschied von Trainerlegende Arsène Wenger im Jahr 2018 aber schwand auch Özils Einfluss mehr und mehr. Am Ende war der Verein nur noch froh, seinen Großverdiener endlich von der Gehaltsliste streichen zu können. Man löste den Vertrag ein halbes Jahr vor dessen Ende auf.

Neustart bei Fenerbahce: Was hat Özil noch drauf?

Es folgte die Flucht zum 19-maligen türkischen Meister, der logistisch alles für einen erfolgreichen Restart seines neuen Superstars vorbereitet hat.
Nach einer sechstägigen Quarantäne wird Özil bei den "Kanarienvögeln" ein gelbes Trikot mit der Rückennummer 67 tragen. Diese Zahl steht für die Provinz Zonguldak am Schwarzen Meer, aus der einst Özils Eltern nach Deutschland auswanderten.
Seinen aktuellen Fitnesszustand schätzt der 32-Jährige auf jeden Fall schon mal positiv ein. "Ich habe in London immer mit der ersten Mannschaft trainiert. Ja, ich habe lange nicht gespielt, aber körperlich bin ich fit, es gibt kein Problem", sagte Özil auf dem Flughafen Atatürk im Scheinwerferlicht der TV-Kameras.

Führt Özil seinen Lieblingsverein Fenerbahce zum Titel?

Und sportlich geht es auch noch um einiges.
Fener wartet seit 2014 auf den türkischen Meistertitel. Die Fans des derzeitigen Tabellenzweiten projizieren deshalb alle Sehnsucht, Euphorie und Vorfreude auf den neuen Hoffnungsträger. Özil wird ohne Wenn und Aber sofort zum größten Star der gesamten Süper Lig aufsteigen.
Druck, den der Regisseur gewöhnt ist, spätestens seit er ab 2010 bei Real Madrid drei Jahre lang an der Seite von Cristiano Ronaldo für Furore sorgte. Özil performte auf Weltklasse-Niveau.
Eine Form, die er aber in den vergangenen Jahren mehr und mehr schuldig blieb, bis sie schließlich ganz verschwand. In der Bosporus-Metropole werden ihm nun fast uneingeschränkt die Herzen zufliegen.
Wenger sagte mal, Özil sei "ein Künstler. Diese Jungs sind etwas sensibler. Sie brauchen Unterstützung und ein Umfeld, das sie dazu bringt, das Beste zu geben." Von daher dürften die Voraussetzungen günstig sein.
"Wenn seine Grundfitness im Training gut ist, wird er nur drei oder vier Spiele brauchen, um in Bestform zu sein", so Wenger weiter. Der 32-Jährige sei ein Spieler, der ein "warmes Umfeld" brauche: "Das wird er in der Türkei mehr als irgendwo sonst finden."

Türkische Medien feiern den Transfer von Özil

Die türkischen Medien jedenfalls überschlugen sich vor Begeisterung über den spektakulären Transfer. "Die Fußballmarke Özil ist für Fenerbahce die Erfüllung eines Traums", titelte "Milliyet". Und auch beim neuen Arbeitgeber des offensiven Mittelfeldspielers scheint man von einer längerfristigen Zusammenarbeit auszugehen.
Denn nach übereinstimmenden Medienberichten soll der Vertrag mit dem neuen Hoffnungsträger bis 2024 gültig und mit insgesamt 14 Millionen Euro dotiert sein. Ein immenser Vertrauensvorschuss für Özil.
Beim Istanbuler Großklub ist man sich sicher, den richtigen Spieler verpflichtet zu haben. Özils Ansehen stieg in der Türkei rund um die Erdogan-Affäre im Umfeld der WM 2018 enorm.
Insofern hat der Transfer auch politische und gesellschaftliche Komponenten.
Fenerbahce und Özil verbindet jedenfalls eines: Beide wollen zurück zu alter Stärke. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht.
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