Er war etwas abstrakt, aber doch traf der Vergleich, der am Samstag parallel zum enttäuschenden 1:1 des BVB gegen den FSV Mainz 05 in den sozialen Medien geteilt wurde, einen Nerv.
Sinngemäß schrieb bei "Twitter" ein Beobachter: "Der BVB wirkt wie die Jungs vom Gymnasium, die dich vielleicht im Mathe-Wettbewerb schlagen. Aber wenn es zum Fußball-Turnier geht, dann bekommen sie von der Gesamtschule nebenan jedes Mal einen auf die Mütze."
Tatsächlich tut sich Borussia Dortmund in dieser Saison wieder schwer gegen vermeintlich "kleinere Gegner", die unbequemen, die tief stehen, sich wild in jeden Zweikampf werfen, weil sie nichts mehr zu verlieren haben und auf Konter lauern. Das 1:5 gegen den VfB Stuttgart, 1:2 gegen den 1. FC Köln, auch das 1:2 bei Union Berlin sind Beispiele dafür. Jetzt das enttäuschende Remis gegen Mainz, was nach der überragenden zweiten Halbzeit zuletzt beim Spitzenteam RB Leipzig (3:1) doppelt verwunderlich ist.
Bundesliga
Drei Dinge, die auffielen: Bayern verbessert sich - doch ein Manko bleibt
17/01/2021 AM 20:31
"Es ist unglaublich", schimpfte der einzige Dortmunder Torschütze Thomas Meunier. "So oft haben wir die Chance, Zweiter, Dritter, Erster zu werden. Und immer kommen dann solche Spiele." Problem erfasst.

BVB oft hektisch und chaotisch

Der BVB wirkt in solchen Momenten, wie zu Beginn der zweiten Halbzeit gegen Mainz, trotz geballter individueller Klasse nicht fokussiert, sondern "hektisch und chaotisch", wie es Trainer Edin Terzic in seiner Analyse auf den Punkt brachte. Zudem wurden beste Chancen vergeben, wie der Elfmeter von Marco Reus. Natürlich wurde dem BVB-Leader öffentlich kein Vorwurf gemacht, doch auch in Dortmund wissen sie: Solche Momente sind eigentlich für Kapitäne gemacht. Und sie sind in solchen Spielen gegen unbequeme Gegner nicht selten der entscheidende Faktor. Als Spitzenteam ist ein Sieg gegen den Tabellenletzten Pflicht.

Marco Reus

Fotocredit: Getty Images

"Wir wollen weiter nach oben", sagte Reus vor den kniffligen Spielen in Leverkusen (Dienstag) und Mönchengladbach (Freitag) kämpferisch. Doch zunächst muss es schnell an die Ursachenforschung gehen. Wo liegen die Gründe dafür, dass der BVB sich selbst immer wieder aus dem Rhythmus bringt? Sicher auch darin, dass mit Axel Witsel ein Schlüsselspieler im Mittelfeld lange ausfällt. Der Trainer ist kein Alibi mehr für die Spieler. Lucien Favre wurde bereits ausgetauscht.
Wahrscheinlich liegt es doch wieder an der Bereitschaft, alles zu geben. "Es geht nun darum, in jedem Spiel so aufzutreten, wie die Bayern es zuletzt gemacht haben: wie eine Weltklasse-Mannschaft mit einer hundertprozentigen Einstellung", hatte Mats Hummels vor dem Start der neuen Saison gefordert. Daran, dass seine Kollegen das Problem in Kürze in den Griff bekommen, bestehen aktuell ernsthafte Zweifel.
Borussia Dortmund wollte immer da sein, wenn Bayern einmal nicht durchmarschiert. Doch dafür ist der BVB zu inkonstant.

Bayern reißt sich zusammen

Zumal sich herausgestellt hat, dass der große Konkurrent und vorzeitige Hinrunden-Meister FC Bayern München durchaus in der Lage ist, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Das hat der Arbeitssieg gegen den SC Freiburg gezeigt. Er war nicht besonders schön, am Ende auch ein bisschen glücklich, aber zuvor hatten die entscheidenden Akteure geliefert. Robert Lewandowski fackelte wie gewohnt nicht lange, Thomas Müller jubelte über seinen Treffer derart ekstatisch, als ob ihm bewusst war, dass das Tor zum 2:1 ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur neunten Meisterschaft in Folge sein könnte.
DREI DINGE, DIE AUFFIELEN: Bayern verbessert sich
FCB-Trainer Hansi Flick verkniff sich ein Urteil über die Leistung der Bayern-Jäger an diesem 16. Spieltag, sagte aber trotzdem: "Abgerechnet wird eh am Schluss. Es ist aber schon gut, dass wir uns jetzt vier Punkte Vorsprung erarbeitet haben."
Auch der FCB hatte Verletzungssorgen, im zeitlich eng gesteckten Spielplan wenig Zeit, Automatismen einzustudieren, den Neuen die Philosophie in ausführlichen taktischen Einheiten näher zu bringen und lässt insgesamt viel Kraft. Und doch lassen die Bayern keinen Zweifel daran, dass sie selbst über ihr Schicksal bestimmen.

Leroy Sané and Thomas Müller

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Sie beißen sich rein, pushen sich gegenseitig. Selbst Leroy Sané arbeitet jetzt mit nach hinten. Da haben es die Spieler kapiert. Und es scheint eine Frage der Zeit zu sein, bis auch die gewohnte Dominanz ins Spiel zurückkehrt. Flick weiß: "Es geht nicht mit einem Schalter", sondern er spricht von einer Entwicklung.
Der große Unterschied zum BVB ist derzeit: In München ist sie positiv, beim BVB eher nicht. Patzt der BVB auch gegen Leverkusen und gewinnt Bayern beim FC Augsburg, betrüge der Punkte-Unterschied der beiden Spitzenklubs zum Hinrunden-Ende möglicherweise zehn Zähler!
Es wäre das vorzeitige Ende aller Meister-Träume in Dortmund in dieser Saison.
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