Beide Teams starteten recht gemächlich in die Begegnung. Nach einer ruppigen Anfangsphase mit etlichen kleinen Foul- und Einwurf-Unterbrechungen nahm das Spiel anschließend an Fahrt auf - speziell der italienische Meister aus Turin legte einen Zahn zu. Vor allem über rechts versuchte Juve Napoli mit ordentlich Tempo in die Defensive zu zwingen. Das war vor allem den Rückkehrer Juan Cuadrado zu verdanken.
Nach einem positiven Coronatest musste Juve zuletzt auf den Kolumbianer verzichten. Erst kurz vor dem Spiel, nachdem er zuvor zweimal negativ auf das Coronavirus getestet worden war, durfte er zur Supercoppa nachreisen und sorgte für eine sichtbare Belebung des Offensivspiels.
Zwölf Minuten waren gespielt, da setzte sich Cristiano Ronaldo erstmals in Szene. Nach einem schönen Doppelpass zwischen Weston McKennie und Dejan Kulusevski hatte letzterer das Auge für den mitgelaufenen Ronaldo, der aus halblinker Position aus gut 10 Metern einen ersten Abschluss wagte. Napoli-Keeper David Ospina hatte die Hände rechtzeitig oben und konnte den Versuch entschärfen. Anschließend wurde die Situation jedoch wegen einer vermeintlichen Abseitsposition von CR7 abgepfiffen.
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Juventus versuchte auch in der Folge mit einem kontrollierten Spielaufbau die Partie mehr und mehr in die gegnerische Hälfte zu verlagern. Napoli beschränkte sich indes auf das Abwarten von Kontersituationen. Dennoch war es das Team von Gennaro Gattuso, das die beste Gelegenheit in Hälfte eins hatte. Juve musste sich infolge bei Torhüter Wojciech Szczesny bedanken, der mit einem tollen Reflex eine gefährliche Kopfballchance von Hirving Lozano aus kurzer Distanz parierte.

Szczesny mit einer tollen Parade

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Torlos verabschiedete man sich nach 45 Minuten erstmal in die Halbzeitpause, in der Andrea Pirlo seinen ersten Wechsel vollzog. Er brachte Federico Bernardeschi für Federico Chiesa in die Partie, den die Napoli-Spieler zuvor gut aus dem Spiel genommen hatten. Nicht mal 60 Sekunden waren im zweiten Durchgang gespielt, da scheiterte der eingewechselte Bernardeschi per Kopf am starken Ospina (46.).
Napoli, das mit einem realtaktischen 4-5-1 spielte, versuchte es immer wieder mit langen Bällen in den Lauf von Andrea Petagna, doch auch hier machte sich die Einwechslung von Bernardeschi bezahlt, der diese Flanken schnell in Ballbesitz Juve umzuwandeln wusste.
In der 64. Minute war es dann soweit. Wie so häufig in wichtigen Spielen, war Ronaldo zur Stelle und brachte den Ball nach einer Ecke aus kurzer Distanz im Tor unter - die verdiente Führung für die Alte Dame. Juve ließ auch in der Folge nicht locker und hielt Napoli vom eigenen Strafraum fern.

Cristiano Ronaldo mit dem 1:0

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Erst ein Foulspiel von McKennie am eingewechselten Dries Mertens im Strafraum brachte Napoli die große Chance zum Ausgleich. Nach VAR-Überprüfung zeigte Schiedsrichter Paolo Valeri auf den Punkt und Lorenzo Insigne trat an. Der Kapitän hätte sein 100. Tor für Napoli machen können, schoss den Strafstoß jedoch links neben das Tor.
Napoli wirkte nach dem verpassten Ausgleichstreffer gebrochen. Das Tempo war aus der Partie und offensiv fehlt es in den Schlussminuten auch an der nötigen Frische. Kurz vor dem Ende zog Juve nochmals das Tempo an und leitete einen tollen Konter über Cuadrado ein. Der Kolumbianer hatte das Auge für Alvaro Morata, der zum 2:0-Endstand traf (90.+5). Pünktlich mit dem Torjubel von Morata pfiff der Unparteiische das Spiel ab und Juve krönte sich zum insgesamt neunten Mal zum Supercoppa-Sieger.

Morata markierte mit der letzten Aktion im Spiel den 2:0-Endstand

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Die Stimmen zum Spiel:

Andrea Pirlo (Trainer Juventus Turin): "Es ist eine große Freude, meine erste Trophäe als Trainer zu gewinnen. Es war wichtig, nach der Niederlage gegen Inter heute zu gewinnen. Wir mussten Stolz zeigen und wenn man mit dieser Entschlossenheit auf den Platz geht, laufen die Dinge gut. Wir brauchten so ein Spiel, eine Teamleistung und Aufopferung."
Cristiano Ronaldo (Juventus Turin): "Es war ein hartes Spiel, der Platz war schwierig, aber die Mannschaft hat ihre Konzentration behalten und wir haben einen wichtigen Pokal gewonnen, um Selbstvertrauen zu gewinnen. Wir sind sehr zufrieden. Jetzt müssen wir diese Begeisterung nutzen, um die nächsten Spiele zu gewinnen. Scudetto? Es wird ein hartes Rennen, aber wir sind dabei."
Andrea Petagna (SSC Neapel): "Wir hatten unsere erste große Chance mit Lozanos Kopfball. Wenn dieser Ball reingegangen wäre, würden wir wahrscheinlich über ein anderes Spiel sprechen. Wir standen auf dem Platz kompakt und haben gegen eine großartige Mannschaft gespielt. Vielleicht fehlte uns manchmal ein bisschen der Druck, aber es ist okay, in solchen Spielen leiden zu müssen".

Das fiel auf: Taktikfuchs Pirlo

Nach der 0:2-Niederlage am Sonntag gegen Inter Mailand kam Juve-Trainer Andrea Pirlo nicht gut weg in den italienischen Medien. "Pirlo ist bei der entscheidenden Prüfung durchgefallen. Er hat alles falsch gemacht", kommentierte beispielsweise die "Gazzetta dello Sport". Heute fand Juves einstiger Edeltechniker eine geeignetere Taktik, um eine zäh zu bespielende Mannschaft aus Neapel zu knacken. Mit starken Balleroberungen und aggressiver Zweikampfführung machte die Truppe von Pirlo heute einen wesentlich besseren Eindruck als noch bei der Pleite im Derby d’Italia. Der Erfolg in der Supercoopa ist gleichzeitig der erste Titel für Pirlo als Coach von Juventus Turin.

Der Tweet zum Spiel:

Die beiden haben bereits als Spieler etliche Titel (gemeinsam) gewonnen - im Jahr 2004 gewannen Andrea Pirlo (nicht im Kader) und Gennaro Gattuso mit dem AC Mailand sogar gemeinsam die Supercoppa (3:0 gegen Lazio Rom). Heute, mehr als 16 Jahre später, standen sich die beiden ehemaligen Teamkameraden erstmals in einem Duell als Cheftrainer gegenüber. Der Sieger heute: Andrea Pirlo.

Die Statistik zum Spiel: 760

Das Tor zum 1:0 war der insgesamt 760. Treffer für Cristiano Ronaldo in einem Pflichtspiel. Netter Nebeneffekt: Sein Tor bescherte ihm auch seinen zweiten Supercoppa-Erfolg mit Juventus und den insgesamt 34. Titel auf Klubebene.
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