Die Partie ließ schon in den ersten 60 Sekunden erahnen, wie rasant dieses FA-Cup-Spiel verlaufen würde. Kurz nach dem Anstoß köpfte Erik Lamela aus kurzer Distanz aufs Tor, doch Evertons Keeper Robin Olsen hielt den Ball stark.
Kurz danach trat Heung-min Son eine Ecke, seine Hereingabe erreichte Davinson Sánchez, der den Ball per Aufsetzer ins lange Eck köpfte (3.). Danach lieferten sich beide Teams ein spektakuläres Spiel mit ganz wenigen Unterbrechungen und viel Tempo. Hugo Lloris hielt in der 17. Minute einen Distanzschuss von Ben Godfrey und lenkte in der 19. Minute einen abgefälschten Schuss von Ben Davies an den Pfosten.
In der Folgezeit hatte Tottenham die Partie aber im Griff. Das Team von Trainer José Mourinho kombinierte sicher durchs Mittelfeld, eroberte einige Bälle und fuhr gefährliche Konter. Nach einer flachen Hereingabe von Matt Doherty feuerte Son einen Schuss aufs Tor, den Olsen abermals stark parierte, auch Steven Bergwijn prüfte den Schlussmann der Toffees (31.).
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Doch ab der 36. Minute nahm das Spiel eine geradezu irrwitzige Wendung. Nach einem Fehlpass von Pierre-Emile Höjbjerg wurde Dominic Calvert-Lewin im Sechzehner angespielt. Der Stürmer schoss hart, aber zentral auf Lloris - doch der ließ den Ball ins eigne Tor klatschen. Wenige Augenblicke später passte Calvert-Lewin zu Richarlison, der aus der Distanz abzog - sein verdeckter Schuss schlug links unten im Eck ein.
Tottenham war geschockt - und weil Höjbjerg Calvert-Lewin von hinten in die Füße lief, gab es zu allem Überfluss auch noch einen Strafstoß für die Toffees. Gylfi Sigurdsson verwandelte diesen sicher. In der Nachspielzeit konnten die Spurs aber verkürzen. Son steckte stark auf Lamela durch, der den Ball zum 2:3 ins Netz hob (45.+3).
In der zweiten Halbzeit machten die Teams da weiter, wo sie im ersten Durchgang aufgehört hatten. Son, der unglaublich viele starke Eckbälle in den Strafraum flankten durfte, bediente im Strafraum Innenverteidiger Toby Alderweireld. Dessen Kopfball hielt Olsen noch, Sánchez bugsierte den Abpraller aber über die Linie zum Ausgleich (57.).
Das Spiel blieb dynamisch und spannend - und in der 68. Minute ging Everton wieder in Führung. Nach einem schönen Steckpass schoss Richarlison den Ball wuchtig ins lange Eck zum 4:3 (68.).
Doch Tottenham kam abermals nach einem Son-Eckball zurück. Erst klärte Everton in höchster Not, doch die anschließende Flanke von Son auf den langen Pfosten konnte niemand aus dem Strafraum schlagen und der eingewechselte Harry Kane köpfte aus kurzer Distanz zum 4:4-Ausgleich ins Tor (83.) - Verlängerung.
Es ging somit in die Verlängerung. Und in jener war Everton zunächst wieder die bessere Mannschaft, auch wenn Kane nach einem Lamela-Pass die erste gute Gelegenheit hatte. Der Torjäger rutschte im Strafraum im letzten Moment jedoch weg (95.).
Kurz danach verlor Harry Winks in der eigenen Hälfte den Ball, Sigurdsson chippte den Ball traumhaft in den Strafraum und der eingewechselte Bernard schoss den Ball wuchtig ins lange Eck zum 5:4 für die Toffees (97.). Dieses Mal konnte Tottenham nicht mehr antworten und Everton zog in das FA-Cup-Viertelfinale ein.

Die Stimmen:

José Mourinho (Trainer Tottenham Hotspur): "Ich habe es genossen und ich habe es nicht genossen. Ich habe das Spiel genossen, wenn wir den Ball hatten. Wenn wir den Ball hatten, haben wir Dynamik und Bewegung kreiert, Tore geschossen, Chancen herausgespielt. Aber Angriffsfußball gewinnt nur Spiele, wenn man nicht mehr Abwehrfehler macht, als man Tore schießt. Es schmerzt jeden aus dem Team, weil das Gefühl ist, dass wir mit dem Ball gut gespielt haben."
Duncan Ferguson (FC Everton): "Es war ein fantastisches Spiel. Offensichtlich hatten beide Abwehrreihen Probleme. Tottenham war stark bei Eckbällen, aber wir haben viele gute Sachen gezeigt. Im Angriff wurden viele gute Leistungen gebracht."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Mourinho hat ein Problem mit der Defensive

Auch wenn man nach vier geschossenen Toren in einem Auswärtsspiel nicht von einer rundum katastrophalen Leistung sprechen kann: Es ist auffällig, dass Tottenham derzeit nicht die defensive Stabilität hat, die man von Mourinho-Mannschaften gewöhnt ist. Nach einem furiosen Saisonstart wirkt die Spurs-Defensive aktuell sehr anfällig. An den ersten beiden Gegentoren hatte der sonst so sichere Torwart Hugo Lloris großen Anteil, beim dritten Gegentor verursachte Pierre-Emile Höjbjerg äußerst ungeschickt einen Strafstoß und bei den letzten beiden Everton-Treffern wurde Gylfi Sigurdsson nicht entscheidend gestört. Fünf Gegentore gegen Everton sind nicht das Level, auf dem sich Tottenham eigentlich befindet.

Die Statistik: 9

Was für ein Pokal-Kampf, was für ein Offensivspektakel! Beide Mannschaften legten alles in dieses Spiel, spielten dynamisch nach vorne, fuhren temporeiche Konter und verwöhnten die Zuschauer mit neun Toren. Es war ein Spiel mit komplett offenen Karten, indem sich keine der beiden Mannschaften von Gegentoren beirren ließ, sondern weiter konsequent das Heil in der Offensive suchte. Everton kam nach einem sehr frühen Gegentor zurück, Tottenham nach drei Gegentreffern in sieben Minuten. Auch in der Verlängerung, als die Kräfte schwanden, erspielten sich beide Teams noch Offensivaktionen. Fußball-Herz, was willst du mehr?!
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