Renato Sanches' Bruchlandung beim FC Bayern München - kein Grund zur Panik
Renato Sanches kam im Sommer 2016 für rund 35 Millionen Euro als Supertalent zum FC Bayern. Zwölf Monate später gilt der erst 19-Jährige bereits als gescheitert, der Transfer von Corentin Tolisso sendet aus vereinsinternen Kreisen ein ähnliches Signal. Dabei ist die Entwicklung des Portugiesen alles andere besorgniserregend. Bei der U21 soll er nun zu alter Stärke finden.
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Es war ein Bild, das Bände sprach. Vor der Übergabe der Meisterschale durch DFL-Präsident Reinhard Rauball am letzten Bundesligaspieltag in der Allianz Arena warteten die Bayern-Spieler gut gelaunt auf der Treppe zwischen Kabinengang und Rasen.
Während die meisten Spieler scherzten und lachten, sich gegenseitig auf die Schlutern klopften und die ersten verdienten Schlücke aus der kühlen Bierflasche genossen, saß Renato Sanches teilnahmslos am rechten Rand der Spieleransammlung. Die Unterarme auf die Knie gestützt, den Blick stur geradeaus und ins Leere gerichtet. Deprimiert.
Sanches' harte Landung
Der Grund dafür wird schnell klar, schaut man sich die harte Landung des hochgejubelten Europameisters in München im Zeitraffer an.
Nein! Eher hart gelandet und dabei leichte Schäden davongetragen.
"Ehrlich gesagt war meine erste Saison hier nicht sonderlich gut, das muss man ganz klar so sagen", gibt sich der Portugiese selbstkritisch, um dann hinzuzufügen:
Neustart in Polen
Starten soll das neue Jahr unmittelbar nach dem Ende des vorangegangenen - bei der U21-EM in Polen. Während seine Europameister-Kollegen fast in Bestbesetzung beim Confed-Cup in Russland verweilen, muss Sanches mit den Junioren in Polen ran.
Die Degradierung von Nationaltrainer Fernando Santos könnte man ohne Weiteres als weiteren Nackenschlag und Rüge für eine schlechte Saison werten. Genauso gut ist sie jedoch auch eine klug gewählte Rehabilitierungs-Kur, die das Ziel verfolgt, einen jungen Spieler ein Stück weit aus der Schusslinie zu nehmen und zurück zu alter Stärke zu bringen.
U21-EM als Chance
Sanches hat die Chance, sich als einer der Führungsspieler im portugiesischen U21-Team zurück in Form zu spielen - abseits vom Medienrummel des gleichzeitig stattfindenden Wettbewerbs in Russland.
Er hat die Chance, topfit in die Vorbereitung der neuen Saison zu gehen und den Kampf mit Corentin Tolisso und Arturo Vidal um einen Platz auf der Sechs neu aufzunehmen. Trainingsstart an der Säbener Straße ist am 01. Juli, genau einen Tag nach dem Finale in Krakau. Sanches könnte also ein zweites Mal als Europameister in München aufschlagen.
Sollten die Bayern nicht mehr mit ihm planen, kann er das Turnier nutzen, um sich bei anderen Vereinen wieder ins Rampenlicht zu spielen. Und das dürfte ob seines Alters und der bereits gezeigten Qualitäten, die vor einem Jahr auch den FC Bayern dazu verleiteten, 35 Millionen Euro zu investieren, kein Ding der Unmöglichkeit sein.
Kein Grund zur Panik
Ganz klar, Sanches ist den hohen Erwartungen von Verein, Medien und Fans nicht gerecht geworden, von Scheitern im eigentlichen Sinne kann und darf aber keine Rede sein. Sanches ist nach wie vor erst 19, ein Teenager, der es früher oder später irgendwo schaffen wird. Dafür hat er zu viel Talent.
In Zeiten der Kylian Mbappes, Ousmane Dembélés oder Gianluigi Donnarummas ist es logischerweise schwer zu begreifen, aber:
Dass ein 19 Jahre alter Spieler es nicht schafft, sich in der ersten Saison bei einem der größten Vereine der Welt einen Stammplatz zu erspielen und es auch noch versäumt, die scheidende Weltklasse eines Xabi Alonsos im Vorbeigehen vergessen zu machen, ist im Grunde die normalste Sache der Welt.
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