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Ungleiches Trainer-Duell
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Publiziert 27/05/2011 um 13:48 GMT+2 Uhr
Das Duell FC Barcelona gegen Manchester United ist auch das Duell zwischen Barca-Trainer Josep Guardiola und United-Coach Sir Alex Ferguson. Zwei der besten ihres Faches, zwei die unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei die aber eines eint: Erfolge pflastern ihren Weg.
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Fotocredit: Eurosport
Auf der Bank der "Red Devils" sitzt ein oft grimmig schauender, Kaugummi kauender, leicht kauziger und extrem impulsiver 69-Jähriger, der United zu dem gemacht hat, was es heute ist. Ein Verein mit Weltruhm. Elf englische Meisterschaften gehen auf sein Konto, insgesamt hat er mit dem Verein 35 Titel geholt und damit das Versprechen vom Beginn seiner Amtszeit eingelöst. Am 6. November 1986 hatte Alex Ferguson, der damals noch weit vom Ritterschlag entfernt war, den Journalisten einen kurzen Satz diktiert: "Ich bin gekommen, um zu gewinnen."
Seit fast 25 Jahren prägt er den Klub aus dem englischen Nordwesten, er kauft und verkauft Spieler, er gibt seinem Team ein System und damit eine Identität und er steht immer im Wind, immer in vorderster Front. Ohne ihn geht bei United nichts. Die Engländer sind so tief mit "Fergie" verbunden, dass man sich ein United ohne ihn kaum noch vorstellen kann.
Sein Stellenwert ist inzwischen mit dem von Sir Matt Busby gleichzusetzen, der United von 1945 bis 1969 trainierte und 1968 zum ersten Erfolg im Europapokal der Landesmeister führte. Der Glasgower, der sich gerne mit den Unparteiischen anlegt und Journalisten für das größte Übel des Fußballs hält, ist, auch wenn man mit diesem Begriff vorsichtig sein sollte, eine lebende Legende.
Von Barca geprägt
So weit ist sein 40-jähriger Gegenpart auf Seiten der Katalanen noch lange nicht, trainiert er die "Blaugrana" doch erst seit 2008. Und auch sonst hat Josep Guardiola wenig mit Ferguson gemein. Der Mann aus dem katalanischen Hinterland tritt meist diplomatisch auf, ist eloquent, weltoffen und könnte sich in seinen maßgeschneiderten Anzügen jederzeit auf einer "best-dressed"-Liste der "Vogue" oder "Cosmopolitan" wiederfinden.
Der größte Unterschied zwischen den beiden Top-Trainern kann aber in einem Satz formuliert werden: Ferguson prägt einen Verein, Guardiola wurde von einem Verein geprägt. Als 13-Jähriger wechselte er zum FC Barcelona, durchlief die weltbekannte Jugendschule "La Masia" und spielte anschließend elf Jahre für die Katalanen.
2001 endete seine Karriere als Spieler bei Barca nach 17 Jahren, 2007 kehrte er zurück und übernahm die zweite Mannschaft als Trainer. Nur ein Jahr später, nach der Entlassung von Frank Rijkard, wurde der damals erst 37-Jährige zum Coach das katalanischen Nationalstolzes ernannt, obwohl er keinerlei Erfahrung auf diesem Niveau hatte.
Fürsprecher "König Johan"
Aber "Pep" hatte einen prominenten Fürsprecher: Johan Cruyff. Das Wort des Niederländers hat bei Barca seit Beginn der 90er Jahre großes Gewicht. Damals holte er mit dem Dreamteam den ersten Europapokal der Landesmeister. Sein Stratege im Mittelfeld? Der junge Josep Guardiola. Kein Spieler verstand das 4-3-3, das Barcelona in abgewandelter Form seit Urzeiten von den Jugendmannschaften bis zur ersten Mannschaft zelebriert, besser.
Guardiola war darin groß geworden, hatte es aufgesaugt wie ein Schwamm. Deshalb ist er auf der Barca-Bank der richtige Mann auf dem richtigen Platz. Neben dem Rasen hat er weit weniger Verantwortung als sein Gegenüber. Guardiola muss "nur" dafür sorgen, dass das "Tiki-Taka", die unablässige Ballzirkulation im Mittelfeld der Katalanen, funktioniert. Ferguson übernimmt auch das Scouting, holt junge Spieler und formt sie zu Weltstars.
Jeder hat seinen Platz
Guardiola hat es da einfacher. In Barcelona werden entweder fertige Spieler gekauft, oder aus der Jugendabteilung rücken technisch versierte Talente nach, die seit Jahren im "System Barcelona" spielen. Deshalb wird immer wieder bezweifelt, ob er auch in der Fremde, außerhalb des warmen Nestes, Erfolg haben kann. Guardiola bekommt die perfekten Spieler für das taktische System der "Blaugrana", er kennt kein anderes, seine Profis wollen kein anderes spielen.
Ferguson hingegen ist flexibler. In fast 25 Jahren Manchester United hat er viele Systeme spielen lassen und viele Spieler kommen und gehen sehen. Er wusste ihre Stärken immer zu nutzen. Eines blieb aber bei allen Änderungen gleich. "Fergie" liebt das Positionsspiel. Jeder hält seinen Platz, einzig den Über-Spielern Cristiano Ronaldo oder Eric Cantona gewährte er Freiheiten. Systeme werden durchgezogen, Abläufe sind internalisiert.
Ganz anders das Bild bei Barca. Die einzige Konstante im Offensivspiel sind die Außen - sie kleben an der Linie. Alle anderen Spieler, egal ob Xavi, Andres Iniesta, Lionel Messi oder David Villa wirbeln, tauschen die Positionen, lassen sich fallen und sind deshalb niemals greifbar.
Auch deshalb wird das Finale in Wembley interessant. Zwei Systeme, zwei Fußball-Schulen prallen aufeinander. Die eine hat Ferguson einem Verein übergestülpt, die andere wird vom Verein übergestülpt. Guardiola gibt seinen Spielern Raum und erlaubt ihnen zumindest in der Offensive zu tun, was sie sowieso tun möchten - Ferguson sagt seinen Spielern, was zu tun ist und liegt ihnen in den Ohren, wenn ihm die Ausführung nicht passt.
Sollten die Spanier gewinnen, schließt Guardiola in einer Kategorie zu Ferguson auf – er kann dann auch zwei Champions-League-Titel sein Eigen nennen. Bei allem anderen hat er einen weiten Weg vor sich.
TV-Tipp:
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