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Elber im Interview
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Publiziert 16/09/2010 um 17:37 GMT+2 Uhr
Letzte Saison schrammten die Bayern nur haarscharf am Triple vorbei. Der ehemalige Bayernstürmer Giovane Elber erklärt, auf was es für die Münchner in dieser Saison ankommt. Außerdem spricht der Brasilianer über den nächsten Karriereschritt für Müller und bricht eine Lanze für Klose.
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Der FC Bayern ist mit einem 2:0-Heimsieg gegen den AS Rom in die Champions League gestartet. Wie beurteilen Sie die Leistung der Münchner?
Giovane Elber: Die Leistung war super, muss ich sagen. Klar, diejenigen, die keine Ahnung vom Fußball haben, können sagen "das war langweilig, Bayern hat nur hin- und hergespielt." Okay, das stimmt, aber das ist normal gegen so eine Mannschaft aus Italien wie AS Rom, die nur hinten drin steht. Da muss man Geduld haben, und die hatten die Bayern. Und zum Schluss haben sie verdient gewonnen.
Sind Sie immer noch der Meinung, dass die Münchner in diesem Jahr nicht das Finale der "Königsklasse" erreichen?
Elber: Es ist einfach sehr schwer das Champions-League-Finale zu erreichen. Deshalb hat auch Louis van Gaal letzte Saison gesagt, dass, wenn man das Finale erreicht, man mit allen Mitteln versuchen muss zu gewinnen. Man weiß nie, wann man das nächste Mal die Chance bekommt in einem Finale zu stehen. Da muss schon alles passen, man muss Glück haben, man muss guten Fußball spielen und dann kann man es vielleicht wieder ins Finale schaffen. Aber diese Saison wird es schwer für Bayern wieder ins Finale zu kommen.
Thomas Müller hat seine Kritiker mit einem Traumtor verstummen lassen. War's das mit dem Zwischentief des Shooting-Stars der vergangenen Saison?
Elber: Der Junge ist weltklasse. Was er bei der Weltmeisterschaft gezeigt hat und auch schon letzte Saison, das ist Wahnsinn. Und dann ist es normal, dass es zu Beginn der Saison ein bisschen hakt. Er hat die Vorbereitung nicht richtig gemacht und dann braucht man Zeit, um wieder anzuknüpfen an seine besten Zeiten. Für ihn geht es jetzt darum, die Leistung aus der vergangenen Saison zu bestätigen. Wenn er das schafft, ist er ein ganz Großer.
Miroslav Klose hat man im Bayern-Trikot selten so engagiert und hungrig gesehen. Ist der Nationalstürmer auf dem Weg zur Topform, die ihn einst in der Saison 2005/2006 zum Bundesliga-Torschützenkönig machte?
Elber: Ich habe immer an Klose geglaubt, denn er ist ein sehr guter Spieler. Er hatte in letzter Zeit Probleme mit Bayerns System. Spieler wie Franck Ribéry und Arjen Robben ziehen selbst zum Tor. Klose ist ein Spieler, der von Flanken und von Pässen in die Tiefe lebt. Und wenn er die Pässe bekommt, dann macht er die Tore.
Hamit Altintop und Toni Kroos zeigten ebenfalls eine gute Leistung. Macht es sich nun bezahlt, dass der Bayern-Kader so breit aufgestellt ist?
Elber: Das ist eine große Leistung des Trainers, weil er jungen Spielern wie Toni Kroos, Thomas Müller, Holger Badstuber und Diego Contento die Chance gegeben hat. Das zahlt sich jetzt aus, die Leistung stimmt, die Mannschaft ist stark wie letzte Saison, es gab keine großen Veränderungen. Es gab keine Neueinkäufe, aber in der Mannschaft stimmt es. Ich hoffe, dass Robben wieder fit wird und dann ist diese Mannschaft fast unschlagbar. In der Meisterschaft und im DFB-Pokal ist Bayern ganz vorne dabei und in der Champions League kann man mit etwas Glück vielleicht wieder das Finale erreichen.
Im Vorfeld der Partie wurde viel darüber diskutiert, dass in der Offensive mit Arjen Robben das Herzstück fehlt. Aber die Mannschaft kann offensichtlich sogar ohne Robben und auch ohne Franck Ribéry?
Elber: Für die Mannschaft war es gut zu sehen, dass sie es auch ohne Robben können. Sie kann auch so Tore machen. Es ist aber auch klar, dass die Bayern mit Ribéry und Robben deutlich stärker sind, denn die beiden sind zwei herausragende Spieler, auch auf europäischer Ebene.
Nach der Kür in der Champions League folgt nun die Pflicht in der Liga gegen den 1. FC Köln. Wie hält man die Spannung aufrecht?
Elber: Das ist in der Tat sehr gefährlich jetzt. Sie müssen den Schalter wieder umlegen. Die Spieler müssen sich jetzt wieder auf die tägliche Arbeit konzentrieren. Ich erinnere mich, dass wir mal in Madrid Champions League gespielt haben und dann drei Tage später gegen Köln verloren haben. Die Mannschaft muss sich konzentrieren, denn das wird ein schwieriges Spiel. Die Kölner werden versuchen die Bayern zu schlagen, aber wenn die Bayern konzentriert sind, und sie spielen ja zudem noch zuhause, wird Köln keine Chance haben.
Sie sind derzeit als Botschafter für die UEFA unterwegs, nachdem Sie bei der WM als Eurosport-Experte tätig waren. Warum wurde Ihr Engagement beim FC Bayern beendet?
Elber: Weil die Mannschaft steht. Die Bayern schauen schon noch weiter auf dem brasilianischen und südamerikanischen Markt. Aber es ist nicht mehr so wie vor zwei oder drei Jahren. Die Bayern haben gesagt, Giovane, wir gehen es jetzt etwas langsamer an mit den südamerikanischen Spielern. Ich kann das verstehen, denn sie haben einen guten Kader. Aber klar ist auch, dass wenn irgendein guter Brasilianer hoch kommt, dann werde ich Uli Hoeneß oder Wolfgang Dremmler anrufen und Bescheid geben. Ob die Bayern dann zuschlagen, ist eine andere Sache.
Bedeutet das, dass man in Sachen Südamerikaner etwas vorsichtiger geworden ist, nachdem es mit José Ernesto Sosa nicht funktioniert hat und nachdem mit Martin Demichelis auch einer da ist, der schnell mal unzufrieden ist?
Elber: Ja, das stimmt. Den südamerikanischen Spielern muss man Zeit geben. Die Bayern haben mir gesagt, dass es vielleicht besser ist, wenn diese Spieler erst einmal woanders spielen und dann zum FC Bayern kommen. Denn direkt zum FC Bayern zu wechseln, da haben sich die Südamerikaner immer schwer getan. Roqué Santa Cruz hat es schwer gehabt, Demichelis hatte in den ersten beiden Spielzeiten Probleme und ist erst dann zum Stammspieler geworden. Breno wird noch kommen, er ist ein guter Spieler, aber leider derzeit verletzt.
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