Spanien schaltet gegen Kroatien hoch: Einfach nur ungläubiges Staunen

Spanien zerlegt Kroatien in der Nations League nach allen Regeln der Kunst und siegt 6:0 (3:0). Trainer Luis Enrique ist der Vater des überraschenden Erfolgs, sieht die Wende nach dem frühen WM-Aus aber noch nicht vollzogen. Sein Team dagegen zeigt alles, was es braucht: einen frischen Ansatz, neue Spieler und neue Ideen. Beim verprügelten WM-Finalisten herrscht dagegen blankes Entsetzen.

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Nach Abpfiff war da kein Orkan, kein frenetischer Sound, keine Begeisterungsstürme. Klar, es war laut in Elche, die Leute klatschten Beifall.
Aber da war vor allem ungläubiges Staunen, auf der Tribüne wie auf dem Rasen, wo sich Spieler abklatschten, Sieger wie Besiegte, und Trikots tauschten.
Sechsnull. Etwas Historisches hatte sich in Elche zugetragen.

Entsetzen bei Kroatien

Auf der einen Seite: der perfekte Neustart. Nach dem schmachvollen Achtelfinal-Aus bei der WM gegen Gastgeber Russland (4:5 n.E.) kam das neu formierte Spanien in der Nations League furios aus den Startlöchern, siegte erst 2:1 in Wembley bei WM-Halbfinalist England, nun 6:0 (3:0) gegen WM-Finalist Kroatien.
Auf der anderen Seite: das blanke Entsetzen, ein historisches Debakel just nach dem größten Erfolg der Verbandsgeschichte. Die zuvor höchste Niederlage seit Kroatiens Unabhängigkeit vom ehemaligen Jugoslawien war 2009 eine 1:5-Pleite in England gewesen. Nun 0:6. In Spanien. Chancenlos.
"Es ist nicht zu akzeptieren, dass wir die Reputation, die wir uns hart erarbeitet haben, so einfach wegwerfen", sagteLuka Modric, frisch gebackener UEFA-Fußballer des Jahres, nach der Partie entsetzt.
"Es war wie im Traum", sagte dagegen Saúl Ñíguez.

Marco Asensio dreht auf

Da war vor allem: die pure Effizienz. 16-mal schoss Spanien, davon sieben Mal aufs Tor - sechsmal klingelte es. Nach einer guten Anfangsphase der Kroaten eröffnete Heimkehrer Saúl - der Mann aus Elche hat seine Herkunft als Tattoo auf seinem rechten Bizeps verewigt - mit einem wuchtigen Kopfball (24.).
Marco Asensio legte nach: erst mit einem wuchtigen Linksschuss ins rechte Eck (33.), kurz darauf mit einem nicht minder sehenswerten Kracher an die Latte, der vom Rücken des zu bemitleidenden Keepers Lovre Kalinic ins Tor klatsche (35.) - das Spiel war schon vor der Pause entschieden.
"Wir haben ein großes Spiel gemacht", sagte Asensio zufrieden. "Die Zuschauer in Elche haben uns geholfen und es ist schön, so zu spielen." Und weil Asensio schon mal dabei war, legte er in der zweiten Halbzeit noch drei Treffer auf: einen für Rodrigo (49.), einen für Sergio Ramos (57.), einen für Isco (70.).

Luis Enrique zeigt sofort seine Handschrift

Vater des zurückgekehrten Erfolgs: Luis Enrique. Der ehemalige Spieler und Trainer des FC Barcelona überraschte Fans wie Medien, in dem er gleich sechs Spieler von Real Madrid (Carvajal, Nacho, Ramos, Ceballos, Asensio, Isco) fürs Kroatien-Spiel aufstellte - so viel "Realtreue" hatte zuletzt ein gewisser Iñaki Sáez im Oktober 2002 als Spanien-Coach an den Tag gelegt.
Ohne die zurückgetretenen Andrés Iniesta, Gerard Piqué und David Silva sowie den überraschend nicht nominierten Jordi Alba merkte man spürbar den neuen Geist im Team, frische Motivation, Aufbruch.
"Was mir am meisten gefallen hat, war die Einstellung meiner Spieler. Das Ergebnis war sicher spektakulär, aber in erster Linie geht es um die Einstellung", sagte Enrique. Und:

Kroatien fällt nach Vrsaljkos Verletzung auseinander

Enriques Worte, sein Esprit, das alles schlug sich bereits im Team nieder. "Wir haben ein neues Trainerteam, dass uns seine Philosophie bereits eingebläut hat", sagte Asensio, der zuvor noch nie für Spanien getroffen hatte, nun aber zu den großen Hoffnungsträgern der neuen Ära gehört.
Mit Ceballos und Isco sezierte Asensio die kroatische Abwehr fast nach Belieben. Zur Wahrheit des etwas zu hoch ausgefallenen Sieges gehörte aber auch, dass Kroatien durch die Knieverletzung von Rechtsverteidiger Sime Vrsaljko (20.) früh geschwächt wurde.
"Wir haben gut angefangen, sind dann aber total auseinandergefallen", meinte Modric:
Von Kroatien kaum mehr aggressiv angegangen, konnte sich Spanien den Ball nach Belieben zupassen (94 Prozent erfolgreiche Passquote, 71 Prozent Ballbesitz), aber auch immer das Tempo verschärfen und in die Tiefe spielen, weil die Gäste zu nachlässig verteidigten und permanent Räume offenbarten.

Sprechchöre für Enrique

Gegen Ende gab es sogar Sprechchöre für Enrique. "Das ist mir ein bisschen peinlich", gab der Trainer zu, "das habe ich nicht erwartet. Ich freue mich, aber eigentlich sind die Spieler die Protagonisten und ich ziehe es vor, dass man sie anfeuert."
Die große Wende nach dem WM-Blackout wollte Enrique indes noch nicht gesehen haben. "WM-Vergleiche anzustellen, macht keinen Sinn", sagte der 48-Jährige, den Ball bewusst flachhaltend:
Noch mehr ungläubiges Staunen über dieses neue Team nehmen sie in Spanien aber bestimmt gerne.
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