Es war die Szene des Spiels an diesem Abend in der Leipziger Red Bull Arena. In der 33. Minute pflückte ein an Grazie nicht zu überbietender Leon Goretzka einen Chip-Pass von Robin Koch per Scherenschlag im Strafraum der Ukrainer aus der Luft und bediente postwendend den eingelaufenen Timo Werner am Fünfmeterraum, der nur noch den Kopf hinhalten musste.
"Mein Tor war dann sehr einfach. Wie er den Ball verarbeitet und in die Mitte bringt, das war schon sehr, sehr stark", bedankte sich der Torschütze im "ZDF"-Interview nach der Partie artig.
Es war nicht der erste Assist an diesem Abend für Goretzka, der mit einer mehr als ansehnlichen Vorstellung seinen Anspruch auf einen der begehrten Plätze in der Zentrale untermauern konnte.
UEFA Nations League
Löw lobt Götze: "Hat Leichtigkeit und Spielfreude wieder"
14/11/2020 AM 22:50
"Das war ein super Spiel von Leon, er war ein extremer Aktivposten von uns und hat viele Wege gemacht", meinte Bundestrainer Joachim Löw.

1. Goretzka kann dank Löws Kniff glänzen

Dass der Mittelfeld-Motor seine Stärken gegen die Ukraine so gut zur Geltung bringen konnte, lag auch an Löw, der in der Defensive nach langer Zeit wieder von Dreier- auf Viererkette umstellte und Goretzka mit Robin Koch auf der Sechs eine weitere defensive Absicherung neben Ilkay Gündogan zur Seite stellte.
Koch spielt bei Leeds United aktuell zwar Innenverteidiger, in seiner Zeit beim SC Freiburg war der 24-Jährige aber schon häufiger vor der Abwehr aufgelaufen. Das merkte man: Koch machte seine Sache bis auf einen Fehler vor dem 0:1 (12.) solide, überzeugte vor allem als Ballverteiler – und ermöglichte es Goretzka (fünf Torschüsse), sich immer wieder gefährlich in die Offensive einzuschalten.
So auch in der 23. Minute, als der 25-Jährige seinen Bayern-Teamkollege Leroy Sané mit einem punktgenauen Pass in die Schnittstelle fand und das zwischenzeitliche 1:1 einleitete.
Löw versicherte zwar, dass der gesperrte Toni Kroos am Dienstag gegen Spanien in die erste Elf zurückkehren wird, an einem Goretzka in dieser Form führt aktuell jedoch kein Weg vorbei.

2. Die Mopeds kehren zurück – und stottern nur wenig

"Das sind schon kleine Mopeds da vorne." Mit diesem Satz beschrieb Niklas Süle im November 2018 die pfeilschnelle Offensiv-Abteilung um Sané, Werner und Serge Gnabry vielleicht passender als jeder andere vor ihm.
Schade nur, dass das Trio in den folgenden zwei Jahren nur noch einmal in dieser Konstellation von Beginn an für die deutsche Nationalmannschaft zusammenspielte. Verletzungen rissen die beiden Bayern-Außen und den Chelsea-Stürmer auseinander, allen voran Sanés Kreuzbandriss 2019.
Umso mehr freute sich Löw, dass er die drei Mopeds gegen die Ukraine endlich wieder gemeinsam aufs Feld schicken konnte.
"Wir haben mit den Dreien vorne viel Tempo und viel Gefahr ins Spiel gebracht, die haben den Gegner ständig beschäftigt", lobte der Bundestrainer seine Offensivabteilung im Anschluss, die gleich für alle drei Tore verantwortlich zeichnete. Werner besorgte in der 64. Minute mit seinem zweiten Treffer den 3:1-Endstand.
Zwar stotterte der Motor im Zusammenspiel in der ein oder anderen Szene noch etwas, besonders Gnabry tat sich trotz großer Energieleistung schwer und blieb glücklos. Doch insgesamt machte der Auftritt Hoffnung – besonders im Hinblick auf die EURO.

Timo Werner (l.) feiert mit Serge Gnabry und Matthias Ginter

Fotocredit: Getty Images

3. Abwehr bleibt das Sorgenkind

Ja, auf die DFB-Abwehr war im Vorfeld schon genug eingedroschen worden und ja, gegen die Gäste aus der Ukraine war im Gegensatz zu den beiden Auftritten im Oktober gegen die Schweiz und die Türkei eine Verbesserung zu erkennen.
Dennoch bleibt die Defensive weiter Löws Sorgenkind. Sowohl beim frühen Gegentreffer, als Koch und Philipp Max Stürmer Roman Yaremchuk nur halbherzig störten, als auch in der zweiten Hälfte präsentierte sich die Viererkette ein ums andere Mal zu schläfrig.
Matthias Ginter hatte als Rechtsverteidiger einen schweren Stand, schaltete sich nur selten mit nach vorne ein. Wenn er es mal tat, hatte er im Umschaltspiel Probleme. Auch der offensiv starke Max offenbarte in der Rückwärtsbewegung noch Schwächen. Abwehrchef Süle sorgte zwar für Stabilität, ein Bollwerk mit Nebenmann Antonio Rüdiger sieht aber anders aus.
Ohne Einschränkungen verlassen konnte sich Manuel Neuer am Samstagabend nur aufs Aluminium. Das bewahrte die DFB-Elf in Halbzeit zwei gleich dreimal vor Schlimmerem (52./75./82.).
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