Aus Basel berichtet Patrick Strasser

Fußball
Comeback-Tor nach 18 Jahren: Robben knipst erstmals wieder für Groningen
06/09/2020 AM 16:24

Die Nationalelf logierte bei ihrer ersten Auswärtsreise 2020 in einem Hotel an der Messe Basel – völlig abgeschirmt. Logisch in Zeiten von Corona. Keine Zeit für Kunst in der Stadt am Rhein, der Kulturhauptstadt der Schweiz.

Das 1:1 im zweiten Gruppenspiel der Nations League vor der Geisterkulisse im "St. Jakob-Park", der Arena des FC Basel, war aus Sicht des DFB-Teams künstlerisch ganz und gar nicht wertvoll. Zum Teil zeigten die Spieler von Bundestrainer Joachim Löw biedere Hausmannskost, es reichte nur zu einem Punkt bei den Eidgenossen. Wie drei Tage zuvor in Stuttgart gegen Spanien verspielte man wieder eine Führung. Diesmal allerdings nicht in allerletzte Sekunde durch einen unglücklichen Treffer, sondern man schlitterte sehenden Auges beinahe sogar in eine Niederlage.

Am Ende hatte die deutsche Mannschaft eher Glück, nicht noch verloren zu haben. "Das Spiel kann man eigentlich 2:0 oder 3:0 gewinnen. Wir hätten es eiskalt durchspielen müssen", schimpfte Ilkay Gündogan, der Torschütze zum 1:0. Sah auch Löw so: "Wenn man dann das 2:0, das mehr Sicherheit gegeben hätte, nicht macht, lässt man den Gegner wieder ins Spiel. Wir hatten zwei, drei große Möglichkeiten in der ersten Hälfte, wenn wir die machen, bin ich sicher, kommt die Schweiz nicht mehr zurück." Nur Fahrlässigkeit? Sorglosigkeit? "Ich weiß nicht, ob es Qualitätsfrage ist, aber daran müssen wir arbeiten", meinte Gündogan wütend. Damit hatte der Profi von Manchester City eine Debatte um die Qualität dieser Mannschaft angestoßen.

Länderspiele bringen wichtige Erkenntnis

"Die Ergebnisse in der Nations League sind nicht das allerwichtigste für mich", hatte Löw gesagt und damit den Spielern beim Länderspiel-Doppelpack, dem wegen der Corona-Pandemie verspäteten Auftakt ins Länderspieljahr, ein Alibi gegeben. Neben der noch fehlenden Physis aufgrund des unterschiedlichen Vorbereitungstands der einzelnen Profis dürfte dies dazu beigetragen haben, dass neben der mangelnden Durchschlagskraft des offensiven Dreigestirns um Timo Werner, Julian Draxler und Leroy Sané (wie auch dessen Ersatz Julian Brandt in der zweiten Hälfte) Feuer und Tempo im Spiel fehlten. Und Lautstärke.

Denn der für diesen beiden September-Länderspiele neu zusammengestellten Mannschaft fehlten Lautsprecher, Antreiber. Kapitän Toni Kroos, technisch der beste Fußballer des Landes, diesmal Aushilfskapitän, ist nicht der exzentrische Charakter. Es war schlicht zu ruhig, zu leise auf dem Platz. Was Löw erkannte. "Manche sind etwas zurückhaltend, da können wir uns verbessern", sagte der Bundestrainer, "es ist eine Sache der Reife, sich gegenseitig zu coachen gibt Energie, ist eine große Hilfestellung." Löw habe das bereits in der vergangenen Woche im Mannschaftskreis thematisiert.

Unterm Strich waren die beiden Länderspiele ein Rückschritt, bringen aber eine wichtige Erkenntnis: Vor allem Kapitän Neuer und Kimmich, der Kapitän der Zukunft fehlen. Zwei impulsive, lautstarke Spieler. Dann ist Schluss mit leise. "Das wird besser im Oktober, dann wird’s wieder lauter", versprach Löw und sagte kämpferisch: "Ansätze waren gute da, aber im Oktober, wenn wir wieder mit voller Kapelle auftreten können, werden wir wieder richtig angreifen."

Gündogan: "Ich bin etwas angepisst"

In vier Wochen schon geht’s für die Nationalelf mit einem (von Löw wenig geschätzten) Länderspiel-Dreierpack weiter. Erst testet man in Köln gegen die Türkei (7.10.), dann folgen zwei Nations-League-Partien: in der Ukraine (10.10.) und gegen die Schweiz (13.10.). Zwei Chancen, um den "Fluch" in diesem von Löw nicht ganz so ernst genommenen Wettbewerb zu beenden: Sechs Spiele, kein Sieg. 2018 hatte es gegen Frankreich und die Niederlande je ein Heim-Remis und je eine Auswärtspleite gegeben.

Natürlich vermisste man gegen Spanien und die Schweiz den Bayern-Block um Kapitän Manuel Neuer sowie Joshua Kimmich, Serge Gnabry und Leon Goretzka. Die Champions-League-Helden aus München steigen erst diese Woche nach einem zweiwöchigen Urlaub wieder ins Training ein. Mit dem Quartett fehlt ein wichtiges Gerüst, das nicht nur für Qualität, sondern auch für Führungsstärke (vor allem Torhüter Neuer und Sechser Kimmich) und lautstarkes Auftreten auf dem Platz steht. Kroos beklagte eher die fachlichen Versäumnisse: "Das Spiel war leider ähnlich wie gegen Spanien. Wenn der Gegner hoch anläuft, haben wir keine Lösungen gefunden. Vorne haben wir viel zu viele Ballverluste gehabt. Wenn sechs Punkte zu verteilen sind und man nur zwei holt, dann ist das enttäuschend."

Gündogan wurde am "ZDF"-Mikrofon deutlicher, weil emotionaler: "Ich bin etwas angepisst. Wir haben Bälle verloren, die wir ganz leicht festmachen können. Beim Gegentor haben wir den Ball schon gesichert und spielen ohne Bedrängnis einen Fehlpass. Sowas darf auf dem Niveau nicht passieren. Das ist ärgerlich und geht mir auf den Sack." Gut gebrüllt. Ilkay! Gut so! Nur eben erst nach dem Spiel.

Das könnte Dich auch interessieren: Nations League: Deutschland nur Remis gegen Schweiz

Süle: "Mannschaft bei EM bereit, um den Titel mitzuspielen"

La Liga
Der Streik ist vorbei: Messi bleibt - und mit ihm die Fragen
06/09/2020 AM 11:45
UEFA Nations League
Matthäus kritisiert Gündogan: "ein No-Go"
08/09/2020 AM 13:15