Wie schon am Wochenende gegen die Schweiz ging das Team von Luis Enrique extrem früh ins Pressing und machte den Deutschen von Beginn an das Leben schwer. Ballverluste der passsicheren Spanier waren rar und selbst wenn die "Furia Roja" mal einen Fehler machte, verlor das Team von Joachim Löw das Spielgerät viel zu schnell wieder. Spanien kombinierte ruhig und kontrolliert wie zu besten Zeiten.
Bereits nach zehn Minuten hätte es Elfmeter für die Hausherren geben müssen. Nach einer Ecke wollte Ilkay Gündogan den Ball aus der Gefahrenzone schlagen, traf stattdessen aber Leipzigs Dani Olmo im Sechzehner. Schiedsrichter Andreas Ekberg schätzte die Situation jedoch falsch ein und entschied nur auf Freistoß. Den Videobeweis gibt es in der Gruppenphase nicht. Rekord-Nationalspieler Sergio Ramos nagelte den Ball aufs untere linke Toreck, Neuer tauchte ab und konnte den Versuch abwehren (10.).
Gute zwölf Minuten später war Neuer dann aber machtlos: Der eingewechselte Fabian, er war für verletzten Sergio Canales gekommen, zirkelte eine Ecke von rechts punktgenau an den zweiten Pfosten, wo der einlaufende Alvaro Morata relativ unbedrängt zur Führung einköpfen konnte. Lediglich Serge Gnabry war in der Nähe, die Zuteilung hatte nicht gestimmt.
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25/07/2021 AM 13:24
Spanien hatte weiter Spaß am Offensivspiel. Nachdem erst Ferran Torres aus spitzem Winkel das Tor knapp verfehlte (20.) und dann Alvaro Morata nach Zuspiel von Torres aus Abseitsposition genetzt hatte (24.), war es wieder Torres, der in der 30. Minute erneut an Neuer scheiterte.
Drei Minuten nach dieser Glanztat musste Neuer das Spielgerät dann aber bereits ein zweites Mal aus dem Netz fischen. Olmo hatte eine Koke-Flanke an den Querbalken geköpft, von wo das Leder Ferran Torres vor die Füße sprang. Der beste Spieler des ersten Durchgangs krönte seine Leistung mit einem wuchtigen Volleyschuss aus zehn Metern zum 2:0 (33.).
Dabei sollte es jedoch nicht bleiben. Fünf Minuten nach dem Torres-Treffer nickte Rodri einen Eckball von Koke sehenswert ins rechte Toreck – 3:0 (33.). Die Deutschen brauchten nun schon drei Tore, um sich noch den Gruppensieg zu sichern. Angesichts der unterirdischen Leistung glich dies bereits nach einer halben Stunde einem aussichtslosen Unterfangen.
Kurz vor dem Halbzeitpfiff musste Spaniens Rekord-Spieler und Kapitän Sergio Ramos mit Verdacht auf Muskelfaserriss den Platz verlassen – beim Stande von 3:0 zu verkraften für die Spanier. Kurz darauf erlöste Andreas Ekberg die Deutschen mit dem Pausenpfiff.
Allerdings änderte sich auch nach dem Seitenwechsel nichts. Spanien kombinierte, dominierte und erspielte sich Chancen. Neuer wehrte Olmos Flachschuss noch mit dem Fuß ab (47.), ehe er gegen Torres acht Minuten später erneut chancenlos war. Der City-Akteur hatte nach Querpass von Jose Gaya nur noch einschieben müssen (55.).
Der Torhunger des 20-Jährigen war jedoch immer noch nicht gestillt, so krönte er mit seinem satten Flachschuss aus 20 Metern ins rechte untere Eck – nach erneuter Vorlage von Fabian – seine bislang beste Leistung für Spanien mit einem Dreierpack– 5:0 (72.).
Erst nach sage und schreibe 78. Minuten gab "Die Mannschaft" in Person von Gnabry den ersten echten Torschuss ab. Der war zwar sehenswert und landete aus 25 Metern am Querbalken, sollte an der desolaten Mannschaftsleistung aber natürlich nichts schönen.
Den Schlusspunkt setzten dennoch die Spanier. Der eingewechselte Mikel Oyarzabral markierte nach Zuspiel von Gaya den 6:0-Endstand (89.). Eine historische, aber auch in der Höhe verdiente Niederlage, die der deutschen Nationalmannschaft nicht nur den Gruppensieg und Einzug ins Finalturnier kostet, sondern auch den Druck auf Joachim Löw erhöhen sollte.

Die Stimmen:

Joachim Löw (Trainer Deutschland): "Nach dem 0:1 haben wir unser ganzes Konzept aufgegeben. Wir haben Räume aufgegeben und da hat man gesehen, wie Spanien die Räume ausnutzen kann. Das war tödlich. Wir haben vorher klar besprochen, was wir wollen und was wir nicht wollen. Wir sind hinter den Aktionen hergelaufen. Wir wollten in der zweiten Halbzeit früher anlaufen und die Spanier pressen. Aber sie waren schneller, spielstärker und dynamischer. Wir haben keinen Zugriff gefunden."
Toni Kroos (Deutschland): "Es ist zwar nicht die bitterste Niederlage meiner Karriere aber eine der deutlichsten. Defensiv haben wir überhaupt keinen Zugriff bekommen, wie das geht, haben uns die Spanier vorgemacht. Nach dem Rückstand sind wir dann zu unruhig geworden. In der zweiten Halbzeit wollten wir vorne drauf gehen, aber auch das hat nicht funktioniert. Spanien war in allen Belangen besser, egal ob mit oder ohne Ball. Wir müssen das Spiel mit Sicht auf die EM nun analysieren, wir haben noch einiges zu tun."
Manuel Neuer (Deutschland): "Das war eines der enttäuschendsten Spiele meiner Karriere. Wir haben heute die Partie zusammen vergeigt. Sowohl Körpersprache als auch Kommunikation waren nicht da. Wir hätten vor allem nach dem ersten Tor mehr sprechen müssen, da ist es ganz wichtig dass man sich gegenseitig unterstützt. Wir haben zwar noch Zeit bis zur EM, aber das heute war einfach bitter. Wir müssen alle Spiele ernst nehmen. Vielleicht kann uns auch ein Tiefschlag helfen."
Luis Enrique (Trainer Spanien): "Genau wie jeder unserer Fans, freue ich mich sehr über den Sieg. Allerdings ist es schade, dass hier in Sevilla – wo sich die Nationalmannschaft immer sehr wohl fühlt – bei diesem historischen Sieg leider keine Fans im Stadion sein durften und das Spiel von der Tribüne aus genießen konnten. Dieses Ergebnis ist natürlich großartig für uns und gibt den Spielern Selbstvertrauen."

Der Tweet zum Spiel:

Im Netz wird weiterhin die Rückkehr von Mats Hummels und Thomas Müller in die Nationalmannschaft gefordert.

Das fiel auf: Deutschland zerfällt, Torres überragend

Die Spanier spielten souverän und abgeklärt wie zu besten Zeiten. Deutschland bekam keinen Zugriff aufs Spiel und lief ständig dem Ball hinterher. Durch sinnvolle Seitenwechsel und Schnittstellenpässe rissen die Spanier immer wieder große Lücken in der deutschen Defensive. Besonders Ferran Torres von Manchester City überzeugte auf ganzer Linie und stellte nicht nur Nationalmannschafts-Frischling Philipp Max immer wieder vor unlösbare Probleme. Der rechte Flügelspieler markierte insgesamt drei sehenswerte Treffer, scheiterte zudem sogar noch an Neuer.

Die Statistik: 96

Der 96. Länderspiel-Einsatz von Manuel Neuer sollte nicht der einzige historische Wert an diesem Abend bleiben. Zwar brach Neuer damit dem Torwart-Rekord von Sepp Maier (95 Spiele), musste jedoch auch die höchste deutsche Niederlage seit 1931 (0:6 gegen Österreich) hautnah miterleben und sechs Mal hinter sich greifen.
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