Auf dem Parkplatz vor dem Borussia-Park belagerten die Fans ihre Idole, verlangten lautstark nach Selfies, Autogrammen oder gar Trikots.
Einige der DFB-Nationalspieler nahmen weit nach Mitternacht den Mannschaftsbus zurück ins Teamhotel Crowne Plaza in Neuss, andere wurden von Freunden oder Familienangehörigen im Privatauto abgeholt. Nur keine Zeit verlieren: Ab in den Urlaub!
Ein Gefühl wie am letzten Schultag vor den Sommerferien. Mit dem Unterschied, dass die deutsche Nationalelf noch eine letzte Prüfung zu bestehen hatte, "einen Stresstest" wie es Bundestrainer Hansi Flick nannte.
UEFA Nations League
"Eine der schlimmsten Niederlagen": Italienische Presse zerreißt Squadra Azzurra
14/06/2022 AM 22:54
Seine Schüler bestanden diesen mit Bravour, siegten schwungvoll und überzeugend mit 5:2 (2:0) gegen Europameister (und Nicht-WM-Teilnehmer) Italien und holte sich den ersten Erfolg in der diesjährigen Nations-League-Ausgabe.

Flick: "Wir gehen mit einem super Gefühl in die Pause"

Die Bayern-Profis Joshua Kimmich und Thomas Müller, Chelseas Mittelstürmer Timo Werner (per Doppelschlag) und Ilkay Gündogan mit einem Elfmeter sorgten für das von den Fans euphorisch gefeierte 5:2 und damit die kollektive DFB-Erleichterung nach zuvor drei teils schwer verdaulichen 1:1-Resultaten in der Gruppenphase der Nations League.
Flick, der nun seit 13 Partien ungeschlagen (vier Remis) ist, freute sich: "Ich muss der Mannschaft ein Riesenkompliment machen. Es verlangt Respekt, im vierten Spiel so eine Leistung abzurufen. Die Mannschaft hat alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben."
Der nächste Negativrekord wurde vermieden, denn: Ein fünftes Spiel in Folge ohne Sieg hatte es zuletzt vor dem blamablen Vorrunden-Aus bei der WM 2018 in Russland gegeben. Es war ein 5:2 für die Seele, weil ja stets der letzte Eindruck zählt. "Es ist sehr wichtig, mit einem guten Abschluss, mit einem super Gefühl in die Pause zu gehen", betonte Flick und blickte bereits auf die letzten beiden Länderspiele vor der Winter-WM in Katar (21. November bis 18. Dezember): "Im September müssen wir an der einen oder anderen Stellschraube drehen. Denn es war nicht alles gut."
Beim nächsten Wiedersehen im September wird es ernst, weil Flick nach den letzten beiden Nations-League-Gruppenspielen gegen Ungarn und in England den WM-Kader nominieren muss. Wer aber konnte die vier zurückliegenden Partien nutzen, um Eigenwerbung zu betreiben?
Wer hat sich sein vielleicht noch unsicheres WM-Ticket sichern können? Wer dagegen hat Minuspunkte gesammelt, wer muss nun zittern? Die Gewinner und Verlierer der drei 1:1-Remis in Italien, gegen England und in Ungarn sowie des furiosen 5:2-Saisonabschlusses gegen Italien:

DIE GEWINNER

Manuel Neuer: Obwohl er in keinem der vier Partien zu null spielen konnte und insgesamt fünf Gegentreffer kassierte, konnte der Nationaltorwart seine Ausnahmestellung als unantastbare Nummer eins zementieren. Flick schwärmte: "Manu ist ein absoluter Weltklasse-Torhüter. Das gilt für die Torverteidigung, aber auch mit dem Ball. Er hat die Ruhe, Gelassenheit und die Qualität, die Pässe so zu spielen, dass der, der sie bekommt, damit etwas anfangen kann." Der Oldie des Teams, 2014 in Rio Weltmeister geworden, wird in Katar seine vierte WM spielen - und der 36-Jährige hat noch lange nicht genug. Die Heim-EM 2024 ist sein Ziel.
Die zentrale Achse: Vor Torhüter Neuer hat Flick mit Abwehrchef Antonio Rüdiger, dem Sechser und Mittelfeldchef Joshua Kimmich plus Offensivfreigeist Thomas Müller, dessen Rolle Flick auf der Position hinter einer Spitze sieht, eine zentrale Achse gebaut. Rüdiger, ab 1. Juli bei Real Madrid, räumt auf, gibt die Kommandos. Kimmich ordnet den Spielaufbau und stößt nach vorne vor (zwei Treffer in den vier Spielen). Der unverwüstliche und unermüdliche Müller ist der vorderste Pressing-Koordinator, bereitet fleißig Tore vor und trifft wie nun gegen Italien.

Joshua Kimmich (Mitte) und Antonio Rüdiger (l.) gehören zur Achse von Hansi Flick

Fotocredit: Getty Images

Klostermann & Raum: Der Leipziger Lukas Klostermann interpretiert seine Rechtsverteidiger-Rolle defensiver als Linksverteidiger David Raum von der TSG Hoffenheim. Beide jedoch konnten auf ihre Art und mit ihrer zuverlässigen und soliden (Klostermann) sowie mutigen und aggressiven (Raum) Spielweise punkten.
Jonas Hofmann: Nach einer unterdurchschnittlichen Saison mit Borussia Mönchengladbach spielte sich der Rechtsaußen mit frischen und mutigen Auftritten in die erste Elf, traf gegen England und in Ungarn. Hofmann zeigt keine Allüren, stellt keine Ansprüche. Er erfüllt seine Aufgabe, zieht sein Spiel auf dem Platz durch. Hat den WM-Platz mit einer Chance auf viele Einsätze sicher.
Jamal Musiala: Der 19-Jährige bekam von Flick zwei Mal von Beginn an das Vertrauen und war gegen England sowie in Ungarn neben Hofmann der beste Offensiv-Akteur. Sein schlaues Passspiel und seine schlangenartigen Bewegungen machen den ballsicheren Teenager im Grunde unverzichtbar.

DIE VERLIERER

Marc-André ter Stegen: Neuers einstiger Herausforderer, Deutschlands Nummer zwei vom FC Barcelona wurde für die vier Nations-League-Partien erst gar nicht nominiert. Aus Gründen der Schonung, hieß es. In Katar wird ihm auch nur die Rolle als Zuschauer und Trainingspartner von Neuer bleiben. Ob ter Stegen mit diesen Aussichten mitfährt?
Henrichs & Kehrer: Der Leipziger Benjamin Henrichs dufte nur zu Beginn in Bologna eine knappe Stunde gegen Italien ran, fiel als Linksverteidiger komplett durch. Abwehr-Allrounder Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain), der in den ersten neun Länderspielen der Flick-Ära vor der Nations League jedes Mal in der Startelf stand, kam in den Heimspielen gegen England und Italien nicht zum Einsatz. Sein Unantastbar-Status als flexibler Außenverteidiger (ob rechts oder links) wackelt.
Leroy Sané: Der Flügelstürmer der Bayern bekam nach einem ganz schlappen Auftritt ohne jede Körperspannung gegen England einen dicken Rüffel von DFB-Direktor Oliver Bierhoff ("Am Ende musst du dich da als Spieler auch rauskämpfen") und bemühte sich, gegen Italien Engagement und Leistungswillen auch per Körpersprache auszustrahlen. Dennoch: Sein Stammplatz wackelt.

Leroy Sané in Aktion

Fotocredit: Getty Images

Timo Werner: Obwohl der viel kritisierte Chelsea-Stürmer nach drei Torlos-Auftritten zunächst auch gegen Italien höchst glücklos agierte und ihm nichts mehr gelingen wollte, konnte er noch zwei Treffer zum 5:2 erzielen. Der Schwabe ist ein Stimmungsspieler, dem Flick bedingungslos die Treue hält. "Es ist wichtig, dass die Spieler Vertrauen spüren", betonte der Bundestrainer. Dennoch: Ein echter Knipser mit Torjäger-Gen ist und bleibt Werner nicht. Und Kai Havertz keine wirkliche Alternative in dieser Rolle.
Karim Adeyemi: Der künftige Dortmunder erhielt von Flick eine deutliche Ansage. "Karim muss noch eine Entwicklung machen", sagte der Bundestrainer über den 20-jährigen Flügelstürmer und erklärte: "Im Moment ist Lukas Nmecha einen Tick weiter vorne und im Training sehr engagiert mit guten Abschlüssen. Karim muss den nächsten Schritt machen beim BVB." Um sich sein WM-Ticket zu verdienen. Da hat der körperlich robustere Mittelstürmer Nmecha vom VfL Wolfsburg bessere Karten.
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