Drei Dinge, die bei Deutschlands Pleite gegen Ungarn auffielen: Das Ende der Flick-Euphorie

Das war’s mit der Rekordjagd: Hansi Flick kassiert seine erste Pleite als Bundestrainer. Das 0:1 gegen Ungarn wirft zwei Monate vor Beginn der WM einige Fragen auf. Vor allem der blutleere Auftritt in der ersten Halbzeit und die wiederkehrenden Mängel im Ballbesitzspiel machen Sorgen. Auch als Frischzellenkur für schwächelnde Spieler taugte die DFB-Elf diesmal nicht. Drei Dinge, die auffielen.

Hansi Flick kassierte seine erste Niederlage als Bundestrainer

Fotocredit: Imago

Die deutsche Nationalmannschaft hat im 14. Spiel die erste Niederlage unter Bundestrainer Hansi Flick kassiert und damit die Chance auf die Teilnahme am Final Four der Nations League im kommenden Sommer verspielt. In Leipzig verlor die DFB-Elf mit 0:1 (0:1) gegen Ungarn.
Adam Szalai erzielte per Hacke das Tor des Tages (17.).
Am Montag steht das abschließende Gruppenspiel in der Nations League in England auf dem Programm.
Drei Dinge, die uns bei der 0:1-Niederlage gegen Ungarn auffielen.

1.) 1.Das Ende der Flick-Euphorie

"Die Spieler wissen, was zu tun ist. Wir haben ihnen Räume aufgezeigt. Ich erwarte, dass sie performen, wenn sie liefern müssen - und das ist heute", sagte Bundestrainer Hansi Flick im "ZDF".
Der Auftritt seiner Spieler in den ersten 45 Minuten ließ aber daran zweifeln, dass sie wirklich wussten, was zu tun wäre. Selten hat eine deutsche Nationalmannschaft in einem nicht unbedeutenden Spiel einen so blutleeren und ideenlosen Auftritt hingelegt wie die Flick-Elf an diesem Abend in Leipzig.
Flick erwartete von seiner Mannschaft Intensität - er bekam Trägheit. Er erwartete Tiefenläufe - er bekam Ballgeschiebe. Er erwartete hohe Ballgewinne - er bekam schnelle Ballverluste. Sicher, die Ungarn standen kompakt und defensiv gut geordnet. Aber gegen diese uninspirierten Deutschen reichte diese Haltung locker.
Immerhin zeigte sich die Mannschaft nach der Pause verbessert. Flick veränderte auch seine Formation und stellte von 4-2-3-1 auf eine Art 3-6-1 um. Kehrer kam für Gnabry und komplettierte die Dreierkette. Die bisherigen Außenverteidiger Raum und Hofmann schoben quasi als Außenstürmer hoch, während sich Sané und Müller mehr in den Halbräumen bewegten.
Mit diesen Umstellungen und deutlich höherer Intensität dominierte die DFB-Elf die zweite Hälfte, war präsenter im Gegenpressing und kam auch zu ein paar Abschlussaktionen. Aber dem Rückstand aus der schwachen ersten Hälfte lief sie gegen bis zum Ende gut verteidigende Ungarn vergeblich hinterher.
So lässt sich konstatieren, dass zwei Monate vor Beginn der WM die Euphorie der ersten Spiele unter Flick mittlerweile verflogen ist. Bis auf das 5:2 am vierten Spieltag der Nations League gegen damals äußerst schwache Italiener gab es in den Partien gegen ernstzunehmende Gegner nicht mehr als Stückwerk.
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Joshua Kimmich kann nicht mehr hinsehen

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2.) Die Idee im Ballbesitz war nicht erkennbar

Wie dieses Spiel laufen würde, war schon im Vorfeld klar. Die Ungarn waren mit der Selbstbeschreibung angereist, "eklig" verteidigen zu wollen. Die Deutschen wussten auch, was auf sie zukommen würde, denn schon im Hinspiel machten die Ungarn mit ihrer Spielweise Deutschland das Leben extrem schwer.
Insofern war das Auftreten der DFB-Elf über die gesamten 90 Minuten äußerst enttäuschend. Was dabei besonders ins Auge fiel, war, dass Deutschland auch in der etwas besseren zweiten Halbzeit eine klare Idee im Ballbesitzspiel fehlte.
Dass nach einer so kurzen Vorbereitung mit vielen Terminen abseits des Platzes nicht alles wie geschmiert laufen kann, ist klar. Aber immerhin war es das 14. Spiel unter Flick und es standen viele Spieler auf dem Platz, die schon oft zusammen gespielt haben.
Der Bundestrainer wollte zwar die Umstellung mit Jonas Hofmann als Rechtsverteidiger als Hauptgrund für fehlende Automatismen in der schwachen ersten Halbzeit aufführen und diesen Fehler auf seine Kappe nehmen. Aber dieses Sich-vor-die-Mannschaft-stellen verfing nicht. Denn die Veränderungen in der Mannschaft waren nicht wirklich groß und die Abläufe in Ballbesitz waren in den vorherigen Spielen ebenfalls schwach ausgeprägt.
Flicks Teams leben von der Intensität, hohen Ballgewinnen und guten Umschaltmomenten. Dass sie sich gegen diszipliniert verteidigende Mannschaften aufgrund fehlender Struktur im Spiel mit dem Ball schwer tut, wird auch den WM-Gruppengegnern nicht verborgen geblieben sein.

3.) Gnabry steckt in einem tiefen Loch

Mit dem Abschied von Robert Lewandowski beim FC Bayern schien sich auch die Rolle von Serge Gnabry in München zu verändern. Der 27-Jährige war in den Saisons zuvor schon regelmäßig treffsicherster Angreifer nach dem Polen beim FCB. Und mancher Beobachter dachte, dass Gnabry noch häufiger zum Abschluss und zu noch mehr Toren kommen würde.
Bisher findet sich Gnabry allerdings vermehrt auf der Bank wieder. Der Platz im Sturmzentrum ging in den ersten sieben Bundesligapartien an Sadio Mané und sogar einmal an Thomas Müller. Gnabry, der diese Rolle auch schon ausgefüllt hat, blieben fast nur Kurzeinsätze.
Die Reise zur Nationalmannschaft sollte für Gnabry auch ein bisschen Balsam für die Seele werden. Flick schickte Gnabry dann im offensiven Bayern-Block mit Leroy Sané und Thomas Müller auch seine Lieblingsposition auf den rechten Flügel.
Aber Selbstvertrauen tanken konnte er dort nicht. Gegen die geschickt verteidigenden Ungarn war er wie seine Kollegen offensiv ohne Chance. In seinen 45 Minuten blieb er ohne Torschuss und ohne Torschussvorlage. Dass Flick ihn zur Halbzeit gegen Thilo Kehrer austauschte, dürfte den ohnehin schon unsicher wirkenden Gnabry noch weiter zweifeln lassen.
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Müller verletzt Musiala: Schmerzhafte Attacke vom Teamkollegen

Quelle: SNTV

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