Nations League: Hansi Flick mit wackeligem Bayern-Block gegen Italien - warum der Bundestrainer jetzt rotiert

Beim Nations-League-Auftakt in Bologna fanden die Protagonisten der Partie zwischen Deutschland und Italien eine verkehrte Welt vor. Trotz des erneuten WM-Debakels feierten die Tifosi ihre Squadra Azzurra frenetisch, die deutsche Nationalmannschaft mühte sich trotz Bestbesetzung zu einem 1:1. Hansi Flick stellt sich nun die Frage, ob der enttäuschende Bayern-Block gegen England auflaufen soll.

Für Thomas Müller und Co. reichte es gegen Italien nur zu einem Remis

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Man stelle sich das einmal in Deutschland vor: Die Nationalelf scheitert in der WM-Qualifikation, noch dazu gegen einen europäischen No-Name wie Nordmazedonien, und wird dann in einem Heimspiel von den Fans gefeiert, minutenlang schwappt La Ola, die Welle, durchs Stadion.
So geschehen am Samstagabend im schmucken "Stadio Renato Dall'Ara" von Bologna, das den Hauch der Geschichte genauso atmet wie die Universitätsstadt der Emilia-Romagna mit ihren Kirchen, Palästen und Arkaden. Zugegeben, es war schwül-heiß, selbst in den Abendstunden herrschte noch eine asiatisch-quälende Hitze.
Da tut Bewegung gut auf den Rängen, aber es war tatsächlich Begeisterung über die Nationalelf der Azzurri, die sich trotz des gewonnenen EM-Titels im vergangenen Sommer mit so vielen nahezu unbekannten Akteuren auflief, dass viele Zuschauer ihre Nationalspieler erst einmal googeln mussten.
Bundestrainer Hansi Flick dagegen hatte bis auf ein, zwei Ausnahmen (vor allem Leipzigs Benjamin Henrichs, der als Rechtsverteidiger enttäuschte) eine Startelf in Bologna gebracht, die man sich gut bei der Winter-WM (ab dem 21. November) in Katar vorstellen kann.

Meisterhafte Namen - doch der Bayern-Block sticht nicht

Mit einem Bayern-Block, bestehend aus sieben Meistern, mit Torhüter und Kapitän Manuel Neuer, Niklas Süle in der Innenverteidigung, den beiden Sechsern Joshua Kimmich und Leon Goretzka sowie den flexiblen Offensiven Serge Gnabry, Leroy Sané und Routinier Thomas Müller.
Gewohnte Abläufe und Automatismen sowie ein eingespieltes Gerüst sollten die relativ unerfahrenen, neu zusammengewürfelten Umbruch-Azzurri in die Schranken weisen. Doch dieser Flick-Plan ging nicht auf. Zwar blieb der 57-Jährige auch im zehnten Spiel als Bundestrainer ungeschlagen (acht Siege, zwei Unentschieden), es reichte jedoch nur zu einem 1:1.
Ein Remis, das Flick an der Seitenlinie mit ernster Miene und teils mit Kopfschütteln zur Kenntnis nahm. Erstmals in seiner Amtszeit seit dem Debüt Anfang September gegen Liechtenstein (2:0) wirkte der Bundestrainer richtig unzufrieden mit seiner Auswahl. Man habe sich den Schneid ablaufen lassen, so der Bundestrainer.
"Intensität und Präzision haben in unserem Spiel gefehlt", sagte er auf der Pressekonferenz und erklärte: "Wir haben dem Gegner bei Ballbesitz zu viel Zeit gegeben. Wir haben zu wenig Tempo gehabt, viel zu viele Fehler gemacht." So hart ging Flick mit seiner Truppe noch nie ins Gericht: "Diese Mannschaftsleistung ist nicht unser Anspruch. Wir haben mehr Qualität, können es besser machen."

Müller und Kimmich unzufrieden: "Für uns ist es zu wenig"

172 Tage vor dem WM-Start teilten die Führungsspieler des DFB-Teams diese Ansicht. "Der Anspruch ist eigentlich der, dass wir dominanter, zielstrebiger und klarer nach vorn spielen mit geringerer Fehlerquote", meinte Thomas Müller und 1:1-Torschütze Joshua Kimmich schimpfte bei "RTL". "Für uns ist es zu wenig. Wir wollten gewinnen. Wir wussten, dass Italien im Umbruch ist, deshalb wollten wir hier gewinnen. Das ist uns nicht gelungen."
Auch Kimmich rätselte über die Gründe: "Wir haben es nicht geschafft, unsere Leistung auf den Platz zu bringen. Vielleicht lag es auch an der Luftfeuchtigkeit, die wir nicht so gewohnt waren."
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Deutschland spielte gegen Italien 1:1

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Natürlich hatten die Bayern-Profis seit drei Wochen, seit dem 34. Spieltag, kein Pflichtspiel mehr. Richtig ernst wurde es zuletzt vor sechs (!) Wochen beim 3:1 gegen Borussia Dortmund. Da sind Spannungs- und Leistungsabfall vorprogrammiert – vor allem, wenn die Nations League als nicht so wirklich beliebter Appendix der langen Saison daherkommt.
Auffällig war, dass abgesehen von Kämpfer Kimmich, der nach vier Spielen Absenz wieder das Kommando im Mittelfeld führte, der Bayern-Block enttäuschte – insbesondere die Kreativspieler. Erst nach den Auswechslungen von Sané (59.), Goretzka, Müller (beide 69.) und Gnabry (80./noch der aktivste Münchner) kam wieder mehr Schwung und Drive ins Aufbauspiel. "Mit diesem Spiel kann man nicht zufrieden sein", meinte Flick, betonte jedoch: "Das Positive, das ich aber mitnehmen kann: Die Mannschaft ist zurückgekommen und hat nach dem Ausgleich auch auf das 2:1 gespielt."

DFB-Legionäre hauchen Mannschaft neues Leben ein

Was hauptsächlich an den England-Legionären Ilkay Gündogan von Manchester City und Kai Havertz vom FC Chelsea sowie vor allem am Gladbacher Jonas Hofmann lag, der die rechte Außenbahn belebte. Und an Jamal Musiala, dem Teenager der Bayern. Gegen seine zweite Heimat England dürfte der teilweise bei Chelsea ausgebildete Musiala am Dienstag in der Allianz Arena von Beginn an zum Einsatz kommen.
Dagegen dürfte sich ausgerechnet in München der Bayern-Block beinahe auflösen. Für den Bald-Dortmunder Süle könnte der Bald-Dortmunder Nico Schlotterbeck in der Abwehrzentrale beginnen, für Goretzka Gündogan. "Ilkay ist sowohl defensiv als auch offensiv auf allen Positionen im Mittelfeld einsetzbar", hatte Flick unter der Woche erklärt und über den Bayern-Block gesagt.
"Es heißt nicht, dass sie gesetzt sind." Kai Havertz wird gegen England für Sané beginnen und vielleicht erhält sogar Julian Brandt (BVB) anstelle von Gnabry eine Chance.
Damit die Nationalelf gegen England, das überraschend mit 0:1 in Ungarn verlor, ein anderes Gesicht zeigt. "Ich wünsche mir, dass wir gewinnen, mehr Intensität auf den Platz bekommen, nicht ganz so viele einfache Fehler machen. Und nach vorne etwas zielstrebiger spielen", meinte Kimmich. Flick forderte unmissverständlich: "Am Dienstag müssen wir eine andere Leistung auf den Platz bringen und ein anderes Ergebnis erzielen."
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Quelle: SID

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