Drei Dinge, die bei Deutschland gegen England auffielen: Der DFB-Elf fehlt es an Weltklasse

Drittes Spiel gegen einen Großen des Weltfußballs, drittes 1:1. Wie schon gegen die Niederlande und Italien beißt sich die DFB-Elf an biederen Engländern die Zähne aus. Hansi Flick reagierte nach dem Remis vom Samstag mit vielen Wechseln und einer neuen Formation. Das wirkte sich in vielen Fällen positiv aus, nur Nico Schlotterbeck zahlte in einigen Szenen Lehrgeld. Drei Dinge, die auffielen.

Leroy Sané nach dem 1:1 gegen England ernüchtert

Fotocredit: Imago

Die deutsche Nationalmannschaft wartet weiter auf den ersten Sieg in der Nations League und auf den ersten Sieg gegen einen Großen unter Hansi Flick.
Jonas Hofmann brachte Deutschland nach einem herrlichen Spielzug in Führung (50.), kurz vor Schluss glich Harry Kane per Foulelfmeter aus (88.).
Am Samstag tritt die deutsche Nationalmannschaft am 3. Spieltag in Ungarn an.
Drei Dinge, die uns beim 1:1 der DFB-Elf gegen England auffielen.

1. Neue Formation, wenig Systematik

Nach dem durchwachsenen Start in die Nations League in Italien (1:1) ließ sich Hansi Flick lange nicht in die Karten schauen, wie er personell und taktisch auf die Leistung in Bologna reagieren wird. Am Ende war es eine runderneuerte DFB-Elf, die in München die Three Lions empfing. Sieben Spieler tauschte der Bundestrainer, dazu formierte er sich neu: in Ballbesitz in einem 3-2-4-1 und gegen den Ball im 4-2-4.
Ein positiver Effekt dieser Aufstellung war schnell ersichtlich: die in Italien vermisste Intensität war von Beginn an da. Die Engländer wurden zumeist hoch angelaufen und unter Druck gesetzt, auch in der Offensive war das DFB-Team aktiver, aus der offensiven Mittelfeldreihe gab es mehr Läufe in die Tiefe – vor allem Jonas Hofmann machte hier Werbung in eigener Sache.
Allerdings wurde auch deutlich, dass es dieser neuen Formation noch an Abläufen und einer klaren Systematik mangelt. Umschaltfußball nach Ballgewinnen war in Halbzeit eins quasi das einzige Mittel, um gefährlich nach vorne zu kommen.
picture

Joshua Kimmich und Jonas Hofmann im Duell mit Mason Mount

Fotocredit: Getty Images

Nach dem Seitenwechsel funktionierte auch das Ballbesitzspiel besser. Die DFB-Spieler nutzten die Räume besser, es herrschte weniger Hektik und der Ball lief ruhiger durch die eigenen Reihen. Dadurch bekamen Ilkay Gündogan und Joshua Kimmich das Spiel im Zentrum besser in den Griff und Deutschland dominierte die äußerst biederen Engländer nach Belieben, verpasste aber einen zweiten Treffer.
"Die Art und Weise, wie wir heute gespielt haben, ist genau das, was wir wollen, was wir uns vorgenommen haben: mutig zu spielen, auch kreativ zu sein, immer wieder versuchen den Gegner unter Druck zu setzen", analysierte Flick. "Das hat die Mannschaft sehr gut gemacht. Das einzige Manko ist, dass wir uns nicht belohnt haben."
Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass mit dem ersten Wechselfenster und der Auswechslung der positiv auffälligen Hofmann und Jamal Musiala die Dominanz zusehends verschwand und England in der Schlussphase besser war. Ein weiteres Zeichen dafür, dass der Mannschaft die Sicherheit einer vertrauten Systematik fehlte.

2. Es fehlt an Weltklasse

FC Bayern München, Manchester City, FC Chelsea: Elf Spieler dieser Weltklasseteams standen zu Spielbeginn auf dem Feld (sieben Deutsche, vier Engländer). Dazu kamen noch namhafte Spieler von Tottenham (Kane), Arsenal (Saka) oder Manchester United (Maguire).
Trotzdem wurde man das Gefühl nicht los, dass diesem Spiel etwas fehlt. Dass hier zwar zwei Schwergewichte des internationalen Fußballs aufeinander treffen, aber beide bei der anstehenden WM in Katar nur zum erweiterten Favoritenkreis gehören.
picture

Ilkay Gündogan gegen Jude Bellingham

Fotocredit: Getty Images

Deutschland zeigte sich zwar insgesamt etwas besser als in Italien und hatte England über weite Strecken im Griff, aber offensiv fehlt es der DFB-Elf an herausragenden Individualisten, die auch mal allein ein Spiel entscheiden können – zumindest solange Leroy Sané im Leistungsloch feststeckt.
Wo die Franzosen Kylian Mbappe und Karim Benzema haben, wo in Brasilien Neymar Spiele mit einer Einzelaktion beeinflussen kann, wo Lionel Messi Argentinien immer noch auf seinen Schultern tragen kann und wo sich Portugal in vielen Momenten weiter auf Cristiano Ronaldo verlassen kann, klafft bei den Deutschen und Engländern eine Lücke.
Bei den Three Lions machte immerhin Jack Grealish nach seiner Einwechslung ordentlich Betrieb und hatte ganz entscheidenden Einfluss auf den Spielverlauf und das Ergebnis.

3. Schlotterbeck zahlt Lehrgeld

Im März feierte Nico Schlotterbeck gegen Israel sein Länderspieldebüt. Ein richtig starkes noch dazu – mit einem großen Makel. Kurz vor Schluss vertändelte er im eigenen Strafraum den Ball und verursachte in der Folge einen Strafstoß. "ZDF"-Experte Per Mertesacker unterstellte dem Noch-Freiburger und Bald-Dortmunder sogar einen Anfall von Arroganz.
Eine ganz ähnliche Situation unterlief Schlotterbeck in der 27. Minute gegen die Engländer. Wieder brauchte er am eigenen Strafraum zu lange und verlor in einer gefährlichen Position den Ball. Zum Glück für das DFB-Team und für Schlotterbeck rauschte die anschließende Hereingabe von Harry Kane ohne Abnehmer durch den Fünfmeterraum.
picture

Nico Schlotterbeck

Fotocredit: Getty Images

Es blieb nicht der einzige Fehler des 22-Jährigen, bei dem sich gute Pässe in der Spieleröffnung und rettende Grätschen mit leichten Fehlpässen und Stellungsfehlern abwechselten.
Und am Ende des Tages stand dann wieder ein verursachter Strafstoß. Kurz vor Schluss lief Schlotterbeck Kane völlig unnötig und ungeschickt in die Hacken. Der Stürmer nahm den Kontakt dankend an und verwandelte den Strafstoß selbst sicher.
Sicherlich kein Abend, an dem man Schlotterbeck Arroganz vorwerfen kann, aber Lehrgeld hat er in diesem Duell auf jeden Fall bezahlt.
picture

"Mein bester Freund": Kimmich hofft auf Gnabry-Verbleib bei Bayern

Quelle: SID

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung