Deutschland in der Nations League: Julian Nagelsmann improvisiert gegen Bosnien - DFB-Debüt im Tor und im Sturm?

Julian Nagelsmann muss seine Aufstellung für das Nations-League-Spiel in Bosnien und Herzegowina an komplizierte Gegebenheiten anpassen. Nach einer Flut von insgesamt sieben Absagen und Verletzungen ist der Bundestrainer am Freitag (20:45 Uhr im Liveticker) in Zenica zum Improvisieren gezwungen. Das Wechselspiel beginnt auf der Torhüter-Position. Wer kommt zum DFB-Debüt?

Gnabry zurück beim DFB: "Bin jemand, der vorangeht"

Quelle: Perform

An der sanften Biegung der Bosna lag die alte Berg- und Stahlarbeiterstadt Zenica im Sonnenschein, der Empfang für Julian Nagelsmann und seinen gerupften Not-Kader aber war nur auf den ersten Blick warmherzig.
HSV-Idol Sergej Barbarez rollte mit blumigen Worten den roten Teppich aus, er erhob Deutschland zum Vorbild - sein Team jedoch will rennen, kratzen, beißen: "Deutschland erwartet eine ganz andere Sportart", warnte Bundesliga-Torjäger Ermedin Demirovic.
Auch Nagelsmann weiß, dass seine Mannschaft nach dem Absage-Irrsinn in "hitziger Atmosphäre" bestehen muss, von Glamour-Fußball wird im nur 13.500 Zuschauer fassenden Stadion Bilino Polje wenig zu spüren sein.
Die größeren Arenen beispielsweise in Sarajevo, wo Kapitän Joshua Kimmich, die "Frischlinge" und DFB-Präsident Bernd Neuendorf am Donnerstag aus dem Flugzeug in den Bus umstiegen, sind von den Verbänden nicht zertifiziert.

Jeder muss sich seinen Platz verdienen

Und dann: Schon wieder Experimente. Der Bundestrainer ist erneut als Bastler gefordert, er lässt widrige Umstände vor dem Nations-League-Duell am Freitagabend (20:45 Uhr im Liveticker) aber nicht als Ausrede gelten: "Wir wollen in Bosnien und Herzegowina gewinnen."
Und drei Tage später in München gegen die Niederlande sowieso! Insgesamt sieben Absagen zum Trotz, angefangen von Marc-Andre ter Stegen im Tor über Jamal Musiala bis hin zu Kai Havertz.
Kimmich fühlte sich zuletzt in Herzogenaurach wie im falschen Film. "Das ist verrückt", sagte er, seit der Nominierung vor einer Woche habe sich "gefühlt der halbe Kader verändert." Aber: "Es ist wichtig, dass man sich das Hiersein verdienen muss - das haben die Jungs getan."
Zum Beispiel Tim Kleindienst, wuchtiger Stürmer von Borussia Mönchengladbach, der wohl sogar in der Startelf stehen wird. Schließlich fehlt auch Niclas Füllkrug. Ob nun Bundesliga oder Nationalmannschaft, sagte Kleindienst gelassen, "es ist nur Fußball. Elf gegen elf."

Nübel kommt in Bosnien zu DFB-Debüt

Kein Torhüter im Kader hat ein Länderspiel, so etwas gab es zuletzt nach der EM 2008 mit Rene Adler und Tim Wiese. Nagelsmann hat sich für ein Jobsharing samt Trikottausch entschieden: In Bosnien darf Alexander Nübel debütieren, für das Holland-Spiel gibt er das Jersey mit der Nummer 1 an Oliver Baumann weiter. Beide dürfen den Platz nur für ter Stegen warmhalten.
Es sind kuriose Tage für Nagelsmann, der auch Jamie Leweling (Stuttgart) oder Jonathan Burkardt (Mainz) einen ersten Einsatz schenken könnte.
Dabei war der Bundestrainer so zuversichtlich gewesen, dass die leidige Zeit des Testens hinter ihm liegt. Er wollte nur noch "minimale Änderungen" vornehmen und an seinem Team für die WM 2026 feilen.
Stattdessen mag sich Nagelsmann an sein Debüt im Oktober 2023 erinnert fühlen. Allerdings: Damals wackelte das gesamte Gefüge, der Bundestrainer rannte hin und her, um den schwankenden Bauklötzchenturm zu stabilisieren. Inzwischen ist die Nationalmannschaft einen riesigen Schritt weiter.

Kimmich: "können uns auf Basis verlassen"

"Vorher war es so, dass man ins Spiel gegangen ist und nicht wirklich wusste: Was passiert heute?", sagte Kimmich. "Jetzt können wir uns auf unsere Basis verlassen und haben immer wieder das eine oder andere Highlight-Spiel dabei." Die grundlegende Stabilität sollte also vorhanden sein.
Vor einem Jahr war auch Serge Gnabry zuletzt im Kader. Der Bayern-Star war vor der Heim-EM aussortiert worden, "extrem bitter", wird nun aber wohl von Beginn an auf dem Flügel gebraucht. "Ich bin einer, der vorangeht", betonte er.
Damit erfüllt er, was Kimmich als Reaktion auf die Absage von Bernd Leno allen eingeschärft hat, nämlich maximale Identifikation und Leistungsbereitschaft: "Ob man einhundert Länderspiele hat oder drei, ob man 34 ist oder 19." Ob in Wembley - oder in einem kleinen, hitzigen Hexenkessel an der Biegung der Bosna.
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(SID)
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Quelle: Perform


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