Drei Dinge, die bei Deutschland gegen die Niederlande auffielen: Leweling glänzt - der VfB prägt die Nationalmannschaft

Deutschland dominiert, die Niederlande enttäuscht: Der Länderspiel-Klassiker gerät zu einer einseitigen Sache - auch wenn das Ergebnis sehr knapp ausfällt (1:0). Bundestrainer Julian Nagelsmann findet trotz vieler Ausfälle die richtigen Lösungen und zieht die richtigen Schlüsse aus dem Hinspiel. Erneut drückt ein VfB-Spieler der Partie seinen Stempel auf. Für Oranje sieht es dagegen düster aus.

Nagelsmann lobt DFB-Kader und "Gegenpressing wie Manchester City"

Quelle: Perform

Die deutsche Nationalmannschaft hat vorzeitig den Einzug ins Viertelfinale der Nations League geschafft. Das DFB-Team siegte in München gegen erschreckend schwache Niederlande 1:0 (0:0).
Den Treffer des Tages für Deutschland erzielte Länderspieldebütant Jamie Leweling (63.).
Den Gruppensieg kann Deutschland bei den November-Länderspielen am 5. Spieltag gegen Bosnien-Herzegowina bzw. am 6. Spieltag in Ungarn perfekt machen - dazu braucht es maximal noch einen Sieg.
Drei Dinge, die uns beim 1:0 des DFB-Teams gegen die Niederlande auffielen.

1. Strukturwandel á la Nagelsmann

Während das Hinspiel in Amsterdam vor fünf Wochen (2:2) ein wildes Duell mit viel Tempo war, war die Partie in München eine einseitige, teilweise auch zähe Angelegenheit – zu Gunsten Deutschlands.
Entscheidend für die deutliche Dominanz waren einige Entscheidungen von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Zum einen hat der 37-Jährige nicht nur aufgrund der vielen Ausfälle eine strukturelle Anpassung seiner Mannschaft im Blick, wie er vor dem Spiel im "ZDF" erklärte: "Ich muss auf die Altersstruktur achten und kann nicht nur auf Erfahrung setzen."
Das führte auch dazu, dass im Mittelfeld Angelo Stiller (23) und Aleksandar Pavlovic (20) starten durften. Zwei spielstarke Sechser, "die immer den Ball wollen", wie Nagelsmann sagte. "Da sind jetzt keine Abwehrmonster dabei."
Umso erstaunlicher war dann die Rolle, die der Bundestrainer für Pavlovic vorgesehen hatte. Zwar teilte der Bayern-Profi sich wie erwartet die Last im Aufbau mit Stiller und kontrollierte so das Spiel. Gegen den Ball füllte der Sechser aber die letzte Linie als linker Innenverteidiger zu einer Fünferkette auf. Wenn Maximilian Mittelstädt situativ höher anlief, war Pavlovic sogar Linksverteidiger.
So sollte er zum einen die Kreise des Leipzigers Xavi Simons einengen (was sehr gut gelang) und zum anderen schnell als zweiter Spieler zum Doppeln gegen Brian Brobbey dazukommen, wenn der niederländische Stoßstürmer den Ball mit dem Rücken zum Tor festmachen sollte.
Das war eine der großen Lehren aus dem Hinspiel, als der bullige Brobbey die deutschen Verteidiger vor große Probleme gestellt hatte. Dieses Mal fanden die Niederländer ihren Stürmer aber kaum, weil sie sich gegen das deutsche Pressing nicht durchsetzen konnten und die Bälle sehr schnell abgeben mussten.
"Die erste Halbzeit war außergewöhnlich gut", resümierte Nagelsmann im "ZDF". Die Stabilität der Leistung überraschte selbst Kapitän Joshua Kimmich, der nicht gedacht hätte, "dass es so gut funktioniert".

2. Der VfB prägt aktuell den DFB

Am Freitag führte Deniz Undav die deutsche Offensive gegen Bosnien-Herzegowina an und seine Mannschaft auch zum 2:1-Sieg. Am Montag musste der selbst ernannte Nachfolger von Thomas Müller aufgrund von Adduktorenproblemen passen, dafür rutschte sein Stuttgarter Teamkollege Jamie Leweling ins Team, gleichzeitig dessen Länderspieldebüt.
Keine zwei Minuten dauerte es, da hatte Leweling eingenetzt und vermeintlich das 1:0 erzielt, das aber wegen einer Abseitsstellung von Serge Gnabry vom insgesamt schwachen Schiedsrichter Slavko Vincic (Slowenien) nach VAR-Einsatz einkassiert wurde.
Aber Leweling blieb dran, hatte noch vor der Pause die beste Chance, seinen Schuss aus 13 Metern blockte Verteidiger de Vrij für seinen geschlagenen Keeper. Wie so oft waren aller guten Dinge drei: Nach einer Ecke landete ein Abpraller direkt vor Lewelings Füßen und diesmal drosch er den Ball mit Gewalt in den rechten Winkel - auch der VAR hatte nichts mehr gegen sein erstes Länderspieltor (63.).
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Jamie Leweling feiert sein Tor für Deutschland gegen die Niederlande

Fotocredit: Getty Images

Es war die verdiente Belohnung für einen couragierten ersten Auftritt im DFB-Dress. "Ich weiß, dass er viel Energie hat. Dass er so gut spielt, hätte ich nicht gedacht. Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht", sagte Nagelsmann.
Der 23-jährige Leweling reihte sich damit ein in die vielen Stuttgarter Debütanten, die der Nationalmannschaft derzeit ein neues Gesicht verleihen. In seiner Heimatstadt München feierte auch Stiller sein Startelfdebüt und füllte die Rolle im Zentrum so sicher und stabil aus, wie man das von ihm im VfB-Dress gewohnt ist.
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"Außergewöhnliches Debüt": Leweling begeistert Nagelsmann

Quelle: Perform

3. Das biederste Holland aller Zeiten?

Vor dem Spiel wurde der vor gut einer Woche verstorbenen niederländischen Fußballlegende Johan Neeskens gedacht. Neeskens war Teil der niederländischen Generation um Johan Cruyff, die der Welt bei der WM 1974 in Deutschland unter Trainer Rinus Michels das Prinzip des "Voetbal total" vor Augen führte.
Seitdem stand Oranje eigentlich in fast jeder Generation für begeisternden Fußball mit herausragenden Offensivspielern: Sei es in den 80/90ern mit Ruud Gullit oder Marco van Basten, in den 90/2000ern mit Clarence Seedorf oder Dennis Bergkamp, in den 2010ern mit Robin van Persie oder Arjen Robben.
Und jetzt? Ist wenig vom Glanz früherer Tage geblieben. Gegen Deutschland wurde einmal mehr sichtbar, dass es dieser Generation an individueller Weltklasse fehlt - und ihrem Trainer wohl auch am Mut.
Was das Team von Ronald Koeman jedenfalls in der ersten Halbzeit zeigte, ist mit bieder und uninspiriert noch wohlwollend umschrieben. Den Gästen fehlte es sowohl an technischer als auch an taktischer Qualität, um auch nur ansatzweise geordnet im Spielaufbau aus der eigenen Hälfte zu kommen. Eigentlich blieb nur der lange Schlag auf Brobbey, dieser Ball flog aber viel zu oft ins Nichts.
Mit der Umstellung auf das klassisch niederländische 4-3-3 nach dem Seitenwechsel wurde es zumindest etwas besser. Dennoch dauerte es bis zur 77. Minute bis zum ersten echten Torschuss der Niederländer, als Simons mit seinem Abschluss die Latte streifte.
"Was Holland hier heute gezeigt hat, war erschreckend schwach. Blutleer", sagte entsprechend auch "ZDF"-Experte Christoph Kramer: "Ich habe keinen einzigen Ablauf gesehen, weder offensiv noch defensiv."
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Kurioser Moment: Italien-Torhüter erfährt auf PK von Einsatz

Quelle: Perform


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