Drei Dinge, die bei Deutschland gegen Portugal im Nations-League-Halbfinale auffielen: Wirtz-Tor der Anfang vom Ende

Die deutsche Nationalmannschaft hat ihren Traum von einem Titelgewinn rund ein Jahr vor der WM 2026 begraben müssen. Das DFB-Team unterlag Portugal im Halbfinale der Nations League mit 1:2 (0:0). Ausschlaggebend dafür waren ein fataler Leistungseinbruch, paradoxerweise nach dem Führungstor, sowie Schwächen in der Defensive, die der ewig junge Cristiano Ronaldo ausnutzte. Drei Dinge, die auffielen.

Kimmich: "Viele Dinge waren sehr schlecht"

Quelle: Eurosport

Julian Nagelsmann beschwerte sich nach dem geplatzten Titeltraum noch lautstark beim vierten Offiziellen, da spazierte der große Spielverderber Cristiano Ronaldo schon grinsend über den nassen Rasen in der Münchner Arena.
Ausgerechnet der 40 Jahre alte Weltstar entpuppte sich beim verdienten 2:1 (0:0) von Portugal gegen die deutsche Nationalmannschaft im Halbfinale der Nations League mit seinem Siegtreffer als Party-Crasher.
Ein unerwarteter Rückschlag genau 53 Wochen vor dem Start der WM 2026 für DFB-Auswahl, die durch Florian Wirtz (48.) in Führung gegangen war. Der eingewechselte Francisco Conceicão (63.) und dann eben Ronaldo (68.) drehten die Partie.
"Portugal war heute die bessere Mannschaft", gab Nagelsmann im Anschluss im "ZDF" unumwunden zu.
Drei Dinge, die im Nations-League-Halbfinale Deutschland - Portugal auffielen.

1. Wirtz-Tor der Anfang vom Ende

Julian Nagelsmann sprang wild in seiner Coaching-Zone umher und gab seinen Schützlingen von der Seitenlinie aus immer wieder lautstarke Anweisungen.
Nein, zufrieden war der ehemalige Bayern-Trainer am Freitagabend wahrlich nicht - und das aus gutem Grund. Die neuformierte deutsche Elf offenbarte vom Anpfiff weg teils große Abstimmungsprobleme und benötigte eine ganze Weile, um überhaupt etwas Struktur ins Spiel zu bringen.
Anstatt die "Fans zu begeistern", was Sportdirektor Rudi Völler vor der Partie neben dem Finaleinzug als Ziel ausgegeben hatte, leistete sich der Gastgeber im Aufbau viel zu viele einfache Fehler.
In der Tat präsentierten sich die Nagelsmänner insgesamt zu passiv und schafften es anders als im Nations-League-Viertelfinale gegen Italien nur selten, den Gegner über den gesamten Platz zu pressen. Zur Halbzeit neutralisierten sich beide Mannschaften dennoch weitestgehend.
Paradoxerweise war dann der Führungstreffer von Wirtz (48.), als man sich nach einem hohen Ballgewinn endlich mal sehenswert durchkombinierte, der entscheidende Impuls - nur halt in die falsche Richtung.
"Wir schießen das 1:0, danach war bei uns ein kompletter Bruch im Spiel. Portugal hat dann immer mehr Spielanteile erhalten", analysierte Robin Koch treffend.
Teamkollege Leon Goretzka stimmte zu: "In der zweiten Halbzeit war das nach unserem 1:0 gar nichts mehr."
Stattdessen wurde Portugal fast von Minute zu Minute stärker, belohnte sich mit einem Doppelschlag (Conceicão 63., Ronaldo 68.) und hätten das Ergebnis am Ende sogar noch höher gestalten können.
Statt am Sonntag um den Titel zu kämpfen, muss das DFB-Team an Ort und Stelle im Spiel um Platz drei Wiedergutmachung betreiben.
picture

Cristiano Ronaldo (Portugal) dreht nach seinem Tor gegen Deutschland jubelnd ab

Fotocredit: Getty Images

2. Ronaldo straft die Kritiker Lügen

Ronaldo hat in seiner glorreichen Karriere so gut wie alles erreicht.
Champions-League-Sieger, Weltfußballer, Europameister - um nur ein paar Erfolge zu nennen. Eine der wenigen Dinge, die dem 40-Jährigen in seiner Vita noch fehlte, war jedoch ein Sieg gegen die deutsche Nationalmannschaft.
Jenen Makel beseitigte er am Freitagabend schließlich - und das, obwohl vor dem Spiel einmal mehr die Frage aufkam, welchen Wert er noch für den Europameister von 2016 habe.
"Der Mann ist 40 Jahre alt. Was der spielt, ist Wahnsinn", leitete Ex-Nationalspieler und "ZDF"-Experte Christoph Kramer seine Einschätzung ein.
"Ich glaube, er tut seiner Mannschaft sowohl defensiv als auch mittlerweile offensiv nicht mehr den Gefallen, den er dieser Mannschaft gerne tun würde", lautete das Fazit des Weltmeisters von 2014.
Kramer weiter: "Er glaube auch, dass er mich nochmal Lügen strafen wird, aber langsam ist seine Zeit - und das weiß er auch selber - vorbei."
Noch ist dies aber nicht der Fall, wie er in der Allianz Arena einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis stellte. Der Saudi-Arabien-Legionär war an etlichen gefährlichen Situationen beteiligt, hatte die meisten Ballaktionen im deutschen Strafraum (neun) und gab zudem satte sieben Torschüsse ab.
Den entscheidenden in der 68. Minute, als er zum Siegtreffer einschob. "Auch wenn er weniger macht, er macht alles mit hoher Qualität. Es ist immer wieder ein Genuss, ihm zuzuschauen", sagte "DAZN"-Experte Michael Ballack voller Hochachtung.
Das musste die deutsche Nationalmannschaft im Halbfinale schmerzlich am eigenen Leib erfahren.
picture

Cristiano Ronaldo (Portugal) bejubelt sein Siegtor gegen Deutschland

Fotocredit: Getty Images

3. Ohne den Chef geht's drunter und drüber

Ganze zehn Ausfälle musste die deutsche Nationalmannschaft im Vorfeld des Krachers gegen Portugal verkraften. Einer der schmerzhaftesten war der von Abwehrchef Antonio Rüdiger, der aufgrund einer Meniskus-OP passen musste.
Da auch Nico Schlotterbeck im Defensivverbund (Meniskusriss) ausfiel, musste Nagelsmann hinten umbauen und setzte auf eine Dreierkette, bestehend aus Jonathan Tah, Robin Koch und Waldemar Anton.
Das Trio kam in der einen oder anderen Aktion ins Wackeln und offenbarte - wenig verwunderlich - vermehrt Abstimmungsprobleme. "Es haben zu viele Portugiesen zu viele Räume bekommen", legte "ZDF"-Expertin Fritzy Kromp den Finger in die Wunde.
Bereits in der ersten Halbzeit bekam Pedro Neto auf der linken Außenbahn zu viele Freiheiten und entwischte Tah speziell in Umschaltsituationen immer wieder.
picture

Jonathan Tah (Deutschland) schreit seinen Frust raus

Fotocredit: Getty Images

Im zweiten Durchgang sollte sich die teils fehlende defensive Kompaktheit schließlich rächen. Beim 1:1-Ausgleich ließ der eingewechselte Robin Gosens Portugals umtriebigen Joker Conceicão einfach laufen.
Der 22-Jährige bedankte sich mit einem sehenswerten Distanztreffer (63.), wodurch sich ein Kreis schloss: Conceicãos Vater Sergio hatte bei Portugals letztem Sieg bei der EM 2000 zweimal gegen Deutschland getroffen. "Das war nicht gut von der Stabilität und wie wir standen", bemängelte "ZDF"-Experte Per Mertesacker.
Doch es sollte noch schlimmer kommen: Nur fünf Minuten später rückte Tah aus der Kette raus, Aleksandar Pavlovic kam mit Nuno Mendes nicht hinterher und dieser bediente Ronaldo mustergültig zum Endstand.
"Wir hatten defensiv längst nicht die Galligkeit wie in den letzten Monaten hatten. Wir waren auf einigen Positionen nicht bei 100 Prozent", bilanzierte Nagelsmann.
Dies traf an diesem Abend ohne Zweifel auch auf die Defensive zu.
picture

Flick über Barça: "Wollen unsere Philosophie weiterverfolgen"

Quelle: Eurosport


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung