Nationalmannschaft: Darum braucht die DFB-Elf die Rückkehrer Leon Goretzka und Nadiem Amiri - mehr PS im Maschinenraum
VonLuca Baier
Update 20/03/2025 um 13:59 GMT+1 Uhr
Mit Leon Goretzka und Nadiem Amiri beruft Bundestrainer Julian Nagelsmann zwei Rückkehrer in die Nationalmannschaft. Doch nicht nur die Form des Duos, sondern auch deren sehr gut zueinander passende Qualitäten lassen vor dem Hinspiel im Viertelfinale der Nations League gegen Italien hoffen. Eurosport.de erklärt im Taktik-Check, warum und wie die beiden Sechser das deutsche Spiel verändern können.
Nagelsmann vor Italien-Duell: "Mache jetzt keine Titel-Ansage"
Quelle: Perform
Bundestrainer Julian Nagelsmann bleibt sich treu: Das Leistungsprinzip gilt, Formstärke wird belohnt und daher ist es keine große Überraschung, dass er sowohl Leon Goretzka als auch Nadiem Amiri in die Nationalmannschaft berufen hat.
Während Goretzka fast anderthalb Jahre auf die Rückkehr ins DFB-Team warten musste, waren es bei Amiri sogar knapp fünf Jahre. Warum nun das Umdenken beim Bundestrainer?
Dass ein Spieler, der beim FC Bayern regelmäßig spielt, ein Kandidat für die Nationalmannschaft ist, überrascht grundsätzlich nicht. Dennoch schien Goretzkas Zeit abgelaufen - schließlich galt er in München als heißer Verkaufskandidat.
Der 30-Jährige kämpfte sich jedoch mit viel Leidensfähigkeit zurück und schaffte es beim deutschen Rekordmeister vom Abstellgleis zurück in die Startelf. Auf der Doppelsechs harmoniert er aktuell perfekt mit Joshua Kimmich.
Goretzkas Alleinstellungsmerkmal beim DFB
Immer wieder schaltet er sich offensiv mit ein und kommt mit gutem Timing in oder an den Strafraum. Weil er diese Wege aber mit der gleichen Intensität in der Defensive macht, ist er besonders wertvoll. Goretzka ist hier ein anderer Spielertyp als die zuletzt im DFB-Team gefragten Sechser.
Robert Andrich ist der zweikampfstarke Abräumer vor der Abwehr, Aleksandar Pavlovic hält die Position vor der Kette als Anspielstation, Pascal Groß ist ein weiträumiger Ballverteiler und Kimmich wird, wie bereits von Nagelsmann bestätigt, als Rechtsverteidiger gebraucht.
Goretzka darf sich also berechtigte Hoffnungen auf ein Comeback in die Anfangsformation gegen Italien machen. Neben ihm könnte mit Amiri sogar der zweite Rückkehrer starten. Der 28-Jährige gehört zu den formstärksten Spielern der Bundesliga, denkt und lenkt im Mittelfeld der Überraschungsmannschaft Mainz 05, die in der Tabelle aktuell den dritten Platz belegt.
Amiri hat einen herausragenden rechten Fuß, mit dem er Pässe in die Tiefe spielt, brandgefährliche Standards schlägt und präzise Abschlüsse aus der Distanz abgibt. Ähnlich wie Goretzka hat er einen hohen Aktionsradius, taucht im Spielaufbau auf, hilft auf der Seite aus und rückt vor bis an den Strafraum.
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Leon Goretzka ist beim FC Bayern wieder gesetzt
Fotocredit: Getty Images
So ergänzen sich Goretzka und Amiri
Mit einer Doppelsechs Goretzka-Amiri bekäme das deutsche Spiel deutlich mehr PS auf den Platz, als das in der Vergangenheit in diesem Mannschaftsteil der Fall war.
Lange Zeit war es klar, dass ein Sechser sich zu den Innenverteidigern fallen lässt (oftmals Toni Kroos) und der andere die Position vor der Kette hält (z.B. Kimmich, Groß, Andrich). Die neue Kombination wäre deutlich weniger statisch und brächte neue Elemente ins Spiel.
Beide Spieler sind laufstark und können sehr große Räume abdecken, das heißt sowohl vertikal als auch horizontal eingreifen in Ballbesitz und in der Defensive.
Gegen den Ball agieren sie weniger abwartend, stellen also nicht primär die Passwege zu, sondern suchen die direkten Zweikämpfe - lediglich Anton Stach von der TSG 1899 Hoffenheim hat mehr offensive Ballgewinne unter allen deutschen Mittelfeldspielern.
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Nadiem Amiri spielt mit Mainz 05 eine überragende Saison
Fotocredit: Getty Images
Goretzka überragt bei tiefen Läufen
Während Amiri herausragende Fähigkeiten beim offensiven Passspiel hat, kommt Goretzka wie kaum ein anderer Spieler selbst in die Tiefe.
Laut Daten des Anbieters Impect überspielt Amiri mehr gegnerische Verteidiger als alle anderen Sechser der Bundesliga, Goretzka hingegen ist hinter Werder Bremens Jens Stage der Sechser, der am häufigsten hinter der gegnerischen Abwehr angespielt wird.
Eurosport-Check: Dass sowohl Goretzka als auch Amiri einen Lauf haben, lässt sich nicht wegdiskutieren. Dass ihre Fähigkeiten sich klar von den anderen DFB-Sechsern abheben, aber eben auch nicht. Der Zug zum Tor in Kombination mit der Aggressivität gegen den Ball wird der Nationalelf gegen die cleveren Italiener mit ihrem phasenweise einschläfernden Spiel gut tun. Dem Bundestrainer ist durchaus zuzutrauen, dass er sogar beide Rückkehrer zusammen aufbietet - und darauf setzt, dass Goretzka und Amiri mit viel Power zeigen, dass man zu lange auf sie verzichtet hat.
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