Nationalmannschaft: Havertz, Wirtz und Musiala zocken gegen Ungarn groß auf - der erste Schritt in eine goldene Zukunft

Deutschland hat Ungarn bei der Nations League in Düsseldorf mit 5:0 vom Platz gefegt - und das im ersten Spiel nach einem größeren Umbruch im Kader. Jamal Musiala, Kai Havertz, Florian Wirtz und Co. machen Hoffnung auf mehr und auf eine goldene Zukunft für die deutsche Nationalmannschaft unter Julian Nagelsmann. Der noch größere Härtetest für das junge Team folgt gegen die Niederlande.

Nagelsmann schwärmt von "Wusiala" und glaubt an Ballon d'Or

Quelle: Perform

Es hätte den Party-Song aus den Boxen im Grunde gar nicht gebraucht. Früher musste ein Stadion-DJ nach Spielen der deutschen Nationalmannschaft einen Hit anspielen und so laut aufdrehen, dass er manches übertönte - sowohl nach schmeichelhaften Erfolgen oder auch nach kümmerlichen Niederlagen. An diesem schwül-heißen Spätsommerabend in der stickigen Arena von Düsseldorf sangen die Fans des DFB-Teams nach Abpfiff des 5:0 über Ungarn voller Inbrunst und Dankbarkeit lauthals "Oh, wie ist das schön!"
Die Spieler gingen auf eine Genießer-Ehrenrunde, während nach dem Major-Tom-Klassiker "Völlig losgelöst" auch noch eine Mitgröl-Version von "Oh, wie ist das schön!" gespielt wurde. Dabei wäre dieses Feierlied ein Selbstläufer gewesen, auch ohne Anheizer über die Mikrofone.
Ein Selbstläufer – damit hatte man nicht gerechnet zum Auftakt in die Nations-League-Gruppenphase als es am Samstagabend gegen Ungarn, aktuell auf Rang 31 der Fifa-Weltrangliste, ging. Nur eine der letzten vier Begegnungen gegen die Magyaren hatte das DFB-Team seit Sommer 2021 gewinnen können, das Duell bei der Heim-EM in Stuttgart (2:0).
Doch der Angstgegner- oder zumindest: unangenehme Widersacher - erhielt in Spiel eins nach der Heim-EM eine gewaltige Abreibung einer völlig losgelöst aufspielenden Mannschaft von Julian Nagelsmann.

Nagelsmann: "Macht Spaß, zuzuschauen"

"Die Mannschaft macht das schon gut, und es macht Spaß, ihr dabei zuzuschauen", sagte ein sichtlich stolzer Bundestrainer und betonte: "Wir haben uns sehr viele Großchancen herausgespielt, kommen oft vor das Tor. Der einzige Kritikpunkt ist, dass wir noch einige Chancen ausgelassen haben. Man hat aber die Lust am Siegen gespürt. Diese Lust, dieser Fleiß, das wollen wir sehen. Wir haben dadurch direkt wieder eine Verbindung zu den Fans hergestellt."
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Wirtz (l.) und Musiala jubeln über das Tor zum 3:0

Fotocredit: SID

Dank der grandiosen Zauber-Show des DFB-Magierduos "Wusiala". Knapp zwei Monate nach dem bitteren EM-Aus durch das 1:2 nach Verlängerung gegen Spanien boten die beiden Offensivspieler: Spektakel, Spielwitz und fünf Tore.
Jamal Musiala, der ein Tor selbst erzielte und drei (!) Vorlagen lieferte, sowie sein Kumpel Florian Wirtz (ein Tor und eine Vorlage) waren die überragenden Akteure. Mittelstürmer Niclas Füllkrug traf zum 1:0, der eingewechselte Aleksandar Pavlovic zum 4:0 und der zuvor mit zwei Lattentreffern unglückliche Kai Havertz besorgte per Elfmeter den 5:0-Endstand.

Was kommt nach der Rücktrittswelle?

Und das alles nicht nur in Spiel eins der Gruppenphase eines Wettbewerbs, in dem die Motivation nicht automatisch und selbstverständlich erscheint wie bei einer Heim-EM. Dazu kommt der prominente Aderlass, ein Einschnitt.
Der personelle Umbruch nach der Rücktrittswelle mit den Abschieden von Spielmacher Toni Kroos, Kapitän Ilkay Gündogan, Mentalitätsminister Thomas Müller und Torhüter Manuel Neuer brauchte nach dem Saisonstart, bei dem nach dem Urlaub und Vorbereitung der Fokus naturgemäß auf den Vereinen liegt, eine Initialzündung, einen Startpunkt von etwas Großem. Das hat schon mal funktioniert.
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Jamal Musiala und Florian Wirtz

Fotocredit: Getty Images

"Eine Euphorie kann man nur entfachen, wenn man Spiele gewinnt. Von daher wussten wir, dass dieses Spiel für uns sehr wichtig wird", meinte der neue Kapitän Joshua Kimmich. Unterm Strich ein gelungener Neuanfang, bei dem es schien, dass die jüngeren Spieler erlöst schienen, nun endlich die Wucht und den Druck des Lebensereignisses Heim-EM nicht mehr zu spüren.

Kein Weltmeister mehr im Kader

Füllkrug, frisch ernanntes Mannschaftsratsmitglied, hatte im Vorfeld von einem "krass veränderten" Team gesprochen, dabei wirkte es in Düsseldorf so, als hätten einige Spieler sogar eher davon profitiert, dass die Altstars um Kroos & Co, die Platzhirsche, die letzten Weltmeister im Team nun zur Vergangenheit zählen.
Die Erinnerung an den WM-Triumph von 2014 nehmen Neuer, Müller & Kroos mit in ihre DFB-Rente. "Wir haben keinen mehr dabei im Kader, der Weltmeister geworden ist", sagte Kimmich in den Tagen vor dem Ungarn-Spiel. Der neue Kapitän stellte fest: "Wir haben noch ein paar Confed-Cup-Sieger dabei. Aber es kann keiner sagen, dass er schon einmal einen Titel für Deutschland gewonnen hat."
2017 holte eine Perspektiv-Mannschaft unter Bundestrainer Joachim Löw in Russland den mittlerweile abgeschafften Pokal, der dem WM-Gastgeber zur Generalprobe diente. Außer Kimmich von damals heute noch dabei: Die neue Nummer eins, Marc-André ter Stegen, Benjamin Henrichs, Antonio Rüdiger, Emre Can und Sandro Wagner, nun Nagelsmanns Assistent.

"Das ist ein Geschenk"

Doch neue Helden müssen ihre eigenen Geschichten schreiben, sich den Weg zu einem ganz großen Titel mit vielen kleinen, aber auch spektakulären Erfolgen wie dem 5:0 gegen Ungarn pflastern. Allen voran Jamal Musiala vom FC Bayern und sein dicker Kumpel Florian Wirtz, beide erst 21 Jahre jung.
"Das ist schon schwer zu stoppen. Wir sind echt glücklich, die beiden Jungs auf dem Niveau bei uns in der Truppe zu haben", schwärmte Oldie Füllkrug und meinte: "Das ist ein Geschenk. Da werden alle deutschen Zuschauer in den nächsten Jahren sehr viel Spaß dran haben."
Für Musiala eher die pure Gewohnheit, nichts Besonderes eben. "Es hat richtig viel Spaß gemacht, es macht immer Spaß, mit Flo zu spielen", sagte Musiala, "nach ein, zwei Toren, wenn wir beide im Rhythmus sind und Selbstbewusstsein haben, können wir rumzocken den ganzen Abend. Es macht immer Spaß, mit Flo beim DFB rumzuzocken." Oder wie es Füllkrug ausdrückte: "Es war dann ein Genuss, das zu sehen, als die beiden noch einmal richtig Lust bekommen haben."

Der Ballon d'Or: Zwei Kandidaten

Nagelsmann ist derjenige, der dieses doppelte Geschenk erhalten hat und nun hegen und pflegen muss. "Das Talent haben sie. Sie können alles, sie müssen gesund bleiben", sagte der Bundestrainer und hob zu einer kleinen Lobrede an: "Den Fleiß, den sie haben, der ist entscheidend. Nicht jeder Lauf ist sinnvoll, aber sie sind viel unterwegs. Sie holen viele Bälle, auch defensiv. Beides sind nette, normale Typen. Keiner ist abgehoben. Beide haben das Potenzial, den Ballon d'Or zu gewinnen." Ach ja, da war doch was.
In der Liste der 30 besten Fußballer der Vorsaison für den "Ballon d’Or", veranstaltet vom Fachmagazin "France Football" fehlt Jamal Musiala. Dieser Goldene Ball gilt als die prestigeträchtigste individuelle Auszeichnung im Fußballsport.
Dass er in dieser Hinsicht ignoriert wurde, schien den gebürtigen Stuttgarter zusätzlich angestachelt zu haben. Ihn, einen der Torschützenkönige der EM. Womöglich war das 5:0 gegen Ungarn mit vier Scorerpunkten das beste seiner bislang 34 Länderspiele.
Wer aber Musiala und Wirtz sagt, muss auch Musiala, Wirtz und Kai Havertz nennen. Der neue Vize-Kapitän ging viele weite Wege, öffnete Räume und war torgefährlich wie selten. Von Nagelsmann gab es ein Extra-Lob für den Angreifer des FC Arsenal, der auch erst 25 Jahre alt ist: "Kai hat in den letzten zwei Jahren einen großen Schub gemacht. Er hat das Potenzial zur Weltklasse auf vielen Positionen. Er läuft unglaublich viel und ist sehr clever geworden. Ihm fehlt manchmal ein bisschen das Abschlussglück. Das Co-Kapitänsamt tut ihm gut. Er ist ein schlauer Mensch, sehr reflektiert. Er ist sehr bescheiden. Ich hoffe, dass er weiter an sich glaubt."
Damit das Trio "Hawirtziala" die DFB-Fans lange begeistert, am besten schon am Dienstag, wenn es im zweiten Gruppenspiel der Nations League in Amsterdam gegen die Niederlande geht.

Der Stresstest folgt in Amsterdam

Da wartet ein ganz anderes Kaliber auf das neu formierte DFB-Team mit der veränderten Hierarchie. Ein echter Belastungstest. "Ich freue mich schon", sagte Nagelsmann. "Holland hat eine sehr gute Mannschaft. Die Einzelspieler haben großes Potenzial, sie spielen sehr variabel."
Wie die deutsche Nationalelf. Havertz, Wirtz und Musiala müssen - auch mit Blick auf die WM 2026 in Nordamerika - beweisen, dass ihr außergewöhnlicher Auftritt am Samstag keine Eintagsfliege war.
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Nagelsmann: "DFB-Team muss Fans Spaß machen"

Quelle: Perform


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