WM 2024: Saudi-Arabien bekommt Fußball-Weltmeisterschaft - umstrittene FIFA-Vergabe fix, Endrunde 2030 in sechs Ländern

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2034 findet in Saudi-Arabien statt. Trotz der heftigen Kritik von Menschenrechtsorganisationen und aus der Politik wurde die Endrunde beim virtuellen Kongress des Weltverbands FIFA am Mittwoch an den Wüstenstaat vergeben. Die Endrunde im Jahr 2030 wird in gleich sechs Ländern - Spanien, Portugal und Marokko sowie Uruguay, Argentinien und Paraguay - ausgetragen.

FIFA gibt Gastgeber für die WM 2030 bekannt

Quelle: Perform

Triumphierend und unermüdlich klatschte Gianni Infantino bei der WM-Krönung Saudi-Arabiens in Richtung des gewaltigen Screens.
Die überwältigende Mehrheit der Verbandschefs in den winzigen Videokacheln, darunter auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf, tat es dem allmächtigen FIFA-Boss artig gleich - und bestätigte mit dem freundlichen Applaus das, was für niemanden mehr eine Überraschung war.
Nach einem Vergabeprozess, der Kritiker auf den Plan gerufen und etliche Fragen aufgeworfen hat, erhielt Saudi-Arabien den Zuschlag für 2034 - genau wie das Drei-Kontinente-Turnier für 2030.
Infantinos "Masterplan" ist aufgegangen, in gewohnt pathetischer Art schwärmte er - und dankte allen Beteiligten für den "historischen Kompromiss".

Infantino freut sich über "historischen Kompromiss"

Einer, der die "Welt vereinen" werde, sagte der FIFA-Boss, der den Deal Kritikern zufolge bereits vor über einem Jahr geschickt eingefädelt hatte. Es sei "eine Botschaft der Einheit in einer geteilten Welt".
Aus Sicht von Amnesty International ist es dagegen eine "rücksichtslose Entscheidung", die "viele Menschenleben gefährden" werde.
Die Warnungen von Menschenrechtlern oder Fan-Organisationen angesichts der Menschenrechtslage in Saudi-Arabien im Vorfeld des digitalen Kongress des Weltverbandes am Mittwoch waren jedoch verhallt.
Die Doppelvergabe per zustimmendem Applaus statt einer getrennten Abstimmung an den schwerreichen Wüstenstaat sowie an Spanien, Portugal und Marokko gemeinsam mit Argentinien, Paraguay und Uruguay für das Turnier vier Jahre zuvor galt als Formsache.

Neuendorf: Widerspruch hätte "nichts verändert"

Eine Reihe von einstimmig beschlossenen Maßnahmen im FIFA-Council, dem auch DFB-Präsident Neuendorf angehört, hatte Saudi-Arabien in einem beschleunigten Prozess den Weg geebnet.
Darunter fällt etwa die Zusammenlegung der beiden Bewerbungen für die WM 2030, kurze Fristen, die Gegenkandidaturen für 2034 erheblich erschwert hatten, aber auch die Vergabe der beiden Turniere im Doppelpack. Es ist ein Verfahren, das auch wegen des skandalumwitterten Zuschlags an Russland und Katar der Vergangenheit angehören sollte.
Am Dienstag hatte es noch einen Protest vor der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main gegeben ("NO TO SAUDI ARABIA 2034"). Doch Widerspruch hätte aus Sicht Neuendorfs "nichts verändert". Der DFB-Chef, der anders als bei der WM in Katar wie andere europäische Verbände auf FIFA-Linie liegt, bezeichnete eine Ablehnung im Vorfeld als "reine Symbolpolitik".
Er argumentierte: Der DFB hätte sich "aus dem Spiel genommen", hätte er eine ablehnende Haltung eingenommen. Man müsse mit der FIFA "darauf hinwirken, dass sich die Situation in Saudi-Arabien verbessert".

Warnung vor "unvorstellbaren menschlichen Kosten"

Der norwegische Verband (NFF) kritisierte dagegen, dass der Vergabeprozess nicht den Reformen des Weltverbandes aus dem Jahr 2016 entsprochen habe. Mit der Ablehnung setze ihr Verband ein "bewusstes Signal, dass wir den Ansatz der FIFA nicht unterstützen können", sagte NFF-Präsidentin Lise Klaveness. Die norwegische Haltung solle zudem im Kongress-Protokoll festgehalten werden.
Die FIFA bescheinigt Saudi-Arabien jedenfalls eine "einmalige, innovative und ambitionierte Vision", im jüngsten Prüfbericht wird unter anderem von einem "mittleren Risiko" beim Blick auf die Menschenrechte ausgegangen.
Amnesty International spricht daher von "einer erstaunlichen Schönfärberei", Human Rights Watch warnt vor "unvorstellbaren menschlichen Kosten" mit Blick auf die Vorbereitungen auf das Turnier.

In Saudi-Arabien droht erneute Winter-WM

Hinrichtungen werden in Saudi-Arabien durchgeführt, die Rechte von Frauen sind massiv eingeschränkt, Homosexualität steht unter Strafe, bei der Pressefreiheit steht das Königreich weltweit hinter Russland oder Katar.
Die Situation in dem Land, dem der Mord an dem regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi vorgeworfen wird, wird teilweise noch kritischer als vor der WM 2022 beschrieben.
Dazu gelten die klimatischen Bedingungen im Sommer als riskant, wie bereits in Katar dürfte in Saudi-Arabien im Winter gespielt werden.
Für das Turnier sind umfangreiche Baumaßnahmen nötig wie beispielsweise elf neue und vier renovierte Stadien, mehr als 185.000 neue Hotelzimmer und ein umfangreicher Ausbau des Verkehrsnetzes.

Turnier 2030 in sechs Ländern, drei Kontinenten und über sechs Wochen

Seit einigen Jahren investiert Saudi-Arabien über den staatlichen Public Investment Fund (PIF) Milliarden in den Sport, die dänische Initiative "Play the Game" hat 910 Partnerschaften des Königreichs in verschiedenen Sportarten ausgemacht.
In die FIFA wird etwa über den staatlichen Öl-Konzern Aramco seit diesem Jahr Geld gepumpt. Kritiker werfen dem Weltverband unter Infantino vor, dass sie den großen Geldgebern hörig ist.
Während fast alles auf Saudi-Arabien schaut, birgt auch die WM 2030 Gesprächsstoff. 100 Jahre nach der Premieren-WM 1930 in Uruguay finden die ersten drei Turnierspiele in Südamerika statt, über sechs Wochen soll sich das Turnier erstrecken.
Dazu stellen sich Fragen zu den Themen Nachhaltigkeit, Organisation, aber auch Menschenrechte.
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(SID)
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Quelle: Perform


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