WM 2034 - Heftige Kritik nach Vergabe der Weltmeisterschaft nach Saudi-Arabien: Prozedere sei "eine Farce"

Ein breites Bündnis aus Menschenrechtsorganisationen, Fangruppierungen und Gewerkschaften hat die Vergabe der Fußball-WM 2034 nach Saudi-Arabien heftig kritisiert. Die am Mittwoch beim Kongress des Weltverbands FIFA getroffene Entscheidung sei "brandgefährlich", die "Menschenrechtspolitik der FIFA entpuppe sich als Täuschung", sie sei eine "Farce", hieß es in einer Mitteilung.

FIFA gibt Gastgeber für die WM 2030 bekannt

Quelle: Perform

Diese wurde unter anderem von Amnesty International, Human Rights Watch und den Football Supporters Europe unterzeichnet.
"Die FIFA kann nicht behaupten, dass sie von den massiven Risiken nichts wusste, die mit der Austragung ihrer wichtigsten Veranstaltung in einem Land verbunden sind, das die Menschenrechte mit Füßen tritt. Dasselbe gilt für die nationalen Fußballverbände, die für diese Entscheidung gestimmt haben", ließen die Kritiker wissen:
"Es ist offensichtlich, dass die WM 2034 von Unterdrückung, Diskriminierung und Ausbeutung im großen Stil geprägt sein wird, wenn nicht sofort Gegenmaßnahmen eingeleitet und umfassende Reformen angegangen werden."
Die Organisationen kündigten an, "in den kommenden zehn Jahren die Menschenrechtsgemeinschaft auf der ganzen Welt mobilisieren, um sicherzustellen, dass die Menschenrechtsverletzungen bei dieser Weltmeisterschaft nicht ignoriert werden".

Politik kritisiert WM-Vergabe: "Dysfunktionale FIFA"

Weite Teile der deutschen Politik haben die Vergabe der Fußball-WM 2034 nach Saudi-Arabien heftig kritisiert. Vor allem Vertreter der gescheiterten Ampel-Koalition im Bundestag machten ihrem Unmut über die Entscheidung beim Kongress des Weltverbands FIFA am Mittwoch Luft. Dagegen fordert die CDU/CSU-Fraktion eine "faire Chance" für Saudi-Arabien.
"Ich kann die Vergabe politisch nicht gutheißen. Saudi-Arabien ist, was das Thema Menschenrechte angeht, mindestens genauso problematisch wie Katar", sagte Sabine Poschmann in ihrer Rolle als Sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion:
"Generell ist das System, wie die FIFA mit Vergaben operiert, inakzeptabel, da man bei abweichendem Stimmverhalten Nachteile für sich selbst befürchten muss. Auch, dass mittlerweile wieder gleichzeitige Vergaben mehrerer Turniere möglich sind und die FIFA damit ihre eigene Reform rückgängig gemacht hat, ist kein gutes Zeichen für die Zukunft."

Grüne: "Trauriger Abschluss" eines "inszenierten Spiels"

Noch deutlicher wurden die Grünen. "Der Prozess zur Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2034 der Männer nach Saudi-Arabien markiert eine ernüchternde Rückkehr zu alten Mustern: fehlende Transparenz, mangelnder Wettbewerb und Hinterzimmerabsprachen, die jede demokratische Kontrolle vermissen lassen", ließen Philip Krämer (stellvertretender Vorsitzender und Obmann im Sportausschuss) und Boris Mijatovic (Sprecher für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe) wissen: "Die heutige Entscheidung ist der traurige Abschluss eines von langer Hand vorbereiteten und inszenierten Spiels."
Für die Grünen ist die FIFA "in sich dysfunktional", der Deutsche Fußball-Bund (DFB) müsste sich deshalb stärker engagieren: "Grundsätzlich ist nachvollziehbar, dass der DFB nicht in Fundamentalopposition zu den internationalen Verbänden stehen kann. Dennoch fordern wir eine klarere Positionierung gegen die autoritären und korrupten Vorgänge in der FIFA."
Philipp Hartewig, sportpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, bezeichnete das Prozedere als "eine Farce. Nach Katar hatte die FIFA versprochen, keine Doppelvergaben mehr zu machen. Genau eine solche findet jedoch heute statt", sagte er in einer Mitteilung.
"Der Bewerbungsprozess wurde so konstruiert, dass Saudi-Arabien für 2034 auf jeden Fall den Zuschlag erhält", merkte Hartewig an: "Die FIFA-Reformen von vor zehn Jahren sind damit zu einem zahnlosen Tiger verkommen."

Grüne kritisieren DFB - Union will Saudi-Arabien "faire Chance geben"

In Richtung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der seine Zustimmung für die Vergaben vor wenigen Tagen öffentlich gemacht hatte, erteilte der 30 Jahre alte Politiker einen Ratschlag: "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um kritische Töne zu äußern. Die vorgetäuschten Integritätsansprüche der FIFA schaden dem Fußball insgesamt."
Anders sieht es die Union. "Sicherlich gibt es in Saudi-Arabien mit Blick auf die Menschenrechte Verbesserungsbedarf, aber es wurden zum einen bereits Reformen umgesetzt und zum anderem ist der freiheitliche demokratische Rechtsstaat, in dem wir leben dürfen, auch nicht über Nacht in Deutschland entstanden", betonte der Sportpolitische Sprecher Stephan Mayer: "Wir sollten Saudi-Arabien eine faire Chance geben; moralische Belehrungen mit erhobenem Zeigefinger aus unserem Land sind sicherlich nicht hilfreich."
Zudem "sollten wir uns hüten, über den Deutschen Fußball-Bund wegen seiner Zustimmung zur WM-Vergabe vorschnell moralisch zu urteilen", äußerte Mayer: "Denn jede andere Position des DFB hätte mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer langanhaltenden Isolation in der internationalen Fußballwelt geführt."

Auch internationale Stimmen kritisieren FIFA

"Die FIFA verkauft ihre Seele für die Milliarden aus Saudi-Arabien. Ein hässlicher Tag für das schöne Spiel", kommentierte die Zeitung "USA Today" die Entscheidung der FIFA-Mitgliedsverbände um den Deutschen Fußball-Bund (DFB) vom Mittwoch.
Ähnlich deutlich wurden die Briten. "Groteske Verbeugung der FIFA vor Saudi-Arabien - der feigste Ausverkauf in der Geschichte des Sports", schrieb der "Telegraph". Der Guardian meinte: "Die Schamlosigkeit des Vorgehens der FIFA wurde in Zürich in einer Demonstration der Verachtung für Regierungsführung, Demokratie, Liebe, Hoffnung und gesunden Menschenverstand deutlich."
In der Heimat der FIFA und deren Präsidenten Gianni Infantino wird ebenfalls gescholten. Nach Ansicht des Tagesanzeigers habe sich Infantino die FIFA "perfekt auf sich maßgeschneidert, damit er seine Großmachtträume verwirklichen" könne: "Der Walliser hat eine offensichtliche Vorliebe für Autokraten entwickelt, die Putins und Trumps dieser Welt, für den Emir von Katar oder Mohammed bin Salman, den Kronprinzen von Saudi-Arabien. Geld lockt ihn an, das hat er schon mehrmals bewiesen."
Die finanziellen Hintergründe werden auch in Schweden angeprangert. "Ein neuer, korrumpierter Entscheidungsprozess, eine neue Geschwindigkeitserhöhung, um den geopolitischen und wirtschaftlichen Schwingungen zu folgen", schreibt Aftonbladet: "Hier gibt es das Geld, hier gibt es Öl, also geht der Fußball dorthin."
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(SID)
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Quelle: Perform


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