Mario Götze muss liefern: Wie Bambi im Scheinwerferlicht
Jens Lehmann zerpflückt Mario Götze für dessen Leistung beim Spiel Norwegen gegen Deutschland nach allen Regeln der Kunst. Das stellt den Nationalspieler bloß - und fordert förmlich eine Gegenreaktion ein. Das Problem: Götze polarisiert anno 2016 kaum mehr. Dabei war das immer auch ein Gütesiegel. Eine Meinung zum Fall Götze von Florian Bogner.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Natürlich war es ein bisschen viel. Sich auf einen Spieler zu stürzen, einen einzelnen nach einem souveränen 3:0-Sieg rauszunehmen und zu zerpflücken - das war schon ein bisschen fies von Jens Lehmann nach dem Spiel Norwegen gegen Deutschland.
Rein inhaltlich hat Lehmann jedoch nichts Falsches gesagt. Als TV-Experte wird er dafür bezahlt, seine Meinung abzugeben. Lehmann kritisierte Götze dabei mit Vehemenz, aber im Großen und Ganzen sachlich. Auch wenn es am Ende wie eine echte One-Man-Schelte rüberkam.
Mario Götze polarisiert nicht mehr
Mario Götze steht damit mal wieder im Scheinwerferlicht. Steht er eigentlich schon immer, spätestens seit seinem Tor im WM-Finale 2014. Das Problem ist nur: Götze, 24, polarisiert fast nicht mehr. Das "Lasst Mario!"-Lager ist deutlich kleiner geworden.
Mittlerweile sind sich Fans und Experten sogar ziemlich einig darüber, dass das, was der Mann in den letzten Monaten auf dem Fußballplatz zeigt, viel zu wenig ist. Gemessen am Potenzial des Offensivspielers.
Lehmann hat ihn nun verbal ziemlich angeschossen. Und damit indirekt eine Gegenreaktion verlangt. Denn Götze, der von Bundestrainer Joachim Löw bis hierher immer protegiert wurde, muss nun liefern. Sonst laufen ihm auch in der Nationalmannschaft andere (Julian Brandt! Max Meyer!) den Rang ab.
Thomas Tuchel schont und schützt Götze
Bei Borussia Dortmund ist es derweil längst nicht so klar, dass er in dieser Saison eine Hauptrolle spielen wird - dafür gibt es genügend hungrige Konkurrenz im Team. Trainer Thomas Tuchel tut vielleicht ganz gut daran, ihn erst mal nur langsam aufzubauen, ihn eben nicht gleich der Kritik auszusetzen.
Bei den bisherigen Pflichtspielauftritten des BVB war Götze außen vor; geschont. Beschützt?
Das Gute ist ja: Mit Löw und Tuchel hat Götze nun wieder zwei Mentoren, die ihn aufbauen können. Löw berichtete in Norwegen von sichtlichen Veränderungen an Götzes Körpersprache - das Lachen, dass er in den letzten Monaten beim FC Bayern München offensichtlich verloren hatte, sei zurück.
"Er wird noch ein paar Spiele brauchen. Wenn er die hat, wird Mario Götze auch wieder der Spieler sein, den wir kennen", forderte Löw Geduld ein. Ähnlich hatte es auch Tuchel formuliert.
Man wünscht sich einen Ausbruch von Mario Götze
Doch Götze muss auch selbst den Anschein erwecken, die öffentliche Kritik - nicht nur von Lehmann - anzunehmen. Auf dem Platz - und vor dem Mikrofon. Man wünscht sich förmlich mal ein Interview, in dem Götze mal etwas Selbstkritisches entfleucht.
Stattdessen grinst Götze oft Anfragen in diese Richtung weg, garniert sie mit Phrasen. Ein Zeichen großer Verunsicherung, ganz klar. Aber eben auch wenig authentisch.
Auf Lehmanns Kritik antwortete er in Oslo übrigens mit einer Gegenfrage: "Hat er irgendwelche Statistiken gesehen?", sagte Götze da. Und: "Sehr interessant…"
Noch interessanter ist nun allerdings, ob Götze auch auf dem Platz eine Reaktion zustande bringt.
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/18/image-ec453673-a7e8-4c9b-a566-6689a5fb6276-68-310-310.jpeg)