Deutschland in der WM-Quali auf Island: Torfestival soll keine Eintagsfliege bleiben

Nach den Siegen gegen Liechtenstein und Armenien strebt die deutsche Nationalmannschaft in der WM-Quali das "Triple" gegen Island an. Dort, wo einst Rudi Völler sein legendäres "Weißbier-Interview" ("Ich kann diesen Scheiß nicht mehr hören") mit Moderator Waldemar Hartmann führte. 18 Jahre später tritt die DFB-Elf dank des 6:0-Galaauftritts gegen Armenien mit neu entfachter Euphorie an.

Hansi Flick (M.) strebt den dritten Sieg in Folge an

Fotocredit: Getty Images

Hansi Flick ruht in sich - und fürchtet auch auf der Vulkaninsel keinerlei Eruptionsgefahr. Ein emotionaler Ausbruch wie bei Rudi Völlers legendärem Auftritt in der "ARD" vor fast genau 18 Jahren sei für ihn in Island "nicht vorstellbar, definitiv nicht", sagte der neue Bundestrainer und lächelte milde. Das liege zum einen an dem TV-Experten Lothar Matthäus, mit dem er gut befreundet ist, und überhaupt "würde ich das in der Form nie machen".
Bei der bislang letzten Reise der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf die Insel im Nordatlantik war Völler nach einem ernüchternden 0:0 vor einem Millionen-Publikum der Kragen geplatzt ("Scheißdreck!"). Von einem "absoluten Tiefpunkt" war die Rede.
Flick dagegen flog beflügelt von der neu entfachten Euphorie rund um die DFB-Auswahl zum WM-Qualifikationsspiel am Mittwoch (ab 20.45 Uhr im Liveticker).
"Wir sind absolut happy mit dem, was bei uns gerade passiert", sagte Flick, obwohl er in Reykjavik auf Marco Reus (Knieprobleme) verzichten muss. Doch auch ohne den Dortmunder habe er im Abschlusstraining noch in Stuttgart abermals "eine hohe Bereitschaft" gespürt, "den Ball früh zurückzugewinnen und unter Druck gute Lösungen zu finden". Das, betonte er zufrieden, "war einfach gut".

Goretzka: "Armenien-Spiel soll keine Eintagsfliege bleiben"

Wie das 6:0 gegen Armenien nach dem Stotter-Start der Ära Flick gegen Liechtenstein (2:0), mit dem die neue Nationalmannschaft das Publikum für sich einnahm. "Wir wollen unter Beweis stellen, dass das keine Eintagsfliege war", sagte Leon Goretzka. Damit Attribute wie Tempo, Spielwitz und Leidenschaft nach zwei herben Turnier-Enttäuschungen wieder fest mit der Nationalelf assoziiert werden.
Aus Stuttgart wurde sie am Dienstag von 50 kreischenden Teenies ("Leon, wir lieben Sie!") verabschiedet. Flick und die Stars genossen die Begeisterung, standen für Selfies bereit und gaben Autogramme. Sportlich sieht Flick die Auswahl nach sieben Trainingstagen auf einem guten Weg. "Die Spielidee - man hat das Gefühl, die Mannschaft hat das Ganze verinnerlicht", sagte er. Der deutlich aktivere Ansatz "tut uns gut".
Der neue Chef ist davon so sehr überzeugt, dass er dem Gegner nur nebenbei Beachtung schenkt. "Es ist entscheidend, dass wir wissen, welche Qualität wir haben", sagte Flick und betonte das Wir, "da ist es mir nicht wichtig, wer gegenüber ist."
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Goretzka unterstreicht: Thema Katar "bei uns sehr präsent"

Quelle: Perform

Reus-Ersatz: Gündogan, Havertz oder Musiala

In Sachen Startelf gab Flick erneut keinerlei Aufschluss. Für Reus, meinte Goretzka, könnten Ilkay Gündogan, Kai Havertz oder Jamal Musiala auf der Zehn spielen: "Da sind wir hervorragend aufgestellt, können uns als deutsche Fußballnation glücklich schätzen."
Havertz ist nach seinem Infekt ebenso dabei wie Robin Gosens, der seine Fußverletzung überstanden hat. Beide seien einsatzfähig, sagte Flick, der Ridle Baku aus dem Kader strich. "Er hätte es genau so verdient gehabt, aber es sind nur 20 plus drei berechtigt zu spielen", sagte er bedauernd.
Erst am Spieltag im Grand Hotel mit Meerblick will Flick seine Spieler auf den Gegner einstellen. Die Nordmänner, in der Gruppe J acht Punkte hinter Tabellenführer Deutschland Vorletzter, seien kopfballstark und "bei Standards sehr kreativ. Da müssen wir höllisch aufpassen", warnte Flick.

Hansi Flick: Nicht immer nur lieb und nett

Wenn das nicht gelinge, könne er seine Anweisungen auch ohne verbalen Ausbruch durchaus scharf rüberbringen, sagte Flick: "Wenn Sie meinen, ich bin lieb und nett, mag das stimmen. Aber ich kann die Dinge auch anders gestalten, wenn es notwendig ist."
Goretzka, Flicks Schüler schon in München, ist jedenfalls gewarnt. "Wir sollten zusehen", sagte er in Anlehnung an den wütenden Völler, "dass Hansi nach dem Spiel nicht in eine ähnliche Situation gerät."
(SID)
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Goretzka über Völlers Island-Wutrede: Neue Ausraster verhindern

Quelle: Perform

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