Nach dem positiven Corona-Test von Jonas Hofmann stand Deutschlands Auftaktpartie in die WM-Qualifikation gegen Island einige Stunden vor Anpfiff noch auf der Kippe. Von Unsicherheit fehlte bei der DFB-Elf, deren letztes Länderspiel das 0:6 gegen Spanien in der Nations League war, aber jede Spur.
Die Mannschaft begann dominant und erzielte das Führungstor, ohne dass Island auch nur einmal richtig in Ballbesitz kam. Joshua Kimmich chippte den Ball hinter die Abwehr, dort legte Serge Gnabry den Ball mit dem Rücken zum Tor ab. Leon Goretzka lief ein und verwandelte per Direktabnahme zum 1:0 (3.).
Und die Hausherren legten sofort nach. Erneut leitete Kimmich den Angriff mit einem Steilpass in die Schnittstelle ein. Leroy Sané passte von der Grundlinie in den Rückraum auf den freistehenden Kai Havertz, der zwischen zwei isländischen Verteidigern hindurch zum 2:0 einschoss (7.).
WM-Qualifikation
"HUMAN RIGHTS": Das DFB-Team setzt ein Zeichen
25/03/2021 AM 20:16
Die Deutschen blieb dominant und hatte stets über 80% Ballbesitz. Immer wieder schafften sie es, durch präzisen Kombinationsfußball Lücken in die isländische Abwehr zu reißen, auch wenn die großen Chancen ausblieben.
Der erste und einzig nennenswerte Angriff der Gäste hätte allerdings schon den Anschlusstreffer bringen können. Nach einem Einwurf gelangte Runar Sigurjonsson im Strafraum an den Ball und schloss ab. Antonio Rüdiger fälschte den Ball noch mit der Hacke ab, wodurch die Kugel haarscharf am langen Pfosten vorbeisegelte (27.).
Kurz vor der Pause hatte Rüdiger dann offensiv noch eine starke Aktion. Sein Kopfball nach einer scharf geschlagenen Flanke von Kimmich verfehlte das Tor knapp (43.).
Zur zweiten Halbzeit kam Island mit deutlich mehr Energie aus der Kabine. Die Gäste erhöhten das Risiko und liefen deutlich früher an. Das führte auch zu ersten Torannäherungen, die aber ohne große Gefahr blieben.
Genau in diese Druckphase machte Ilkay Gündogan dann aber das 3:0 (56.). Mit einer Körpertäuschung ließ der England-Legionär zwei Gegenspieler aussteigen und traf aus 20 Metern flach ins linke Eck. Die Isländer gaben zwar nicht auf, doch nach und nach rissen die Deutschen wieder die Kontrolle an sich.
Gnabry hätte sogar noch den vierten Treffer erzielen können, traf aber aus halblinker Position nur den Pfosten (70.). Danach spielten die Deutschen die Partie souverän zu Ende.
So blieb es beim hochverdienten 3:0-Erfolg, der den Deutschen ein gutes Gefühl mit Blick auf die nächsten Spiele geben wird.

Die Stimmen:

Joachim Löw (Bundestrainer): "Größtenteils bin ich schon zufrieden, wir haben schon sehr schwungvoll und dynamisch begonnen. Wir wollten gleich ein Zeichen setzen. Die Mannschaft hatte von Anfang an die richtige Einstellung. Der Sieg war insgesamt souverän, wir haben wenige Chancen zugelassen. In der zweiten Hälfte haben wir zu viele Pässe nach hinten gespielt. Ein 3:0 ist souverän, logischerweise sehe ich aber Verbesserungsmöglichkeiten in unserem Spiel."
Manuel Neuer (Deutschland): "Es war ein positives Zeichen. Wir haben uns alle darauf gefreut, das erste Spiel in 2021 spielen zu dürfen. Es war ein tolles Signal, darauf können wir aufbauen."
Leon Goretzka (Deutschland): "Ich bin einfach froh, meinen Teil beizutragen. Wir haben uns fest vorgenommen, dass man die Leidenschaft auf dem Platz sieht. Dass wir alle sehr zu schätzen wissen, für unser Land spielen zu dürfen. Wir wollten unbedingt Emotionen reinkriegen. Dass man vor dem Fernseher sieht, dass da elf Jungs auf dem Platz stehen, die richtig Bock haben. Das hat gut geklappt."
Kai Havertz (Deutschland): "Es war insgesamt ein schweres Spiel, es war schwer, durchzukommen. Es war insgesamt ein verdienter Sieg. Es war uns von vornherein klar, dass sich die Isländer hinten rein stellen werden, das war dann auch so. Wir haben es aber relativ gut gemacht, wir können zufrieden sein."
Ilkay Gündogan (Deutschland): "Es war wichtig, gut ins Spiel zu starten. Wir haben den Ball gut laufen gelassen, es war eine Reaktion. Aber ich glaube, dass wir einen Maßstab an uns selbst haben sollten. Wir haben eine gewisse Verantwortung, weil wir die Qualität dazu haben. So sind wir das Spiel angegangen und natürlich froh, dass wir 3:0 gewonnen haben."
Uli Hoeneß (TV-Experte bei "RTL"): "Nicht nur das Ergebnis hat mich überzeugt, sondern die Art und Weise, wie es zustande gekommen ist. Die Mannschaft hat so engagiert gespielt, wie man sich das vorgestellt hat. Sie hat läuferisch alles geboten, sie hat spielerisch Akzente gesetzt. So habe ich mir das vorgestellt - ich bin total zufrieden."

Das fiel auf: Herzstück Kimmich stellt Löw vor Luxusprobleme

In Abwesenheit von Toni Kroos (Adduktorenprobleme) riss Joshua Kimmich im Mittelfeld ganz klar die Kontrolle an sich. Der Bayern-Star zog die Fäden, leitete fast alle gefährlichen Angriffe ein und koordinierte die übrigen Mannschaftsteile. Die ersten beiden Tore ermöglichte der 25-Jährige mit starken Pässen, mit denen er die isländische Abwehr aushebelte. Insbesondere das Zusammenspiel mit seinen Münchner Teamkollegen funktionierte blendend. Bereits nach 81 Minuten knackte Kimmich die Marke von 150 Pässen. Aber auch Ilkay Gündogan, der sich bei Manchester City seit Wochen in überragender Verfassung befindet, zeigte eine vorbildliche Leistung. Damit dürfte Jogi Löw mit Blick auf die EM vor eine schwierige Entscheidung gestellt werden, wem er als Mittelfeldchef das Vertrauen schenken will.

Der Tweet zum Spiel:

Vor dem Spiel setzte die Mannschaft ein Zeichen. Die Botschaft geht auch in Richtung des WM-Gastgebers Katar, wo immer wieder Menschenrechtsverstöße bekannt wurden.

Die Statistik: 113

In der 79. Spielminute war es soweit. Nach dem langen Tauziehen um Toptalent Jamal Musiala, das der DFB gegenüber dem englischen Verband für sich entschied, feierte der 18-Jährige sein Debüt. In der langen Ära von Bundestrainer Joachim Löw ist er bereits der 113. Debütant.
Das könnte Dich auch interessieren: Der Fall Draxler: Was Löws Aussagen für den PSG-Star bedeuten

"Größte Diskriminierung, die man kriegen kann": Popp über den Vogel-Eklat

Premier League
Rüdiger schwärmt von Tuchel - und hebt "besten deutschen Spieler" hervor
25/03/2021 AM 17:58
Süper Lig
Fenerbahce zieht Konsequenzen: Özil-Klub entlässt Trainer
25/03/2021 AM 17:25