Nationalmannschaft: Flicks Start gegen Liechtenstein wurde zu einer schweren Geburt - nur Musiala sticht heraus
Publiziert 03/09/2021 um 09:51 GMT+2 Uhr
Stotterstart statt Schützenfest der Nationalmannschaft: Das Debüt von Hansi Flick als Bundestrainer wurde gegen Liechtenstein zu einer schweren Geburt. Nur Jamal Musiala und die Sorgenkinder Timo Werner und Leroy Sané konnten gegen das Fürstentum in der WM-Qualifikation zumindest halbwegs überzeugen. "Nichts hat so wirklich funktioniert", klagte Joshua Kimmich - eine klare Steigerung ist Pflicht.
Bundestrainer Hans Dieter-Flick
Fotocredit: Getty Images
Schnell waren sie weg, die Sieger. Die deutsche Nationalelf machte Platz für die Sieger der Herzen an diesem Septemberabend in St. Gallens Kybunpark und überließ den Gastgebern aus Liechtenstein die Bühne für ihre umjubelte Ehrenrunde vor den knapp 8000 Fans.
Ein 0:2 gegen Deutschland, gegen den viermaligen Weltmeister ist ein riesiger Erfolg für die Nummer 189. der Fifa- Weltrangliste. Die Liechtensteiner verteidigten in Ihrem Schweizer Exil (das Heimstadion in der Hauptstadt Vaduz bekommt derzeit eine Rasenheizung eingebaut) clever und aufopferungsvoll ihren Strafraum samt Tor mit elf Mann - um ein Debakel zu verhindern.
Der Plan ging auf, der Traum in Erfüllung.
Fünf Minuten nach Spielende kehrten die Gewinner - vom Papier her und für die Tabelle der WM-Qualifikation - nochmals raus auf den Platz, um sich beim Publikum zu bedanken. Imagepflege sollte dann doch sein, wenn man schon spielerisch nicht überzeugen konnte.
Beim höchst minimalistischen 2:0 trafen Timo Werner und Leroy Sané. Gegen das Fürstentum, den sechstkleinsten Staat der Erde mit lediglich knapp 40.000 Einwohnern (darunter 2000 Fußballer, von den überhaupt nur drei Profis sind), tat sich das Aushängeschild des DFB (mit fast 7,1 Millionen Mitgliedern der mitgliederstärkste Sportverband der Welt) lange Zeit äußerst schwer.
Kimmich klagt: "War eigentlich kein Fußballspiel"
Spiel eins der Ära des neuen Bundestrainers Hansi Flick, der auf die 15-jährige Ära von Joachim Löw nachfolgte, war: sehr zäh und langatmig. "Intensität und Leidenschaft" wolle Flick sehen und "dass man sofort spürt: die Mannschaft zerreißt sich auf dem Platz".
Nun ja - aller Anfang ist schwer. Es wurde eine schwere Geburt beim so lautstark verkündeten Neunanfang. Das sah auch Aushilfskapitän Joshua Kimmich (in Abwesenheit des angeschlagene Manuel Neuer und des verletzten Thomas Müller) so, der meinte: "Das war ja eigentlich kein Fußballspiel. Es ist schwierig, dieses Spiel zu bewerten." Und Kimmich, der zum als klarer Sechser zum Chefstrategen im Mittelfeld aufgerückt, tat es dann doch: "Natürlich haben wir uns vorgenommen, mehr Tore zu machen. Wir haben uns schwergetan. Es war komisch, schwierig, der Gegner hat dermaßen tief verteidigt, das habe ich so fast noch nie erlebt. Nichts hat so wirklich funktioniert."
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Flick-Debüt: Zähes 2:0 für Deutschland
Fotocredit: SID
Flick bemängelt fehlendes Vertrauen
Eine ehrliche Analyse. Klar, dass Flick um Nachsicht und Milde warb nach dem Stotterstart.
Zu Beginn steht also ein Pflichtsieg, der keinerlei herbeigeredete Aufbruchstimmung verkörperte und nicht die erhoffte Euphorie nach zwei in den Sand gesetzten Turnieren im Lande auslösen wird. Die abwartende, teils bleierne Spielweise, die zum Achtelfinal-Aus bei der EM (0:2 in England) in diesem Sommer führte, sollte vom frischen Powerfußball made by Flick ersetzt werden. Der 56-Jährige verwies in einem Erklärungsversuch der Leistung von St. Gallen auf diese Phase:
"Man merkt, dass die Mannschaft nicht so das Vertrauen hat, Tore zu erzielen. Wie wir die Chancen herausgespielt haben, war in Ordnung, aber der letzte Pass hat oft gefehlt. Wir haben es versäumt, ein frühes Tor zu machen, Vertrauen reinzubekommen." Das alte Lied unter neuer Führung.
Nationalmannschaft strebt Tabellenführung an
Wie kann das nun mit Blick auf die anstehenden Aufgaben gegen Überraschungstabellenführer Armenien (am Sonntag in Stuttgart) und in Island (Mittwoch) gelingen? "Wir wollen in der Offensive besser agieren und harmonieren. Gegen den Ball war das schon in Ordnung", meinte Flick und forderte: "Wir müssen wir liefern, wenn's zählt."
Was zumindest der 18-jährige Jamal Musiala, der Bierdeckel-Dribbler, der per luchsartiger Bewegung sowie feinem Steckpass die Führung vorbereitete, sowie die Torschützen Werner und Sané taten. "Dass Jamal die Qualität hat, hat er bei Bayern München im letzten Jahr und den letzten Wochen eindrucksvoll bewiesen", freute sich Flick und versprach dem Flügelspieler indirekt weitere Startelfeinsätze: "Er ist immer eine Option."
Neben Musiala konnten Werner und Sané, in ihrem Vereinen Chelsea und bei Bayern zuletzt Sorgenkinder, die auf die Bank saßen und wie Sané von den eigenen Fans ausgepfiffen wurden, Eigenwerbung betreiben. Was Flick freute. "Sie haben schon gezeigt, was für eine Qualität sie haben", meinte der Bundestrainer und lobte: "Timo hat hervorragende Laufwege gehabt, immer wieder versucht, zu starten. Leroy hat es beim zweiten Tor gut gemacht und gezeigt, dass er auf einem guten Weg ist."
Läuft es bei Flick wie 2019 mit Bayern?
Ab dem zweiten Spiel unter Flick müssen mehr Wucht, mehr Esprit und Präzision zu sehen sein. Läuft es nun beim DFB für den gebürtigen Heidelberger ähnlich wie 2019 bei Bayern als er vom Assistenten zum Chef aufstieg, kann eine Leistungsexplosion gegen Armenien eingeplant werden.
Denn auf ein ebenso mühsames und uninspiriertes 2:0 gegen Olympiakos Piräus folgte damals wenige Tage darauf ein kraftvolles und feuriges 4:0 gegen Borussia Dortmund.
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Flick mit klaren Forderungen an Kimmich - und fixer Position
Quelle: Perform
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