Fünf Spiele, fünf Siege, 18:1 Tore. Die deutsche Nationalmannschaft ist unter ihrem neuen Cheftrainer Hansi Flick weiter auf dem Weg zu alter Stärke.
Das 4:0 gegen Nordmazedonien sorgte nicht nur dafür, dass der Tripletrainer des FC Bayern München aus dem Jahr 2020 den Startrekord seines Vorgängers Joachim Löw einstellte, sondern auch für die vorzeitige Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar.
Das DFB-Team, das den Nordmazedoniern im Hinspiel noch mit 1:2 unterlegen hatte, ließ beim Wiedersehen in Skopje zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel daran, dass man das Spiel gewinnen würde.
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Nachdem in der ersten Halbzeit bereits beste Torgelegenheiten ausgelassen wurden, gelang im zweiten Durchgang fast alles. Bundestrainer Flick zeigte sich deshalb hoch zufrieden und lobte die Einstellung seiner Mannschaft.
Drei Dinge, die auffielen.

1. Flicks Defensivexperiment glückt

Gegen Nordmazedonien wartet Flick mit einer fast komplett neuen Viererkette auf. Einzig Niklas Süle blieb aus der Anfangsformation des 2:1-Sieges gegen Rumänien in gleicher Rolle in der Abwehrreihe. Thilo Kehrer rückte für den verletzten Antonio Rüdiger von der Linksverteidigerposition neben Süle in die Innenverteidigung. Rechts ersetzte Lukas Klostermann den Gladbacher Jonas Hofmann (Bank), Kehrers linke Seite übernahm David Raum.
Für den Hoffenheimer war es der zweite Einsatz in der A-Nationalmannschaft - zum ersten Mal durfte der U21-Europameister von Beginn an ran. "Es hat sich brutal gut angefühlt. Ich habe heute Nachmittag erfahren, dass ich spielen darf. Darauf arbeitet man in jedem Training hin. Ich habe probiert, alles reinzuhauen, meine Stärke, das Flankenspiel einzubringen", sagte ein sichtlich stolzer Debütant nach dem Spiel bei "RTL".

David Raum gab gegen Nordmazedonien sein Startelfdebüt in der A-Nationalmannschaft

Fotocredit: Getty Images

In der Tat fiel Raum keineswegs ab, zeigte sich vor allem im ersten Durchgang agil und vielbeinig auf dem linken Flügel. Dass seine Flanken noch nicht die gewohnte Präzision hatten, war das Einzige, das man dem 23 Jahre alten Verteidiger vorwerfen konnte.
Ähnlich souverän agierte der Rest der Viererkette, die insgesamt nur einen einzigen Schuss auf den Kasten von Manuel Neuer zuließ. Eljif Elmas hatte es in der 26. Minute aus zehn Metern halbrechter Position versucht, Deutschlands Nummer eins jedoch vor keine allzu großen Probleme gestellt.
Kehrer und Süle ließen im Zentrum nichts zu, Klostermann hatte auf der rechten Seite zumeist einen ruhigen Abend - gewann, wenn nötig, aber seine Zweikämpfe (70 Prozent).
Und dennoch: Dass sich die Abwehrreihe Klostermann, Süle, Kehrer, Raum in Zukunft noch häufiger in der Startelf wiederfindet, ist unrealistisch. Daran ändert auch ein rundum gelungener Abend in Skopje nichts.

2. FC Chelsea Deutschland

Beim Champions-League-Sieger FC Chelsea spielen derzeit drei deutsche Nationalspieler - zwei von ihnen hatten gegen Nordmazedonien erheblichen Anteil am Erfolg. Rüdiger war es nicht, denn der Stammverteidiger fehlte Flick verletzt. Belieben also noch Kai Havertz und Timo Werner - beides Spieler, die in der Nationalmannschaft nicht immer ihr volles Potenzial abzurufen scheinen.
Am Montagabend in der Tose Proeski Arena gelang dies aber glänzend. In der 50. Minute brachte Havertz das DFB-Team mit seinem sechsten Länderspieltreffer auf die Siegerstraße. Scharf und präzise leitete Serge Gnabry mit einem Steilpass aus der eigenen Hälfte in den Lauf von Thomas Müller vor. Der Münchner legte im Strafraum auf Havertz, der letztlich nur noch aus sieben Metern einschieben musste, quer.
Schon in der ersten Halbzeit war der ehemalige Leverkusener immer wieder durch seine Dribblings, seine Ballsicherheit und das starke Gegenpressing in Erscheinung getreten.
Noch einen Tick beeindruckender verlief der Abend von Werner. Der nach dem Spiel gegen Rumänien zum wiederholten Male in die Kritik geratene Stürmer war gegen Nordmazedonien der Mann des Spiels. Neun Torschüsse gab der Ex-Leipziger ab, zwei davon fanden den Weg ins Tor. In der 70. Minute vollendete er per Volley wuchtig Müllers zweiten Assist, nur drei Minuten später sorgte er mit dem schönsten Treffer des Abends für einen echten Hingucker.

Serge Gnabry (links) und Timo Werner - Deutschland

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Werner nahm die Kugel in der linken Strafraumhälfte mit einem perfekten ersten Kontakt an und zirkelte sie dann unhaltbar für Stole Dimitrievski ins rechte Eck (73.). "Er wurde kritisiert und erzielt zwei Tore - uns was für schöne Tore. Das war die richtige Antwort", lobte "RTL"-Experte Lothar Matthäus nach Spielende zurecht.
Werner selbst hob das Vertrauen seines Trainers hervor, unter dem er nun fünf Tore in fünf Spielen erzielte: "Ich habe schon oft gesagt: Wenn ein Trainer auf einen setzt, dann hilft das jedem Spieler. Gerade ich als Stürmer brauche dieses Vertrauen von außen - und das gibt er (Hansi Flick, Anm. d. Red.) mir zu 100 Prozent."
Blüht Werner unter Flick weiterhin so auf, dürfte er sich endlich auch in der Nationalmannschaft der Form nähern, die ihn einst zum derzeit besten deutschen Stürmer machten.

3. Ein wohltuender Blick in die Zukunft

Die Talentdichte im deutschen Fußball ist dieser Tage bei Weitem nicht so dicht, wie sie es im ersten und zweiten Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende war. Nationen wie Frankreich und England haben dem DFB in dieser Kategorie aktuell sicher einiges voraus. Und trotzdem muss einem um die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft nicht Angst und Bange werden - denn in der Spitze gibt es sehr wohl frisches Blut, das in naher Zukunft europaweit für Furore sorgen könnte.
In der zweiten Halbzeit gab Flick mit den Einwechslungen von Karim Adeyemi (19), Jamal Musiala (18) und Florian Wirtz (18) eine Kostprobe. Vor allem Wirtz, der mit vier Toren und fünf Assists in Europas Topligen derzeit zusammen mit Mohamed Salah (auch neun Socerpunkte) hinter Karim Benzema (16 Scorerpunkte) und Erling Haaland (11 Scorerpunkte) auf dem dritten Platz der Scorerliste steht, ist derzeit in aller Munde.

Deutschland gewinnt 4:0 in Nordmazedonien

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Gegen Nordmazedonien kam das Supertalent in der 61. Minute für Leon Goretzka ins Spiel und assistierte in der 73. Minute Werner zum 3:0. Sein zweiter Assist im vierten Länderspiel.
Auch die anderen beiden Teenager schafften es auf die Anzeigetafel. In der 83. Minute spielte der pfeilschnelle Adeyemi einen perfekt getimten Ball in den Lauf von Musiala, der selbigen in vollem Tempo mitnahm und aus zwölf Metern vorbei an Dimitrievski ins untere rechte Eck schob.
Der erste Länderspieltreffer für den Youngster des FC Bayern, der einmal mehr unter Beweis stellte, wie weit er mit seinen 18 Jahren schon jetzt ist. Zumindest beim Blick auf Flicks drei Teenager muss man als Fan der deutschen Nationalmannschaft also keine Angst vor der Zukunft haben.
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