WM-Qualifikation: Deutschland - Liechtenstein: Einzelkritik zum ersten Länderspiel unter Hansi Flick

Spiel eins unter Flick wird nicht in die Geschichte eingehen. Nur Musialas Startelfeinsatz war historisch. Der Bayern-Youngster war auch der einzige Lichtblick in einer schwachen Mannschaft. Auch Sane lässt seine Klasse in Momenten aufblitzen. Gündogan konnte seine Chance im Zentrum anstelle von Goretzka einmal mehr nicht nutzen. Flicks erster Debütant kommt aus Leverkusen.

Jamal Musiala im DFB-Dress

Fotocredit: Getty Images

Die deutsche Nationalmannschaft hat unter dem neuen Bundestrainer Hansi Flick ihr erstes Spiel gewonnen. In der WM-Qualifikation setzte sich die DFB-Elf gegen Liechtenstein mit 2:0 durch.
Der Mannschaft fehlte es gegen den Fußballzwerg jedoch an Tempo und Ideen.
Einzig Bayern-Youngster Jamal Musiala war ein Lichtblick. Auch Leroy Sané überzeugte in einigen Momenten. Ilkay Gündogan ließ mal wieder eine Chance liegen.

Einzelkritik zu Liechtenstein - Deutschland:

Bernd Leno: Normalerweise sind seine Länderspielreisen eher Trainingseinheiten, Neuer gibt ja kein Spiel freiwillig her und Marc-Andre ter Stegen ist die Nummer zwei. Ohne die beiden verletzten Stammkeeper kam der Torhüter des FC Arsenal zu seinem neunten Länderspiel. Das verlief gegen die überforderten Liechtensteiner aber ähnlich ereignislos wie seine gewohnte Rolle als Zuschauer auf der Bank. Musste keinen Ball halten.
Ridle Baku (bis 60.): Schon bei der EM fragten einige Beobachter, ob er nicht die Lösung für das Problem auf der rechten Außenverteidigerposition gewesen wäre. Löw ließ ihn daheim, er überzeugte bei der U21-EM. Wirkte in seinem zweiten Länderspiel sehr zaghaft. Seinen Läufen fehlte es an Dynamik, dazu mit schwachen Hereingaben.
Niklas Süle: Da Liechtenstein so gut wie nicht nach vorne kam, gab es hinten nicht viel zu tun. Hielt sich meistens zwischen gegnerischem Strafraum und Mittellinie auf. Spielte dort die Bälle meist von einer Seite zur anderen, seine Bälle in die Spitze waren erfolglos. Ebenso seine Fernschüsse, die er mit zunehmender Spielzeit ansetzte. Vergab auch eine gute Kopfballchance.
Thilo Kehrer: Für ihn gilt dasselbe wie für Süle. Als Verteidiger nicht wirklich gefragt und im Offensivspiel musste er schauen, den Mittelfeldspielern nicht auf den Füßen zu stehen. Für ihn die spannendste Frage: Darf er auch gegen Armenien statt Antonio Rüdiger ran?
Robin Gosens: Kam gut in die Partie und hatte gute Kombinationen mit Sane auf links. Hatte mit einem Kopfball an den Pfosten Pech (18.). Rannte sich danach aber immer wieder fest. Hatte Glück, dass er für seine Grätsche gegen Wolfinger nicht Gelb sah, sonst wäre er gegen Armenien gesperrt gewesen.
Joshua Kimmich: In Abwesenheit von Neuer Kapitän. Hätte das Spiel früh in die richtige Richtung lenken können, scheiterte aber am starken Liechtensteiner Keeper Büchel (3.). Brachte als Chef und Organisator im Mittelfeld auch nur selten Tempo ins Spiel. Immerhin versuchte er sich mal an raumüberbrückenden Spielverlagerungen. Insgesamt für seine Verhältnisse verhalten.
Ilkay Gündogan: Ließ vor der Partie durchblicken, dass er mit seiner Rolle und Position bei der EM nicht ganz zufrieden war. Stand auch gegen Liechtenstein im Schatten von Kimmich und überzeugte nicht. Hielt den Ball in vielen Situationen zu lange, verlagerte nicht schnell und rückte auch nur selten mit in den Strafraum auf. Schwache Fernschüsse.
Jamal Musiala (bis 60.): Im sechsten Länderspiel zum ersten Mal von Anfang an. War damit der jüngste deutsche Startelfspieler seit Uwe Seeler 1957. Schien auch etwas nervös und leistete sich anfangs leichte Ballverluste. Bekam dann aber Sicherheit in sein Spiel und suchte immer wieder das Eins-gegen-eins. Bereitete mit einem fast schon typischen Dribbling das 1:0 vor.
Kai Havertz (bis 60.): Auf der Zehn wohl mit der undankbarsten Aufgabe. In der Mitte gab’s überhaupt keinen Raum. Ließ sich deshalb immer wieder auf Höhe der Sechser fallen, um überhaupt mal an den Ball zu kommen. Sein Beitrag zum Spiel ging über Querpässe aber nicht hinaus.
Leroy Sane: Kam trotz des tief stehenden Gegners gleich zu Beginn auf links zweimal gut hinter die letzte Linie und bereitete zwei Topchancen von Kimmich (3.) und Werner (6.) vor. Wechselte dann früh mit Musiala die Seiten. Verzettelte sich dann zunehmend in uninspirierten Einzelaktionen. Leistete sich so leichte Ballverluste. Was man ihm zugutehalten muss, war immer bemüht, offensiv etwas zu bewegen. Erzielte mit einer guten Bewegung das 2:0. Ganz schwach: seine Ecken.
Timo Werner: Bekam etwas überraschend die Chance als Mittelstürmer. Hatte früh die Chance auf die Führung (6.), war danach quasi nicht am Spiel beteiligt. Bis zur Pause nur mit 9 Ballaktionen, immerhin spielte ihm Musiala kurz vor dem Seitenwechsel noch einen Ball in den Lauf, den er souverän durch die Beine von Büchel ins Tor schob. In Hälfte zwei dann noch weniger eingebunden, tauchte erst in der 75. Minute mit einer missglückten Kopfballchance wieder auf.
Marco Reus (ab 60. für Musiala): Bei seiner Rückkehr lief das Spiel weitgehend an ihm vorbei. Seine Mitspieler müssen sich erst wieder an seine Läufe gewöhnen. Kam zu einem gefährlichen Abschluss, sein Schuss ging aber ans Außennetz. Nach Kimmichs Auswechslung dann noch Kapitän.
Serge Gnabry (ab 60. für Havertz): Hatte einmal Platz für einen Tempolauf auf rechts, bekam dann den Ball von Sane aber unsauber serviert. Blieb ansonsten ohne Wirkung.
Jonas Hofmann (ab 60. für Baku): Trieb zwar den Ball auf rechts immer wieder nach vorne, wusste dann mit dem Ball aber wenig anzufangen. Fand mit Gnabry auch in der Positionierung keine gute Abstimmung.
Leon Goretzka (ab 73. für Gündogan): Spielte den Pass vor Sanes Treffer zum 2:0, kann somit einen Assist für sich verbuchen.
Florian Wirtz (ab 82. für Kimmich): Der erste Debütant der Ära Flick.
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Flick mit klaren Forderungen an Kimmich - und fixer Position

Quelle: Perform

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