Deutschland blamiert sich in der Slowakei - Drei Dinge, die in der WM-Qualifikation auffielen: Kein Zugriff, kein Plan, kein Biss
Update 05/09/2025 um 10:50 GMT+2 Uhr
Historische Blamage für die deutsche Nationalmannschaft: Das DFB-Team verliert in Bratislava 0:2 gegen die Slowakei - die erste Auswärtsniederlage in einer WM-Qualifikation überhaupt. Defensiv chaotisch, offensiv ideenlos, im Mittelfeld ohne Zugriff. Bundestrainer Julian Nagelsmann reagiert angefressen und steht nach der dritten Pflichtspielpleite massiv unter Druck. Drei Dinge, die auffielen.
Peinlich! DFB-Elf blamiert sich in der Slowakei
Quelle: Perform
Keine Spur von Dominanz - stattdessen ein Abend zum Vergessen. Deutschland ist mit einem Albtraumstart in die WM-Qualifikation gegangen. In Bratislava setzte es ein hochverdientes 0:2 (0:1) gegen die Slowakei - die erste Auswärtsniederlage überhaupt in einer WM-Qualifikation.
Die Pleite gegen den Weltranglisten-52. ist mehr als nur ein Ausrutscher: Sie ist bereits die dritte Pflichtspielniederlage in Serie.
David Hancko brachte die Slowaken in der 42. Minute in Führung, David Strelec legte kurz nach der Pause nach (55.) - beide Male nach eklatanten Abwehrfehlern.
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Damit steht die Mannschaft von Julian Nagelsmann früh massiv unter Druck. Am Sonntagabend (20: 45 Uhr im Liveticker) in Köln ist gegen Nordirland ein Sieg Pflicht, denn nur der Gruppenerste bucht das direkte Ticket für die WM in den USA, Kanada und Mexiko. Danach wartet Luxemburg, eigentlich eine machbare Aufgabe. Doch nach diesem Fehlstart sind die Zweifel größer denn je.
Drei Dinge, die uns in Bratislava auffielen.
1.) DFB wird zerlegt und vorgeführt
Nagelsmann war der Frust im TV-Interview deutlich anzumerken. Er bemängelte "fehlende Emotionalität" bei seinen Spielern, konnte aber auch eine gewisse Ratlosigkeit nicht kaschieren.
Er wusste schließlich: Dieses 0:2 war nicht Pech, sondern die logische Konsequenz für eine Mannschaft, die in allen Bereichen den Zugriff verlor. Schon in der ersten Hälfte offenbarten sich eklatante strukturelle Probleme.
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Die rechte Seite war die Sollbruchstelle: Debütant Nnamdi Collins zeigte zunächst Mut und Tempo, doch sein Stellungsspiel war naiv, die Abstände zum Gegenspieler stimmten nicht. Immer wieder konnte Leo Sauer genau in diesen Raum stoßen, die Slowakei Überzahl herstellen und Tempo aufnehmen. Die Restverteidigung war nicht vorbereitet, die Kette verschob zu langsam, sodass die Slowakei nach Ballgewinnen mit wenigen Kontakten in die gefährlichen Bereiche kam.
Nagelsmann reagierte, brachte zur Pause David Raum und später Karim Adeyemi - eine Maßnahme, die Stabilität und mehr Wucht bringen sollte. Doch die taktischen Probleme blieben bestehen. Der Sechserraum war verwaist. Das Duo Kimmich/Stiller harmonierte gar nicht. Dadurch fehlte im Zentrum der Zugriff, zweite Bälle gingen verloren, die Slowakei schaltete sofort um.
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Joshua Kimmich konnte dem Spiel auf der Sechserposition nicht seinen Stempel aufdrücken
Fotocredit: Getty Images
Das zweite Gegentor war sinnbildlich: Deutschland war im Umschalten unsortiert, Antonio Rüdiger ließ sich von David Strelec regelrecht vorführen. Eine Abwehr mit diesem Anspruch darf sich so nicht auseinanderbrechen.
Auch offensiv blieb es Stückwerk. Zu wenig Abschlüsse, zu wenig Tiefenläufe, keine klaren Dreiecke auf dem Flügel, kaum Strafraumbesetzung. Wirtz versuchte es immer wieder, blieb aber isoliert, Woltemade war kein Faktor, Adeyemi setzte keine Akzente. So entstand ein desolates Gesamtbild: ein lahmes Zentrum, eine instabile Abwehr, ein zahnloser Angriff.
Deutschlands Spielaufbau war statisch, das Pressing uneinheitlich, die Tempowechsel fehlten komplett. Die Slowakei nutzte das gnadenlos aus - und gewann am Ende völlig verdient. Diese Niederlage zeigte die strukturellen Defizite schonungslos auf. Es bleiben mehr Fragezeichen als Antworten.
2.) Quo vadis, Nagelsmann? Vom Heilsbringer zum Sorgenkind
Julian Nagelsmann war der Mann, der die Nationalmannschaft aus dem Dornröschenschlaf geweckt hat. Neue Energie, moderner Fußball, Euphorie - alles war plötzlich möglich. Doch dieses Spiel zeigt: Der Funke ist erloschen.
Was als Aufbruch begann, wirkt wie ein Strohfeuer. Statt Spielfreude gibt es Statik, statt Mut den nächsten Rückschritt. Das Interesse der Fans droht schon wieder zu verpuffen. Das Bittere: An Qualität mangelt es nicht.
Wirtz zeigt zwischendurch durchaus seine Magie, Kimmich versucht verzweifelt, das Team anzutreiben. Der Rest wirkt passiv, lässt es geschehen. Die auf dem Papier so starke Innenverteidigung mit Tah und Rüdiger geht angesichts des slowakischen Sturms unter.
Gnabry enttäuscht schon wieder, das Debüt von Collins geht in die Hose. Woltemade war trotz seiner stattlichen Größe nahezu unsichtbar.
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Julian Nagelsmann sieht mit so einer Leistung die WM-Quali in Gefahr
Fotocredit: Getty Images
Das tut weh, wenn man sieht, wie dagegen die Slowaken mit Herz und Hingabe um jeden Meter kämpfen. Und Nagelsmann? In der ersten Hälfte ließ er Goretzka phasenweise auf einer Linie mit Woltemade agieren, das riss im Spielaufbau ein Loch, das im Zentrum niemand stopfen konnte, auch weil Kimmich neben Tah den Quarterback geben musste.
Die Folge: ein Spielaufbau, der quälend langsam wirkte. "Das dauert zu lang. Da ist keine Vision, keine Kreativität. Wir haben keinen Spieler, der mal einen Ball über 30, 40 Meter spielen kann. So kannst du so eine Mannschaft nicht knacken. Keine Torgefahr, kein Esprit", kritisierte "ARD"-Experte Bastian Schweinsteiger.
Von der versprochenen "neuen deutschen Mentalität" keine Spur. Fakt ist: Nagelsmann steht unter Druck. Seine Bilanz lässt sich nicht mehr schönreden. Aus dem frischen Wind ist ein laues Lüftchen geworden. Wenn er jetzt nicht schnell das Potenzial des deutschen Teams wieder sichtbar macht, dann war seine Amtszeit nichts weiter als eine kurze Episode der Hoffnung. Und das wäre das eigentliche Debakel.
3.) Respekt für die Slowakei: Struktur, Mut, Entwicklung
Die Slowakei zeigte gegen Deutschland eine Vorstellung, die Plan und Leidenschaft perfekt vereinte. Zwei kompakte Viererketten machten die Räume eng, die Abstände stimmten, das Verschieben war synchron. Immer wieder nutzten sie Pressingfallen auf der rechten deutschen Seite, provozierten Ballverluste und schalteten sofort um.
Leo Sauer war der Fixpunkt: Der erst 19-Jährige forderte Collins in fast jedem Duell, suchte das Eins-gegen-Eins, brachte Tempo ins Spiel und band die deutsche Defensive permanent. Es war eine reife Leistung der Slowakei mit der nötigen Entschlossenheit in den Zweikämpfen und den feurigen Fans im Rücken.
"Wir haben immer an uns geglaubt. Es ist einfacher für uns, wenn wir unser Pressing aufziehen können. Das Entscheidende waren unsere Zweikämpfe und unsere Laufbereitschaft", analysierte Hancko. Diese Reife kommt nicht von ungefähr.
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Hatalmas meglepetés a vb-selejtezőn, Szlovákia két góllal legyőzte Németországot
Fotocredit: AFP
Unter Trainer Francesco Calzona hat die Slowakei seit 2022 einen klaren Weg eingeschlagen. Aus einer unbeständigen Mannschaft wurde ein taktisch diszipliniertes Team mit stabiler Achse: Milan Škriniar und Hancko geben der Abwehr Sicherheit, Lobotka zieht als zentraler Sechser die Fäden, davor sorgt ein junges Offensivtrio für Wucht und Tempo.
Bei der EM 2024 schlug man Belgien in der Gruppenphase, scheiterte erst unglücklich an England in der Nachspielzeit des Achtelfinals - ein Achtungserfolg, der Selbstvertrauen gab. Calzona predigt Respekt, aber keine Angst.
Die Slowaken agieren kompakt, setzen klare Pressing-Trigger und nutzen jeden Ballgewinn für vertikale Angriffe. Wer sie weiterhin nur über Einsatz und Leidenschaft definiert, unterschätzt sie: Dahinter steckt ein präziser Plan. Und mit dem Sieg gegen Deutschland hat die Slowakei ein dickes Ausrufezeichen in dieser Qualifikationsgruppe gesetzt.
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