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Vor 50 Jahren: Das Jahrhundertspiel zwischen Deutschland und Italien
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Publiziert 17/06/2020 um 09:42 GMT+2 Uhr
Am 17. Juni 1970 bestritten Deutschland und Italien das WM-Halbfinale im Azteken-Stadion von Mexiko-Stadt. Ein Halbfinale, das aufgrund seiner Dramatik und einer unfassbar offensiven Spielweise in der Verlängerung beider Teams zum Klassiker wurde. Die Partie ging als Jahrhundertspiel in die Annalen ein. In Deutschland wurde nicht nur das Spiel, sondern auch ein Kommentator-Spruch zur Legende.
"Ausgerechnet Schnellinger" - Karl-Heinz Schnellinger erzielt im WM-Halbfinale 1970 gegen Italien das 1:1 in der Nachspielzeit und bringt Deutschland in die Verlängerung
Fotocredit: Imago
Die Gedenktafel am Estadio Azteca von Mexiko-Stadt lässt keine Zweifel: "Partido del Siglo!", also "Jahrhundertspiel" steht in Erinnerung an jenes denkwürdige WM-Halbfinalduell zwischen Deutschland und Italien (3:4 n.V.) am 17. Juni 1970 im Azteken-Stadion geschrieben.
Ein Spiel, das die vielen Millionen TV-Zuschauer weltweit und die 102.444 Fans in Mexikos Fußball-Tempel von den Sitzen riss. Bei 50 Grad im Schatten und in der dünnen Luft von 2240 Metern über dem Meeresspiegel gingen die Spieler beider Teams über ihre physischen Grenzen, lieferten sich vor allem in der Verlängerung einen offenen Schlagabtausch, den es auf diesem Niveau noch nicht gegeben hatte.
Dass die Azzurri am Ende im Thriller nach 120 Minuten die Oberhand behielten, war eigentlich zweitrangig, denn der Fußball war an diesem Tag der große Gewinner. Trotz der bitteren Niederlage war es daher für Wolfgang Overath "die schönste WM aller Zeiten".
"Alemania, Alemania"-Sprechchöre für die Verlierer
Die mexikanischen Fans feierten den Verlierer, das DFB-Team, mit "Alemania, Alemania"-Sprechchören. Die deutsche Elf hatte durch den 3:2-Viertelfinalsieg nach 0:2-Rückstand gegen Titelverteidiger England in Leon unglaublich große Popularität im Land der Azteken erlangt.
Der Spielverlauf im Halbfinale war total verrückt. Roberto Boninsegna (8.) hatte die italienischen Defensivspezialisten früh in Führung gebracht. Die Deutschen um die Stars Franz Beckenbauer, Uwe Seeler, Overath und Gerd Müller rannten trotz der Strapazen des England-Matches unbeirrt an - doch lange Zeit ohne Erfolg.
"Ausgerechnet Schnellinger"
Als der mexikanische Schiedsrichter Arturo Yamasaki in der zweiten Minute der Nachspielzeit die Pfeife zum Abpfiff bereits an den Mund führte, schaffte Italien-Legionär Karl-Heinz Schnellinger vom AC Mailand den nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich. Der Ausspruch "Ausgerechnet Schnellinger" von ARD-TV-Live-Kommentator Ernst Huberty wurde zur Legende.
Schnellinger sagte später im "SID"-Interview: "Für mich war es einfach der Beweis, dass ich ein guter Profi war. Ohne dieses Tor hätte man mich vergessen." Dieser Treffer, der fiel, als Bundestrainer Helmut Schön dem Sport-Informations-Dienst (SID) - wie "dfb.de" berichtet - an der Bank schon ein Interview gab, folgte die berühmteste Verlängerung der Fußball-Geschichte. Ein Drama im Minutentakt, weil beide Teams sich aller taktischen Fesseln entledigten und voll auf Sieg spielten.
Beckenbauer: "Das Größte, was ich bisher erlebt habe"
Die DFB-Auswahl ging in der Verlängerung durch Müller in Führung (94.), die Italiener schlugen zurück und schafften durch Tarcisio Burgnich (99.) und Gigi Riva (104.) die Wende. Nochmals traf Müller (110.) zum 3:3, doch Mittelfeldstar Gianni Rivera (111.) schaffte im Gegenzug den Siegtreffer, die Azzurri brachten das 4:3 über die Zeit.
"Wembley war schon gut, aber das hier war das Größte, was ich bisher erlebt habe", sagte "Kaiser" Beckenbauer, der einen Muskelriss in der Schulter erlitten und mit einer Armschlinge durchgespielt hatte.
"Dieses Spiel ist unvergleichbar. Es bleibt ein Souvenir in meinem Herzen. Das sind Momente, die vergisst man nicht mehr", äußerte Italiens Stürmerstar Riva. Und Kapitän Sandro Mazzola räumte ein: "Deutschland war durch das Viertelfinale gegen England extrem geschwächt. Hätten sie nicht zuvor schon 120 Minuten auf 1800 Höhenmeter spielen müssen, hätten sie wahrscheinlich nicht verloren."
Die Spielinfos zum Jahrhundertspiel:
Italien - Deutschland 4:3 (1:1, 1:0) n.V.
Italien: Albertosi - Burgnich, Rosato (91. Poletti), Facchetti - Bertini, de Sisti, Cera - Boninsegna, Mazzola (46. Rivera), Domenghini, Riva.
Deutschland: Maier - Vogts, Patzke (66. Held) - Beckenbauer, Schnellinger, Willi Schulz - Grabowski, Seeler, Gerd Müller, Overath, Löhr (53. Libuda).
Schiedsrichter: Yamasaki (Mexiko)
Tore: 1:0 Boninsegna (8.), 1:1 Schnellinger (90.+2), 1:2 Gerd Müller (94.), 2:2 Burgnich (99.), 3:2 Riva (104.), 3:3 Gerd Müller (110.), 4:3 Rivera (111.)
Zuschauer: 102.444 in Mexiko-Stadt
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(SID)
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