FC Bayern: "Sorgenkind" Lucas Hernández findet nicht in die Spur

Lucas Hernández kam vor der Saison für 80 Millionen Euro zum FC Bayern, sollte eine Schlüsselrolle übernehmen. Doch vieles lief ganz anders. Knapp ein Jahr nach seinem vielbeachteten Transfer an die Isar hat der Franzose mehr Tiefen als Höhen erlebt und ist mehr Ergänzungsspieler als Leistungsträger. Auch Abschiedsgerüchte ranken sich um den Weltmeister. Die nächsten Wochen werden entscheidend.

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Hansi Flick atmete tief durch.
Wie denn der Stand bei Lucas Hernández sei, wurde der Bayern-Trainer am Tag vor dem drittletzten Saisonspiel des Bald-Meisters in Bremen gefragt. Und ganz so einfach fiel Flick die Antwort nicht. Denn es ist kompliziert.
Der Weltmeister hat in dieser Saison 16 Bundesliga-Partien für die Bayern bestritten, davon nur neun von Beginn an. Beim Heimsieg gegen Mönchengladbach spielte er mal, überzeugen konnte er aber nicht - mal wieder.
"Ich bin mit ihm soweit zufrieden, dass er engagiert ist und sich einbringen will", holte der Bayern-Coach also etwas aus und verteilte erstmal ein wenig Zuckerbrot. Es sei aber auch Fakt, dass "man als Spieler einen Rhythmus braucht, das konnte ich ihm leider in dieser Form noch nicht geben."
Die Gründe dafür sind vielfältig.

Viel Pech zu Beginn der Hernández-Zeit in München

Hernández kam verletzt in München an, spielte sich dann aber erst an die Mannschaft heran und unter Niko Kovac auch in die Startelf. Dann verletzte er sich schwer. Am 26. Oktober Riss das Innenband im Sprunggelenk. Die meiste Zeit danach verbrachte der Franzose in der Reha.
Und während er für sein Comeback schuftete, wurde erst sein Förderer Kovac durch Hansi Flick ersetzt, bevor sich die Mannschaft mit neuformierter Viererkette in einen Rausch spielte.
David Alaba rückte in die Abwehr, Alphonso Davies schoss auf der linken Seite empor. Die Hierarchien verschoben sich und wurden neu gebildet, auch taktisch stellte sich die Mannschaft neu auf. Beide Hernández-Positionen sind seitdem besetzt.

Alaba und Davies gesetzt - Süle vor Rückkehr

"Lucas hatte keine leichte Zeit, auch wegen der vielen Verletzungen", bewertet Flick. Dann wird er deutlich: "Man muss aber auch sagen, dass unsere Viererkette ein absoluter Rückhalt ist. Defensiv wie offensiv."
Fakt ist, der FC Bayern braucht seinen Rekordeinkauf im Moment nur als Unterstützung in der Breite. Flick hat eine Formation gefunden, die ihm die Option auf das Triple schon in diesem Jahr ermöglicht. Warum sollte er umstellen?
Davies hat sich auf der linken Seite in Windeseile zu einem der besten Verteidiger Europas gemausert. Der Kanadier ist der Shootingstar der aktuellen Saison.

Flick macht Hernández wenig Hoffnung

Auch Alaba hat sich als Innenverteidiger neu erfunden und bietet keinen Angriffspunkt. Die Neuausrichtung des Österreichers war Flicks Power-Move zu Beginn seiner Amtszeit. Er wird ihn kaum zu Gunsten von Hernández rückgängig machen.
Auch, weil der Franzose - wenn er dann mal spielen darf - kaum auf sich aufmerksam macht. "Letztlich entscheidet der Trainer, wer spielt", machte Flick schon vor einigen Wochen deutlich. Auch ein Hinweis darauf, dass er sich nicht von etwaigen Kaderplanungen aus der Ruhe bringen lassen will.
Ganz im Gegenteil: Der Trainer wird in den laufenden Verhandlungen mit Alaba darauf hinwirken, das Eigengewächs weiter an den Rekordmeister zu binden. Er sieht in dem Linksfuß nicht nur den aktuellen, sondern auch den zukünftigen Abwehrboss und perfekten Partner für Niklas Süle, der schon in dieser Woche ins Mannschaftstraining zurückkehren wird.

Interesse von PSG soll "ernst" sein

Die verzwickte Lage des Weltmeisters bleibt natürlich kaum jemandem verborgen. Der ehemalige Bayern-Spieler und "Sky"-Experte Dietmar Hamann bezeichnete den 24-Jährigen nach dem Gladbach-Spiel - in dem es auch nur für knapp eine Stunde Spielzeit reichte - als "Bayerns größtes Problem", das es im Sommer zu lösen gelte.
In Paris spitzt man da natürlich die Ohren. Wie die "Bild" berichtet, ist das Interesse von PSG am Bayern-Spieler ernst. Der spanische Radio-Sender "Cadena SER2 berichtet gar, dass der Tuchel-Klub bereits mit der Hernández-Seite in Verbindung getreten sei.
Der französische Meister will sich defensiv neu aufstellen und dazu neben Lucas auch dessen Bruder Theo holen. Für den Spieler sicherlich eine lohnende Perspektive, sollte er diese bei Bayern nicht mehr sehen.

"Noch steht er hier unter Vertrag"

Noch ist das Zukunftsmusik. Die Bayern stecken mitten im titelträchtigen Saisonendspurt.
Bis zum Pokalfinale habe man "noch zwei normale Wochen", stellt Flick in Aussicht, Hernández könne sich näher an die Startelf heranspielen. "Er bekommt alle Unterstützung und Aufmerksamkeit. Und ja, ich sehe sein Potential, auch wenn das nach außen nicht so rüberkommt."
Fakt sei auch, dass Lucas Hernández noch beim FC Bayern unter Vertrag stehe, schob der Trainer noch nach. Im Sommer wird es - so oder so - Gespräche geben.
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