WM 2022: Argentinien im Team-Porträt: Lionel Messis letzter Weltmeisterschafts-Tanz mit der Selección

Es ist wohl der letzte Anlauf von Lionel Messi, mit der argentinischen Nationalmannschaft den größten Pokal im Weltfußball zu gewinnen. Bei der WM in Katar versucht "La Pulga" den Titel zum dritten Mal nach Argentinien zu holen. 2014 noch an Mario Götze gescheitert, gehört die Selección 2022 zum engen Favoritenkreis. Mit einem begeisterten Fußball will Argentinien diesmal den Bann brechen.

Spieler im Fokus - Lionel Messi: Der letzte Tanz von La Pulga

Quelle: Perform

Für Lionel Messi fällt in Katar der finale WM-Vorhang. "Es ist die letzte Weltmeisterschaft", verkündete der 35-jährige Argentinier. Und für die Schluss-Vorstellung hat der sechsmalige Weltfußballer ein vielversprechendes Ensemble um sich geschart.
Das 3:0 bei der WM-Generalprobe Ende September gegen Jamaika zeigte das ganze Repertoire der neuen Selección. Dem Führungstor gingen unglaubliche 27 Pässe zwischen allen zehn (!) Feldspielern voraus. Messi betrat die Bühne erst nach einer Stunde, schlüpfte aber sofort mit einem Doppelschlag und jetzt 90 Toren in 164 Länderspielen, 100 davon siegreich, in die Hauptrolle.
So machte es Argentinien mit 35 Spielen ohne Niederlage Brasilien (1993-1996) und Spanien (2007-2009) gleich und zielte auf den Rekord von Italien (37 Spiele zwischen 2018 und 2021). Die Serie begann nach der letzten Niederlage am 2. Juli 2019, einem 0:2 im Copa-America-Halbfinale gegen Brasilien.
Danach krempelte Nationalcoach Lionel Scaloni, der nach dem von Egos provozierten Kollaps bei der WM 2018 zunehmend das Vertrauen der Spieler gewann, den Weltmeister von 1978 und 1986 nach seinem Gusto um, formte eine Einheit. Er schuf einen aggressiven und gleichzeitig kreativen Spielstil, vertrieb Messis böse Geister, holte das Volk als Rückendeckung zurück.

Selección überzeugt mit atemberaubenden Pressing

Und weil Argentinien mit dem Copa-America-Triumph 2021 seine 28 titellosen Jahre beendete, nennen die "Hinchas" (Fans) ihre Selección nur noch liebevoll "La Scaloneta". Vergessen das vergeigte WM-Endspiel 2014 gegen Deutschland, die verlorenen Copa-Finals 2015 und 2016. "Wir hatten alles richtig gemacht, bis auf das letzte Spiel", erinnert sich Messi an die Narben.
Argentinien ist heute nicht nur Spielkunst a la Messi. Argentinien 2022 ist atemberaubendes Pressing, sofortiger Versuch der Rückeroberung nach Ballverlust, aufrückende Außenverteidiger, mitspielender "Fünfer", Innenverteidiger hinten und vorne, ein Neuner, der trifft. Und Tore, so früh wie möglich. Wie in den Finals 2021 gegen Brasilien (22.) und jüngst gegen Italien (28.).
Im 4-3-3-System von Scaloni gibt es feste Stützen wie die verbliebenen Altstars Messi, Angel Di Maria oder Nicolas Otamendi, aber auch neue Eckpfeiler wie Torhüter Dibu Martinez (Aston Villa), Rodrigo De Paul (Atletico Madrid) im Mittelfeld oder Lautaro Martinez (Inter Mailand) als Angriffsspitze.
"Wir werden uns gegen jeden stellen, aber wir glauben nicht, dass wir schon die Champions sind", bemerkt Messi und fügt erst gar nicht ans Finale denkend an: "Das erste Spiel ist entscheidend." Und das ist am 22. November gegen Saudi-Arabien und mit einem Rekord vor Augen.

Der Star: Lionel Messi

Argentiniens Fußball-Nationaltrainer Lionel Scaloni verkündet sicher: "Je mehr er genießt, desto mehr genießen wir alle." Mag Lionel Messi bei Paris St. Germain auf seiner Karriere-Zielgeraden viel seltener Glanzlichter setzen, in der Seleccion fühlt er sich nach vier verkorksten Weltmeisterschaften plötzlich pudelwohl.
Obwohl der 35-Jährige auf WM-Bühnen bislang eher eine tragische Figur abgegeben hat. Gerade gegen Deutschland. Als Teenie schaute er 2006 beim Elfmeter-Drama hilflos von der Bank aus zu, bei der 0:4-Klatsche 2010 war er ebenfalls im Viertelfinale auf dem Rasen völlig überfordert, 2014 scheiterte er im Final-Krimi von Maracana in Rio de Janeiro.
Und als ihm die DFB-Elf endlich aus dem Weg ging und in Russland vor vier Jahren Frankreich seinen Weg kreuzte, kollabierte die Seleccion unter Egos.
Dann kam Scaloni, nahm Messi die alleinige Verantwortungslast. Und seitdem spielt der sechsmalige Weltfußballer im himmelblauen Trikot wie befreit auf, kämpften ihn seine Mitspieler 2021 zum Copa-America-Triumph, las er Europameister Italien ein Jahr später im Finalissima beim 3:0 die Messe. Einer für alle, alle für einen. Für Messi ein letztes Mal.

Der Trainer: Lionel Scaloni

Argentinien befindet sich wieder im Fußball-Fieber, nennt die Seleccion seit dem Copa-America-Triumph 2021, dem Ende von 28 titellosen Jahren, liebevoll "La Scaloneta" – und huldigt damit einen, den niemand auf der Rechnung hatte. Nationaltrainer Lionel Scaloni mutierte von einer Lösung auf Zeit zum neuen Wegweiser.
Exakt 40 Tage vor Argentiniens erstem WM-Titel 1978 im 4000-Seelen-Dorf Pujato, unweit Messis Heimat Rosario, geboren, war der einstige Mittelfeldspieler schon in 15 Profi-Jahren in Europa vor allem bei Deportivo La Coruna mit Spaniens Meisterschaft 2000 und Pokalsieg 2002 Stimmungsführer in der Kabine. Aber auch entscheidend, wie bei seinem Siegtor zum 2:1 im Champions-League-Duell im September 2000 gegen den Hamburger SV.
Zum Chefposten bei der Seleccion kam der auf Mallorca wohnende 44-Jährige, der im WM-Kader 2006 stand, wie die Jungfrau zum Kind. Ohne Meriten als Klubcoach stieg er vom Scout bei der Endrunde 2018 über die U20 hoch zur Interimslösung und ab November dann zum definitiven Glücksfall.
"Die Seleccion ist für alle", lautet sein Credo, das er als U20-Weltmeister 1997 von Lehrmeister Jose Pekerman mit auf den Weg bekam.

Argentiniens Kader für die WM 2022 in Katar:

Tor: Emiliano Martinez (Aston Villa), Franco Armani (River Plate), Geronimo Rulli (FC Villarreal)
Abwehr: Gonzalo Montiel (FC Sevilla), Nahuel Molina (Atletico Madrid), German Pezzella (Betis Sevilla), Cristian Romero (Tottenham Hotspur), Nicolas Otamendi (Benfica Lissabon), Lisandro Martinez (Manchester United), Juan Foyth (FC Villarreal), Nicolas Tagliafico (Olympique Lyon), Marcos Acuna (FC Sevilla)
Mittelfeld: Leandro Paredes (Juventus Turin), Guido Rodriguez (Betis Sevilla), Enzo Fernandez (Benfica Lissabon), Rodrigo De Paul (Atletico Madrid), Exequiel Palacios (Bayer Leverkusen), Alejandro Gomez (FC Sevilla), Alexis Mac Allister (Brighton & Hove Albion)
Angriff: Paulo Dybala (AS Rom), Lionel Messi (Paris St. Germain), Angel Di Maria (Juventus Turin), Nicolas Gonzalez (AC Florenz), Joaquin Correa (Inter Mailand), Lautaro Martinez (Inter Mailand), Julian Alvarez (Manchester City)
(SID)
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Quelle: Perform

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