Drei Dinge, die bei Oman gegen Deutschland auffielen: Alles schreit nach dem Bayern-Block - Füllkrug sticht

Deutschland müht sich bei der Generalprobe vor der WM 2022 in Katar zu einem 1:0 (0:0) im Oman. Bundestrainer Hansi Flick verzichtet dabei auf einige vermeintliche Stammkräfte. Bis auf Werder-Stürmer Niclas Füllkrug kann sich in deren Abwesenheit aber niemand empfehlen. Die Zeit, um die klar erkennbaren Abstimmungsprobleme zu lösen, wird knapp. Alles schreit nach dem eingespielten Bayern-Block.

Leroy Sané vom FC Bayern

Fotocredit: Imago

Der letzte und einzige WM-Test der deutschen Nationalmannschaft stand unter dem Motto "Experimente" und "Erkenntnisse".
Hansi Flick wollte das müde und wackelige 1:0 (0:0) seiner Mannschaft gegen den Oman also nicht zu hoch hängen. Das Spiel habe "seinen Sinn erfüllt", sagte der Bundestrainer mit einem Lächeln.
Flick hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass am Mittwochabend im Sultan Qaboos Sports Complex nicht die erste Elf für die Weltmeisterschaft ermittelt werden würde. Vermeintlich gesetzte Top-Stars wie Jamal Musiala oder Serge Gnabry wurden gänzlich geschont.
Dennoch war es für einige Spieler die Chance, sich für eine größere Rolle in Katar zu empfehlen. Bis auf einen Lichtblick in der Sturmspitze schaffte das gegen mutig aufspielende Omanis aber niemand.
Drei Dinge, die auffielen.

1.) Vorne ungefährlich, hinten wackelig

Erst am Montagabend war der deutsche A 330 in Maskat gelandet, in den vergangenen beiden Tagen stand Regeneration und Belastungssteuerung, statt intensivem Training auf dem Programm.
Es war also wenig verwunderlich, dass es im Zusammenspiel der DFB-Elf noch gehörig haperte. Dass sich die trotz allem hochkarätig besetzte Offensivreihe gegen einen tiefstehenden Oman über weite Strecken aber so ideenlos präsentierte, überraschte dann doch ein wenig.
Immerhin standen mit Leroy Sané, Kai Havertz, Jonas Hofmann, Leon Goretzka und Ilkay Gündogan fünf Spieler von Beginn an auf dem Platz, die sich berechtigte Hoffnungen auf einen Platz in der Startelf zum WM-Auftakt gegen Japan (Mittwoch, 23. November ab 14:00 Uhr im Liveticker) machen.
Doch bis auf eine Kombination zwischen Goretzka und Havertz (16.) und einen Pfostentreffer von Youssoufa Moukoko (45.+1), der in der Sturmspitze von Beginn an ran durfte, blieb die deutsche Offensive in Halbzeit eins völlig blass.
Da sich auf der anderen Seite auch die Defensive, bestehend aus Lukas Klostermann (in der 30. Minute von Armel Bella-Kotchap ersetzt), Thilo Kehrer, Matthias Ginter und David Raum, alles andere als sattelfest präsentierte, konnte die deutsche Auswahl zwischenzeitlich sogar froh sein, nicht in Rückstand zu geraten.
Die Omanis waren giftig im Zweikampf und schalteten blitzschnell um. In der 72. Minute hatte Deutschland eine Menge Glück, als Muhsen Al-Ghassani freistehend vor Manuel Neuer vergab.
"Wenn man die Zweikämpfe sieht, die wir angegangen sind, war das nicht auf dem Niveau, wie wir es uns bei der WM wünschen", kritisierte Flick, schob aber gleich verteidigend hinterher: "Wir müssen auch ein bisschen Verständnis haben. Man hat gesehen, dass nicht jeder so in die Zweikämpfe reingegangen ist, weil die Spieler ein bisschen Angst hatten, sich zu verletzen."
Auch wenn sich Flicks Team in Halbzeit zwei steigerte und durch Niclas Füllkrug, der Moukoko zur Halbzeit ersetzte, zum erlösenden Siegtor traf, bleibt eine Woche vor dem WM-Auftakt gegen Japan mindestens ein mulmiges Gefühl zurück.

2.) Alles schreit nach dem Bayern-Block

Klar ist auch: Die größten Gewinner waren am Mittwochabend (neben Füllkrug, aber dazu später mehr) die Spieler, die nicht zum Einsatz kamen.
Musiala und Gnabry zum Beispiel, die in Katar gesetzt sein dürften. An Joshua Kimmich, der in den zweiten 45 Minuten eingewechselt wurde und für deutlich mehr Ordnung im deutschen Spiel sorgte, führt ohnehin kein Weg vorbei.
Sané und Goretzka zeigten in Maskat zwar mehr Schatten als Licht, sind aber ebenfalls Teil des eingespielten Bayern-Blocks, der in den vergangenen Wochen durch Europa und die Bundesliga fegte – und an dem Flick gegen Japan nur schwer vorbeikommen wird.
Dem Bundestrainer fehlt bis kommenden Mittwoch schlicht und ergreifend die Zeit für weitere Experimente. Auch ein international erfahrener Spieler wie Ilkay Gündogan, seines Zeichens Kapitän von Manchester City, konnte gegen den Oman die Abstimmungsprobleme mit den Bayern-Stars nicht kaschieren.
Ein Punkt, der im direkten Duell mit Goretzka um den zweiten Platz in der Zentrale gegen ihn spricht.

3.) Füllkrug sticht Moukoko aus

Einen Lichtblick in der Offensive gab es dann aber doch: Niclas Füllkrug. Der Torjäger von Werder Bremen stach Moukoko im direkten Duell der Neuner klar aus. Zwar bekam der 17-Jährige, der sich als jüngster DFB-Debütant seit Uwe Seeler in die Geschichtsbücher eintrug, den Vorzug von Beginn an, fiel aber neben seinem Pfostenknaller vor allem mit Stockfehlern auf.
Füllkrug dagegen nutzte seine vier Ballkontakte zu zwei Torschüssen und einem Treffer. Einen Pass von Havertz nahm er in der 81. Minute mit rechts mit und vollendete eiskalt mit links.
"Das hat er sich verdient", lobte Flick: "Man hat schon auf dem Platz gespürt, dass da eine Präsenz da ist." In Halbzeit zwei sei seine Mannschaft ohnehin "wesentlich besser als in der ersten Halbzeit" gewesen.
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Niclas Füllkrug

Fotocredit: Getty Images

Auch "RTL"-Experte Lothar Matthäus zeigte sich von Füllkrug geradezu begeistert: "Für mich ist er so ein bisschen ein Straßenfußballer, weiß wo das Tor steht, kann aber auch den letzten Pass spielen. Er setzt sich durch, weil er körperlich stark ist – und genau dieses Element hat dem Puzzle noch gefehlt."
Drei Minuten nach dem Führungstreffer hätte Füllkrug beinahe noch einen Doppelpack geschnürt, stand bei einem Abpraller aber knapp im Abseits.
Der 29-Jährige hat auf jeden Fall seine Duftmarke hinterlassen. "Hansi wird ihn dann schon bringen, wenn es nötig ist", so Matthäus.
Thomas Müller stand am Mittwoch mit muskulären Probleme im Hüftbereich weiterhin nicht zur Verfügung, Havertz scheint Flick zudem eher auf einer der Offensiv-Positionen hinter der Spitze zu sehen. Nicht auszuschließen, dass wir Füllkrug gegen Japan sogar in der Startelf sehen werden.
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