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WM 2022: Irans stiller Protest während Nationalhymne öffnet der Welt die Augen - starkes Zeichen gegen Regime
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Publiziert 22/11/2022 um 16:09 GMT+1 Uhr
Irans Spieler schweigen bei der Hymne und setzen ein eindrucksvolles Zeichen gegen das Regime in ihrer Heimat. Damit boten die Nationalspieler auch der FIFA die Stirn, die während der Fußball-WM jegliche politische Statements untersagt hat. Zuhause drohen den Athleten nun Konsequenzen. Doch der stille Protest beim Auftakt gegen England (2:6) hat der Welt längst die Augen geöffnet.
Irans Nationalspieler sorgten mit ihrem stillen Protest für Aufsehen
Fotocredit: Getty Images
Als Irans Fußballer bei der Nationalhymne mit ernsten Mienen beharrlich schwiegen, sendete das Staatsfernsehen in der Heimat eine Totale des Stadions. Als rund eine Stunde später die Fans auf den Rängen unüberhörbar "Freiheit, Freiheit" riefen, wurde der Ton abgedreht. Doch da hatten die Proteste gegen das Regime in Teheran längst die WM in Katar und damit die Augen der Welt erreicht.
"Die Mannschaft hat Charakter gezeigt, ich bin sehr stolz", sagte Nationaltrainer Carlos Queiroz nach dem 2:6 (0:3) zum WM-Auftakt gegen England. Die sportliche Niederlage geriet schon in den Hintergrund, als im Khalifa International Stadium noch gespielt wurde.
Der Auftritt des Team Melli um den Leverkusener Sardar Azmoun war längst das, was der Gastgeber Katar und der Weltverband FIFA mit allen Mitteln vermeiden wollten - politisch.
Mit dem beredten Schweigen - demonstrativ Arm in Arm mit versteinerten Gesichtern - hatten die Nationalspieler auch auf die Vorwürfe vieler demonstrierender Iraner reagiert, die der Mannschaft eine zu große Nähe zur Staatsmacht und fehlenden Mut vorgeworfen hatten.
Iran wird zur mutigsten Mannschaft der Welt
Vor dem Abflug nach Katar hatte das Team den Staatspräsidenten Ebrahim Raisi besucht und ein Trikot überreicht, danach brannten bei den Aufständen gegen das Regime Bilder der Nationalmannschaft, Team Melli, das immer das ganze Land einte, war plötzlich "Team Mullah".
Im Internet wünschten sich viele Iraner, die seit dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini trotz brutaler Staatsgewalt unaufhörlich gegen die Unterdrückung demonstrieren, eine möglich hohe Niederlage zum WM-Start.
In sportlicher Hinsicht bekamen sie die - und die Presse in der Heimat versuchte, sie mit nichtsportlichen Gründen zu erklären. Die ultra-konservative Zeitung Dschawan schrieb, die Mannschaft habe "unter dem stärksten medialen Druck" gestanden, das Blatt Kayhan warf den "mit dem zionistischen Regime und Saudi-Arabien verbundenen Medien" vor, einen "nie dagewesenen und feigen, psychologischen und medialen Krieg" angezettelt zu haben.
Weltweit wurde Team Melli eher als Sieger gefeiert. Die Bild nannte es die "mutigste Mannschaft der Welt", von einem "symbolträchtigen Moment" schrieb die französische Zeitung Liberation.
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Beim Auftakt von Iran geriet das Sportliche in den Hintergrund
Fotocredit: Getty Images
Spieler setzen ein starkes Statement
Auch auf den Tribünen waren Protestaktionen zu sehen, trotz aller Bemühungen der Ordnungskräfte. Einige trugen T-Shirts mit dem Protestslogan "Frauen, Leben, Freiheit", hielten Plakate mit dem Spruch hoch. Eine Frau wurde festgesetzt, weil sie die alte iranische Flagge vor der Machtergreifung der Mullahs trug, wie ein Video im Internet zeigte.
Einzelne Spieler wie der Leverkusener Azmoun hatten schon vor der WM die Protestierenden unterstützt. "Schämt euch alle, wie leichtfertig Menschen ermordet werden. Lang leben die iranischen Frauen", hatte Azmoun in seinem inzwischen wieder gelöschten Posting geschrieben. Der England-Legionär Saman Ghoddos hatte gesagt: "Was die Menschen im Iran wollen, ist nichts Besonderes - nur Freiheit."
Die Frage war aber: Wie reagiert das Team bei der WM? Im letzten Testspiel hatten noch zwei Spieler die Hymne gesungen, jetzt schwiegen alle. Obwohl drakonische Strafen drohen, über Sperren wurde bereits spekuliert. Unzählige Regimegegner sind in den vergangenen Wochen verhaftet worden, einige wurden zum Tode verurteilt.
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(SID)
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Quelle: MagentaTV
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