Deutsche Nationalmannschaft gewinnt 4:3 gegen die Schweiz - war was? Julian Nagelsmanns ungewöhnlicher Kuschelkurs
Update 28/03/2026 um 12:46 GMT+1 Uhr
Der 4:3-Sieg der deutschen Nationalelf im WM-Test in Basel gegen die Schweiz brachte dem Bundestrainer Erkenntnisse, die so zahlreich sind wie die neu entstandenen Rätsel und Fragezeichen, beispielsweise rund um Problemkind Leroy Sané. Und was macht Julian Nagelsmann? Er strahlt Zuversicht aus, Gelassenheit, totale Ruhe. Ganz nach dem Motto: 4:3 - na, und? War was? Und überhaupt: Wird schon!
Überragender Wirtz nach Traumtor: "Ich würde lügen, wenn ..."
Quelle: Eurosport
Der St. Jakob-Park im Osten der Stadt Basel ist das größte Stadion der Schweiz. Von den Einheimischen wird das Stadion, das von außen eher wie ein Einkaufszentrum mit Parkhaus aussieht, liebevoll "Joggeli" genannt - der Dialektausdruck für Jakob, im Diminutiv, also der Verkleinerungsform. Das lieben die Schweizer, an den Kiosken rund um die Arena gab's "Knusperli oder "Schoggi".
Drinnen gab's beim Testländerspiel zwischen den beiden WM-Teilnehmern Schweiz und Deutschland jede Menge Törli - ja okay, 's 'isch' gut. Sieben Tore, ein Offensivspektakel - ein Fest für die Fans.
Der teils wilde 4:3-Erfolg des DFB-Teams, es war der Auftakt ins WM-Jahr, dürfte bei Bundestrainer Julian Nagelsmann eine Art Schüttelfrost ausgelöst haben.
Gar fiebrige Verzückung ob der Genialität von Doppelpacker Florian Wirtz, aber auch zittrige Kopf- und Gliederschmerzen angesichts der löchrigen Defensive. Vor allem das zentrale Abwehr-Duo Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck muss mit Blick auf die WM in Nordamerika (11. Juni bis 19. Juli) noch auf Betriebstemperatur kommen. Denn das war ziemlicher Käse, immerhin am passenden Ort dafür.
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Wirtz brilliert in bereits weltmeisterlicher Form
Nach vorne machte insbesondere der famose Liverpooler Flügelstürmer Wirtz jede Menge Spaß - und das mit einem Wahnsinnsschuss in den Winkel zum 3:2, dem schlauen Schlenzer zum 4:3 sowie zwei perfekten Vorlagen zu den Treffern von Jonathan Tah per Kopf (zum 1:1) und Serge Gnabry mit feinem Heber über Schweiz-Torwart Gregor Kobel (zum 2:2).
Unterm Strich hat das erste Länderspiel des Jahres, absolviert in den neuen, blauen Auswärtstrikots, ebenso viele Frage- wie Ausrufezeichen aufgeworfen. Old-school-mäßig formuliert: Vorne hui, hinten pfui.
Und was macht Nagelsmann nach dem so ereignisreichen Abend mit vielen Wendungen und Wirrungen, mit Erkenntnissen, die so zahlreich waren wie die neu entstandenen Rätsel? Er strahlt Zuversicht aus, Gelassenheit, totale Ruhe. Ganz nach dem Motto: 4:3 - na, und? War was? Und überhaupt: Wird schon!
Er habe "viel Gutes gesehen", begann der 38-Jährige am späten Abend in Basel sein Fazit und meinte: "Wir haben viele Tore erzielt und viele Chancen herausgespielt, mussten aber auch ein paar Widerstände überstehen. Die Mentalität fand ich gut - auch, dass wir mit 100 Prozent Spannung unterwegs waren. Die Jungs sind trotz des späten Ausgleichs nochmal verdient zurückgekommen. Trotzdem gibt es ein paar Punkte, die wir besser machen können im Verteidigen."
Klingt nach: Passt schon!
Wirtz? Nagelsmann schwärmt: "Außergewöhnlich!"
Natürlich stimmte Nagelsmann mit ein in all die Lobeshymnen über Matchwinner Florian Wirtz, dessen Tore in Basel und generelle Fähigkeiten er als "außergewöhnlich" beschrieb. Der Bundestrainer weiter: "Er ist im Weltfußball ein Name, und wenn er das beibehält, wird er über ganz lange Zeit ganz oben stehen bei allen Klubs, weil er unfassbar gut ist und immer die nötige Power hat."
Diese Übung, Wirtz über den grünen Klee zu loben, war eine leichte. Aber auch die Mannschaftsteile und die Einzelspieler zu verteidigen und stark zu reden bei denen es nicht lief, gelang Nagelsmann.
Trotz einiger Schwierigkeiten gegen den Ball und in den Umschaltmomenten, bei denen die flinken sowie oft gedanklich schnelleren Eidgenossen die DFB-Profis überrumpelten, sah der Bundestrainer fast nur das Positive.
Beispiel: Die wacklige Abwehrzentrale mit Jonathan Tah (FC Bayern) und Nico Schlotterbeck, verantwortlich für die ersten beiden Gegentore? Vor allem der schludrige Innenverteidiger von Borussia Dortmund, der einige Fehlpässe spielte und ein Sicherheitsrisiko darstellte? Ach wo!
"Er war mit Ball ein bisschen unsicher und unkonzentriert in der ein oder anderen Situation. Das 0:1 hat er mit eingeleitet, aber Haken dran", sagte Nagelsmann milde und erklärte: "Ich will, dass die Jungs Dinge probieren und mutig sind, er kriegt keinen Rüffel. Er hat sich gut gefangen und sehr hart verteidigt, sich gegen wuchtige Schweizer super behauptet."
Warum Nagelsmann Leon Goretzka weiter gut findet
Zweitens, das in den Zweikämpfen oft zu nachlässige und zu harmlose Mittelfeld-Zentrum um die beiden Sechser Leon Goretzka und Angelo Stiller, der erst nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha nachnominiert worden war? Ach was!
Nagelsmann schielt die schützende Hand über das Duo, sagte: "Für Leon war der Raum deutlich enger. Er hatte drei sehr gute Situationen, aus allen drei hätte ein Tor entstehen können. Er hat in Umschaltsituationen eine gute Position gehabt, einen guten Einfluss im Anlaufen, das war insgesamt in Ordnung. Angelo hat mit Ball ein super Spiel gemacht, war sehr ruhig, das ist seine große Stärke, er wird selten nervös, wenn er Fußballspielen kann. Er kann aber aggressiver verteidigen wie beim 0:1. Aber er hat es gut gemacht dafür, dass er nachnominiert wurde."
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Oliver Baumann (l.) und Nico Schlotterbeck (r.) nach dem 4:3-Sieg der DFB-Elf gegen die Schweiz
Fotocredit: Imago
Nagelsmann sieht in Havertz einen "Unterschiedsspieler"
Drittens, der unglückliche Angreifer Kai Havertz vom FC Arsenal, der bedingt durch zahlreiche Verletzungen erstmals seit November 2024 wieder in einem Länderspiel zum Einsatz kommen konnte, jedoch einige Chancen vergab?
"Kai hat sehr gut gespielt, sehr engagiert, ein bisschen hat ihm das Fortune gefehlt. Er hat sehr mannschaftsdienlich gespielt, hatte sechs, sieben sehr gefährliche Situationen", erläuterte Nagelsmann und betonte: "Wenn er die perfekte Fitness findet, ist er für uns auf einem Niveau wie Flo oder Jamal Musiala oder Serge Gnabry heute - ein Unterschiedsspieler."
Teenager Karl stellte Routinier Sané in den Schatten
Und zu guter Letzt, viertens: Leroy Sané, das ewige Versprechen, die ewige Verheißung der Nationalmannschaft.
Auch in seinem 73. Länderspiel agierte der Rechtsaußen wie ein Weltklassefußballer im Konjunktiv. Wenigstens ihn, den 30-Jährigen, den so erfahrenen Profi von Galatasaray Istanbul hätte Nagelsmann rüffeln können.
Nach einer durchwachsenen Leistung, die umso durchwachsener erschien, nachdem ihn Debütant Lennart Karl (18) nach einer guten Stunde abgelöst und mit ein paar wenigen, frechen Aktionen in den Schatten gestellt hatte? Aber nein!
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Fußball: Bundestrainer Julian Nagelsmann wechselt Lennart Karl (FC Bayern München, M.) für Leroy Sané (Galatasaray Istanbul, r.) im WM-Test gegen die Schweiz ein
Fotocredit: Getty Images
"Er hat aufblitzen lassen, was er kann, aber er kann noch intensiver spielen und es besser machen. Er hat im Verein ordentliche Spielzeit, aber viele entscheidende Spiele nicht gemacht, den fehlenden Rhythmus muss man berücksichtigen", verteilte Nagelsmann auch im Fall Sané eine Streicheleinheit.
Ob der Ex-Bayer, dessen Nominierung bereit sehr kontrovers diskutiert worden war, nun seine x-te Chance nun verspielt habe? "Da gibt es schon noch weitere. Ich erwarte nicht immer zwei Tore und drei Vorlagen, es geht um das Gesamtbild", so der Bundestrainer, "Er bekommt am Montag die nächste Chance, es besser zu machen."
Wenn es beim zweiten WM-Test, dem letzten vor der Nominierung des 26er-WM-Kaders Ende Mai, in Stuttgart gegen Ghana geht.
Zahlen ihm die Spieler bei der WM das Vertrauen zurück?
Warum Nagelsmann derart milde gestimmt ist und als fürsorgender Herbergsvater auftritt? Weil er weiß: Es ist Ende März, in den Vereinen stehen ab Anfang April die alles entscheidenden Wochen der Meisterschaften an.
Auch in der Champions League geht es alsbald ans Eingemachte. Bis dahin kann noch viel passieren, inklusive unglücklicher Verletzungen. Im Idealfall steigern sich Nagelsmanns Profis und performen im Sommer bei der WM auf ihrem Höhepunkt. Im Payback-Modus. Mit breiter Brust. Ohne Selbstzweifel.
Weil der Bundestrainer ihnen Vertrauen geschenkt und sie mit Worten aufgebaut hat - an einem ziemlich kalten Frühlingsabend im Joggeli von Basel. Weil er Schlotterbeck, Stiller, Havertz, Sané & Co. Zückerli gegeben hat.
Schoggi ist ja eine beliebte Nervennahrung.
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Happy Birthday, Manu! Eine Hommage an den Welttorhüter zum 40.
Quelle: Perform
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